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«Inkompetenz ist in der Politik förderlich»

Brückenbauer zwischen den Kontinenten: Daniel Levin. Foto: Reto Oeschger

Sie sind seit zwanzig Jahren als Berater auf höchster Ebene tätig. Wo ist die Kompetenz höher, im privaten oder im öffentlichen Sektor?

Man kann auch inkompetent ins Präsidentenamt gewählt werden.

War das nicht immer so?

In vielen Ländern trafen Sie auf oberster Ebene auf Arroganz und Besserwisserei. Was war das schlimmste Erlebnis?

«Globalisierung ist eine Realität – ich bin weder dafür noch dagegen.»

Was war das Groteskeste, das Sie erlebten?

In dem China-Kapitel Ihres Buches kredenzte Ihnen einst der Leiter eines grossen Staatsbetriebes einen Château Petrus, Jahrgang 1982. Der edle Tropfen war gekippt und schmeckte wie Essig, aber niemand wagte ihm das zu sagen.

Zeigt sich diese Macht auch im Ausland?

Es ist eine Frage des Geldes.

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass China in Addis Abeba ein riesiges Spionagezentrum betreibt. Versucht China, Afrika so stark zu kontrollieren wie das eigene Land?

Ist China die neue Kolonialmacht in Afrika?

«Die natürliche Dummheit ist die grössere Gefahr.»

Ist das autoritäre chinesische Modell – rasante wirtschaftliche Entwicklung bei fehlender Demokratie – für viele afrikanische Leader attraktiver als das westliche?

Sie sind ein Anhänger des freien Marktes – nun steht dem Marktschub in der Globalisierung global eine weit schwächere Möglichkeit gegenüber, das Wachstum sozial und ökologisch zu regulieren. Ein Problem aus Ihrer Sicht?

Aber warum sollte der internationale Kapitalmarkt ein Interesse daran haben, dass etwa der Kongo seine Bevölkerung besser an den Erlösen aus dem Rohstoffabbau beteiligt?

Das scheint uns etwas gutgläubig.

Aus einer unipolaren Welt unter Führung der Vereinigten Staaten ist seit dem Aufstieg Chinas eine bipolare Welt geworden – eine G-2 mit zwei rivalisierenden Grossmächten. Ist die Welt unsicherer geworden?

Bitte.

Die USA sind also militärisch noch immer die Nummer eins, aber wirtschaftlich stark mit China verbunden. Keine Seite kann sich so eine Konfrontation wünschen. Anders gefragt: Ist die Welt sicherer geworden?

Führende Historiker weisen darauf hin, dass in der Welt immer dann Krieg drohte, wenn sich eine dominante Weltmacht von einer aufstrebenden herausgefordert sah.

Wem trauen Sie eher – Donald Trump oder Xi Jinping, der gerade daran ist, sich eine lebenslange Amtszeit zu sichern?

Hat die starke Personalisierung in den Medien dazu geführt, dass man den Einfluss eines Einzelnen überschätzt?

Das interessiert eben.

Das muss kein Gegensatz sein.

Sie waren jahrelang auf der ganzen Welt als Anwalt für grosse Kunden tätig. Wie wird man in verschiedensten Kulturen zum erfolgreichen Vermittler?

Heute beraten Sie eine Stiftung in Liechtenstein, sind Buchautor. Wie hat sich Ihr Menschenbild verändert?

Früher waren Sie gegenüber Ihren Kontakten teils etwas blauäugig und sind mehrfach auf Hochstapler hereingefallen. Sind Sie inzwischen etwas misstrauischer?