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Analyse zur GC-SaisonImmerhin gibt es GC noch

Mit einem 0:6 gegen Winterthur verpasst es GC, sich doch noch in die Barrage zu retten. Es ist der peinliche Abschluss einer komplizierten Saison in der Challenge League, die nur etwas Gutes hat.

Frust bei GC: Der Rekordmeister blamiert sich im letzten Saisonspiel.
Frust bei GC: Der Rekordmeister blamiert sich im letzten Saisonspiel.
Marc Schumacher/freshfocus

Das perfekte Drehbuch hat Vizepräsident Andras Gurovits im Kopf: «Wir gewinnen 3:0 gegen Winterthur, und Kriens gelingt gegen Vaduz in der 89. Minute das 1:0.» Dann hätte sich GC am letzten Tag der Challenge-League-Saison doch noch in die Barrage gerettet.

Es kommt ganz anders. GC verliert 0:6. Ja, 0:6! Der Auftritt ist nur noch peinlich und charakterlos. Er steht dafür, wie sehr die Luft in den letzten Tagen ausgegangen ist. In sechs Spielen hat es noch einmal gewonnen, dafür 19 Tore kassiert. Dass Vaduz in Kriens verliert, verstärkt den Ärger der paar Fans im Letzigrund nur noch.

«Schade, dass die Saison zu Ende ist», sagt Gurovits. Die Barrage hätte er gerne noch erlebt, selbst bei der wohl geringen Aussicht auf einen Erfolg gegen Thun oder Sion. Vaduz hat nun dieses Privileg, «Chapeau», sagt Gurovits, er ist beeindruckt, weil der Club aus einem Ort mit gerade einmal 6000 Einwohnern kommt. GC dagegen, «das vermeintlich grosse GC», wie es Gurovits nennt, steht sicher vor einer zweiten Saison in der Zweitklassigkeit. Das trübt die Bilanz nachhaltig.

Als die Liquidation drohte

GC hat komplizierte und aufwühlende Monate hinter sich. Es begann im Mai 2019 mit dem Abstieg, der von unwürdigen Ausbrüchen eines Teils seiner Anhängerschaft und zwei Spielabbrüchen geprägt war. In der Führung folgte ein Richtungsstreit. Der alte Präsident, Stephan Rietiker, beharrte auf einem Budget von 20 Millionen Franken selbst für die Challenge League, doch weil das die ehemaligen Besitzer Stephan Anliker und Peter Stüber nicht finanzieren wollten, zog sich Rietiker nach zehn Wochen im Amt wieder zurück.

Dem Club drohte zu der Zeit die Liquidation, «sie war näher als ein Weitermachen», erinnert sich Gurovits. Erst ein Notbudget, bei dem zusammengestrichen wurde, was in der Kürze möglich war, rettete GC die Zukunft. Es betrug trotzdem noch immer stolze 13,6 Millionen, Anliker und Stüber bürgten für ein geplantes Defizit von 6,5 Millionen.

Uli Forte war der Trainer. Auf Oktober kam Fredy Bickel als Geschäftsführer. Überwintert wurde auf Platz 2. Der Fehlstart im neuen Jahr führte zur Trennung von Forte. Dafür kam Bickels Mann des Vertrauens, Goran Djuricin. Inzwischen zeichnete sich der Verkauf des Vereins an die Union HK Holdings Limited aus Hongkong ab. Offiziell wurde er am 10. April, mitten in der Corona-Krise. Bickel musste gehen, weil Platz geschaffen werden musste für Jimmy Berisha als Geschäftsführer und Samuel Haas als Generalsekretär. Berisha und Haas inszenierten sich als die beiden Personen, die für den Kontakt nach China gesorgt hatten.

Hat viel Arbeit vor sich: Sportchef Bernard Schuiteman.
Hat viel Arbeit vor sich: Sportchef Bernard Schuiteman.
Marc Schumacher/freshfocus

Gurovits war chancenlos gegen die Freistellung von Bickel. Die wurde offiziell in China gefällt. Jenny Wang gilt als Besitzerin der Union HK Holdings, wobei das kaum mehr ist als eine Strohfirma, die zum weitverzweigten Imperium von Wangs Ehemann gehört. Der heisst Guo Guangchang, ist unter anderem Besitzer der Wolverhampton Wanderers, geschäftlich auch eng verbunden mit dem grossen portugiesischen Agenten Jorge Mendes und interessiert daran, mit Spielertransfers Geld zu verdienen.

Die Chinesen zahlen wenigstens

Sky Sun, vorher Vizepräsident in Wolverhampton, ist der Präsident im Organigramm. Weder Wang noch Sun sind in Zürich bisher öffentlich in Erscheinung getreten. Sun sei noch vor Corona ein paarmal in Zürich gewesen, er kenne den Letzigrund und den Campus, sagt Gurovits. Er berichtet auch von Videositzungen des Verwaltungsrates mit Wang, Sun und ihm selbst. Darum betont er auch: «Die Chinesen gibt es. Wir haben Verträge mit ihnen, und wir haben ihr Geld.»

Unsichtbare Chinesen garantieren, dass bei GC auch in den nächsten Jahren professionell Fussball gespielt wird. Gerade darum sagt Gurovits: «Uns gibt es noch.» Die Erleichterung, dass sich GC nicht irgendwo in der 2. Liga tummeln muss, drückt sich in diesem Satz aus.

Kann nicht zufrieden sein: Vizepräsident Andras Gurovits.
Kann nicht zufrieden sein: Vizepräsident Andras Gurovits.
Claudio Thoma/freshfocus

Doch die Challenge League kann es auf Dauer für diesen einst stolzen Club auch nicht sein. Nächste Saison darf es nur ein Ziel geben: den direkten Aufstieg. Dafür ist das Budget für diese Liga unverändert üppig ausgestattet: mit rund 14 Millionen. Die Frage ist nur, wie GC zum Erfolg kommen will. Holt es irgendwelche Spieler aus dem Ausland? Setzt es auf die mit viel Geld ausgebildete Jugend, wie das Zoltan Kadar als Nachfolger von Djuricin tat? Und was ist mit Kadar? Bleibt er im Amt?

«Ich würde mir das wünschen», sagte Gurovits, allerdings noch vor dem Debakel gegen Winterthur. Sportchef Bernard Schuiteman will sich zur Trainerfrage erst in den nächsten Tagen äussern. Das Saisonende ist kein Bewerbungsschreiben mehr gewesen für Kadar.