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Essverhalten während CoronaIn der Not setzen die Schweizer auf Kartoffeln

Während der Krise mussten Kartoffeln in grossen Mengen importiert werden, um den aussergewöhnlichen Bedarf zu decken. Doch nicht in jeder Form waren die Kartoffeln gefragt.

Während der Krise stieg die Nachfrage sprunghaft an. Mitarbeiter sortieren die Kartoffeln nach der Ernte.
Während der Krise stieg die Nachfrage sprunghaft an. Mitarbeiter sortieren die Kartoffeln nach der Ernte.
Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die jüngste Importstatistik der Zollverwaltung offenbart überraschende Erkenntnisse zum Essverhalten der Schweizer während der Corona-Krise: Die Renner waren nicht etwa nur Nudeln, Pesto und Reis. Nein, die Schweizer haben sich in den vergangenen Monaten gesund ernährt. Gemüse war aussergewöhnlich gefragt. Der Absatz war so stark, dass die Schweiz den Bedarf nicht selbst decken konnte und im Ausland zukaufen musste. Im April, Mai und Juni legten die Importe im Vergleich zum Vorjahr um 20 bis fast 40 Prozent zu.

Zum Verkaufsschlager avancierte dabei die Kartoffel: Vor, während und noch nach dem Lockdown gab es einen wahren Run auf die Nutzpflanze. Begehrt waren Speisekartoffel und Pommes Chips, wie der Präsident des Schweizer Branchenverbands der Kartoffelproduzenten, Ruedi Fischer, erklärt. Viele Leute hätten sich einen Vorrat angelegt. Und zumindest bei Pommes Chips halte die hohe Nachfrage weiterhin an.

Eine Sprecherin des Bauernverbands berichtet anekdotenhaft von Kartoffel-Hamsterkäufen in grossen Säcken, die sich Leute als Notvorrat zugelegt haben.

Um den hohen Bedarf zu decken, waren Importe notwendig – höhere als in normalen Jahren üblich. Allein im April importierte die Schweiz gut 8000 Tonnen Kartoffeln – so viel wie seit langem nicht. Im Mai und im Juni hielt der Boom an – wenn auch etwas abgeschwächt. Die zusätzlichen Kartoffeln kamen aus Ägypten, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und zuletzt Spanien.

Doch nicht in jeder Form waren die Kartoffeln gefragt: Bei Pommes frites ist der Absatz eingebrochen, wie Fischer erklärt. Denn dazu greifen die Schweizer meist, wenn sie ausser Haus sind – im Restaurant, an Festen oder beim Skifahren. All das war während dem Lockdown nicht oder nur eingeschränkt möglich. Fast-Food-Ketten wie McDonald’s und Burger King hatten wochenlang geschlossen. Die Bauern blieben auf ihren Pommes-frites-Kartoffeln sitzen. Von dem Kartoffelboom konnten also nicht alle profitieren.

Über sämtliche Produktkategorien hinweg fällt die Corona-Bilanz im Import und Export durchwachsen aus. Im gesamten zweiten Quartal brachen sowohl die Ausfuhren wie auch die Einfuhren in die Schweiz ein – bis auf einige wenige Ausreisser. Im Juni zogen sowohl Importe als auch Exporte wieder an.

Neben Kartoffeln importierte die Schweiz deutlich mehr Medikamente. Denn gerade zu Beginn der Pandemie deckten sich viele mit Schmerzmitteln und Erkältungspräparaten ein. Doch während Schmerzmittel länger haltbar sind, dürfte sich für viele Schweizer die Frage stellen: Was tun mit dem angebrauchten 10-Kilo-Sack Kartoffeln, die anfangen zu treiben?

Dafür gibt es einen gute Nachricht: Die Kartoffeln könne man noch essen, wenn sie erste Triebe bilden, sagt Verbandspräsident Fischer. «Ich würde nicht grasgrüne Kartoffeln in grossen Mengen essen. Aber wenn sie ein bisschen grün sind, dann ist das unbedenklich.»

7 Kommentare
    Guido Lima

    10 Kilo Sack hat Triebe?? Dann kann es nicht weit her sein mit dem Kartoffelkonsum. Ich alleine esse pro Monat bestimmt 5 Kilo. Es gibt ja so viele leckere Härdöpfel Gerichte aber zum Teil halt mit ein bisschen Arbeit verbunden. E guete !