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Aus dem Bezirksgericht Meilen«Im Wahn» Kirche in Oetwil am See angezündet

Eine 41-Jährige hatte in einer Kirche ein Brand gelegt. Das Bezirksgericht beurteilte die Frau als schuldunfähig – sie muss aber in Therapie.

Das Bezirksgericht Meilen beurteilt eine 41-Jährige, die eine Kirche in Brand gesteckt hat, als schuldunfähig.
Das Bezirksgericht Meilen beurteilt eine 41-Jährige, die eine Kirche in Brand gesteckt hat, als schuldunfähig.
Foto: PD

Eine Frau hatte in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar dieses Jahres in der reformierten Kirche in Oetwil am See einen Brand gelegt. Nun hat sie das Bezirksgericht Meilen in eine stationäre Therapie eingewiesen. Sie brauche nun eine längere, intensive Betreuung, sagte der vorsitzende Richter.

Er sah den Tatbestand der Brandstiftung als erfüllt an, verzichtete jedoch antragsgemäss auf eine Bestrafung. Die Frau habe «vorsätzlich und willentlich» gehandelt, sei jedoch aufgrund ihrer psychischen Krankheit schuldunfähig.

Das Feuer im Gotteshaus konnte von der Feuerwehr zwar gelöscht werden, doch verursachten Russ und Rauch im Inneren des Gebäudes einen Schaden in der Höhe von über 600‘000 Franken. Nach der Tat ging die Frau zurück in die fünf Fussminuten entfernte psychiatrische Klinik, wo sie damals im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung weilte.

Dass sie therapeutische Hilfe benötigt, bestreitet heute auch die Frau selbst nicht mehr. Ihr grösster Wunsch wäre allerdings, ins geregelte Arbeitsleben zurückkehren zu können. «Doch es ist mir klar, dass das nicht geht», sagte sie am Prozess.

Eine Tat im Wahn

Die Tat würde ihr «unendlich leid tun», sagte die Frau vor Bezirksgericht. Doch «es passierte im Wahn», während eines Schubs ihrer manisch-depressiven Erkrankung, an der sie seit über zehn Jahren leidet. Sie sei an jenem Abend gestresst gewesen und wollte in der Kirche «Stille suchen». Dann sei sie unbemerkt eingeschlossen worden. Und «weil ich extrem gefroren hatte» und aus Ärger über das ihrer Meinung nach schlechte Schliess- und Brandschutzsystem entfachte sie anschliessend mit Kerzen Feuer. Aus der geschlossenen Kirche kam sie, indem sie auf die Empore ging, dort mit einer Vase eine Fensterscheibe einschlug und sich an ihrem Schal nach draussen abseilte.

«Opfer ihrer Krankheit»

Die Staatsanwältin stufte die Frau aufgrund eines Gutachtens als schuldunfähig ein. Entsprechend verzichtete sie auf einen Strafantrag, forderte aber die Anordnung einer stationären Therapie. Mit dieser Behandlung soll die «immanente Wiederholungsgefahr» solcher Taten durch die Beschuldigte reduziert werden. Bei der Frau habe man eine «starke Affinität zu Feuer» festgestellt, die «in Verbindung mit ihrer psychischen Erkrankung» ein hohes Risiko darstelle.

Zur Tatzeit sei «die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Frau erheblich gestört gewesen», sagte die Staatsanwältin. Und auch wenn die Brandstifterin in der Kirche «getrieben von einer inneren Wut» gehandelt habe, «die Frau ist nicht bösartig, sondern Opfer ihrer Krankheit». Auch deshalb sei eine stationäre Therapie «die einzige Lösung».

Ambulante Therapie gewünscht

Auch für die Verteidigerin war klar, dass die Angeklagte schuldunfähig ist. Sie verlangte jedoch anstelle der stationären Therapie die weniger einschneidende Form einer ambulanten Behandlung in einer offenen Einrichtung. Die Verteidigerin betonte, ihre Mandantin habe nie mit Vorsatz gehandelt. Die psychisch kranke Frau sei schlicht nicht in der Lage gewesen, «die Konsequenzen ihres Handelns» vorauszusehen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

SDA