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Extremismus: Winterthur hilft «potentiell Gefährdeten»

Die Stadt Winterthur zieht eine positive Bilanz zur Arbeit der Extremismus-Fachstelle und will den bisher befristeten Betrieb weiterführen.

Gewaltbereitschaft ist das Thema, nicht die Religion: Das Minarett der Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins in Winterthur, aufgenommen am Samstag, 7. März 2009.
Gewaltbereitschaft ist das Thema, nicht die Religion: Das Minarett der Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins in Winterthur, aufgenommen am Samstag, 7. März 2009.
Alessandro Della Bella, Keystone

Seit Oktober 2016 ist die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention (FSEG) in der Stadt Winterthur tätig. Ende 2018 sollte der Betrieb der Anlaufstelle enden, nun hat sich der Stadtrat für die Weiterführung entschieden, wie er heute Dienstag bekannt gab. Die Fachstelle wurde gegründet, weil sich mehrere Personen aus Winterthur dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben. Die bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass für die Früherkennung und Prävention von Radikalisierung nach wie vor Beratungsbedarf bestehe.

An der heutigen Pressekonferenz zog Stadtrat Nicolas Galladé (SP), Vorsteher des Sozialdepartements, eine positive Bilanz. Die mit einem 80-Prozent-Pensum dotierte Fachstelle habe in weniger als zwei Jahren eine positive Wirkung gezeigt, sagt er. Sie habe zu einer «deutlich spürbaren Entspannung in der Bevölkerung» geführt und zum Aktionsplan des Bundes zur Verhinderung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus beigetragen. Auf Bundesebene werde sogar empfohlen, Anlaufstellen wie jene in Winterthur auch in anderen Gemeinden zu etablieren.

Zusammenarbeit mit der Polizei in fünf Fällen

In den ersten 18 Monaten seit Betriebsbeginn hat die Fachstelle 76 Beratungsanfragen behandelt. Mehrheitlich ging es dabei um Fragen von Islamismus. In 68 Fällen handelte es sich «potentiell gefährdete» Leute, wie Fachstellenleiter Urs Allemann sagte. Diese vertraten radikale Ideologien oder Gedanken und haben gegen ungeschriebene Normen und Gesetze verstossen – alles Handlungen, welche nicht zu strafrechtlichen Ahndungen führt.

Die Beratungsgespräche hätten meist zur Beruhigung der Situation geführt. Fünfmal musste die Fachstelle mit der Gewaltschutzstelle der Winterthurer Stadtpolizei zusammenarbeiten: In zwei Fällen wurde ein islamistischer Hintergrund vermutet, der aber nur im Fall eines jungen Manns zutraf, der sich dem IS anschliessen und nach Syrien ziehen wollte. In zwei weiteren Fällen hatten psychisch auffällige Personen islamistischen Wahnvorstellungen; beide wurden fürsorgerisch untergebracht. Der letzte der fünf Fälle betraf Drohungen in einem Streit unter Arbeitskollegen und hatte nichts mit einem religiösen Hintergrund zu tun.

Schülerin prophezeite Hölle

Allemann gab eines der Beispiele bekannt, bei der er als Fachperson intervenieren musste. Ein Berufsschullehrer habe sich Sorgen gemacht, als eine Schülerin begann, den Islam zu praktizieren und sich verschleierte. Sie prophezeite einer muslimischen Mitschülerin, dass sie in die Hölle komme, falls sie die islamischen Gebote nicht einhalte.

In Gesprächen mit der Schülerin und ihren Eltern konnte er die Situation entschärft werden und es war ihm möglich festzustellen, dass bei der jungen Frau keine Radikalisierungstendenzen vorliegen. Sie befand sich allerdings auf der Suche nach ihren islamischen Wurzeln.

Vermittlung von Wissen

Neben der individuellen Beratung ist die Wissensvermittlung eine zentrale Aufgabe der Fachstelle. Die FSEG hat unter anderem Elternveranstaltungen und ein Fachseminar zur Früherkennung von islamischer Radikalisierung durchgeführt.

Auch der Leitfaden für die Volksschule - Radikalismus, Umgang mit radikalen Personen und Gruppen - gehört zu den Bereichen, in denen die FSEG zwischen Oktober 2016 und März 2018 die Norm der Gewaltfreiheit vermittelt hat.

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