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Tennisprofi Paula BadosaIn Quarantäne von Panikattacken geplagt – und keiner hilft

Paula Badosa ist in Melbourne an Corona erkrankt und leidet abgeschottet unter Platzangst und Ohnmacht. Wann die Quarantäne endet? Niemand kann es der Spanierin sagen.

Nach Ankunft positiv: Für die Spanierin Paula Badosa ist die Australienreise zum Albtraum geworden.
Nach Ankunft positiv: Für die Spanierin Paula Badosa ist die Australienreise zum Albtraum geworden.
Foto: Anne-Christine Poujoulat (AFP/Getty Images)

Paula Badosa bleibt auf ihrer Australienreise nichts erspart. Kurz nach der Ankunft in Melbourne kam die Meldung, ein Mitreisender sei positiv auf Covid-19 getestet worden, womit sie schon einmal 14 Tage im Zimmer bleiben musste. Dann, am sechsten Tag der Quarantäne, folgte die Nachricht, dass sie sich auch selber angesteckt hatte. Sie fühlte sich schlecht, hatte Symptome und wurde vom Hotel in eine Gesundheitseinrichtung überwiesen, wo sie überwacht wird.

Damit war das Leiden für die 23-jährige Spanierin, die letzten Herbst am French Open im Achtelfinal stand und auf Rang 67 klassiert ist, nicht zu Ende. «Meine Symptome sind zwar viel besser, aber ich fühle mich sehr müde», sagte sie nun der spanischen Zeitung «Marca». Zudem habe sie inzwischen mit psychischen Problemen zu kämpfen: «Wegen Klaustrophobie und Angstzuständen kann ich kaum schlafen.»

«Wenn das der Fall ist, werde ich nicht rechtzeitig für das Australian Open einsatzbereit sein.»

Paula Badosa

Dazu kommt nun die Ungewissheit, wie lange sie sich noch abschotten muss, genau wie ihr Coach Javier Marti, der ebenfalls positiv getestet wurde. «Seit ich verlegt wurde, hatte ich keine neuen Tests. Dabei wollte ich wissen, um welche Virusvariante es sich handelt, denn davon hängt ab, wie lange ich mich noch isolieren muss», sagte Badosa. Mit dem positiven Test begann ihre Quarantänephase wieder von vorn.

Die «schlimmste Erfahrung» ihrer Karriere

Sollte es sich um die ansteckendere britische Virusmutation handeln, müsse sie fünf Tage länger in Quarantäne bleiben, weiss Badosa. «Wenn das der Fall ist, werde ich nicht rechtzeitig für das Australian Open spielbereit sein.» Die Spanierin ist eine von 72 Spielerinnen und Spielern, die mindestens zwei Wochen unter Zimmerarrest stehen, weil in ihren Flugzeugen auf dem Weg nach Melbourne positive Fälle entdeckt wurden – sie war auf dem gleichen Flug wie die Schweizerin Belinda Bencic. Insgesamt sind über 200 der 1270 in 17 Charterflugzeugen nach Australien gereisten Mitglieder des Tennistrosses in Melbourne kaserniert, rund ein Sechstel.

Das Australian Open beginnt am 8. Februar, in der ersten Februarwoche stehen mehrere Vorbereitungsturniere auf dem Programm. Badosa hatte die Quarantänebedingungen zuerst hart kritisiert, als sie vernommen hatte, dass sie nicht wie geplant trainieren durfte. Inzwischen hat sie sich dafür entschuldigt und eingesehen, dass die harten Massnahmen gerechtfertigt waren.

Obwohl sich Turnierdirektor Craig Tiley persönlich bei ihr gemeldet hat, fühle sie sich von den Organisatoren allein gelassen, sagte sie «Marca». «Ich fühle mich verlassen und habe auch kein Trainingsmaterial erhalten, um das ich schon vor fünf Tagen gebeten habe», kritisierte sie. Die Bedingungen seien unvorteilhaft. «Das Erste, was einem die Leute empfehlen, wenn du das Virus hast, ist, die Fenster zu öffnen. Aber ich habe gar keine Fenster in meinem Zimmer, und es ist höchstens 15 Quadratmeter gross.»

In der Kurzfassung tönt das bei ihr so: «Es ist mit grossem Abstand die schlimmste Erfahrung meiner Karriere.» Und niemand weiss, wie – und wann – sie zu Ende gehen wird.

8 Kommentare
    Peter Squenz

    @Sonja R.T.

    Der Vergleich mit der Tuberkulose ist aus meiner Sicht nicht ganz richtig – es handelt sich um eine bakterielle Erkrankung, die heutzutage vor allem in Entwicklungsländern bzw. dort auftritt, wo die hygienischen Verhältnisse in Kombination mit vielen Menschen auf engem Raum (z.B. Flüchtlingslager) mangelhaft sind. Zudem ist die Tuberkulose – abhängig vom Krankheitsstadium – mit modernen Antibiotika gut behandelbar.