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Kinder-Infektiologe«Nur zwei Kinder blieben kurz im Spital»

Enkel umarmen ist erlaubt, hüten aber nicht: Mit seinen Aussagen zum Kontakt zwischen Grosseltern und Enkeln hatte der Covid-19-Delegierte Daniel Koch für Aufsehen gesorgt. Wir haben beim Kinderspital in Zürich nachgefragt.

Christoph Berger ist Leiter der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital Zürich.
Christoph Berger ist Leiter der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital Zürich.
Foto: PD

Vom Körperkontakt mit kleinen Kindern geht nach Angaben von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine Gefahr aus, wie er sagte. Die vorliegenden Daten zeigten, dass diese kaum infiziert seien und die Krankheit auch nicht übertrügen. In Kochs Einschätzung fliesst auch eine soziale Komponente ein. Für viele Grosseltern sei der Kontakt mit den Enkeln sehr wichtig, sagte er. Deshalb wäre es falsch, etwas zu verbieten, bei dem es keine Hinweise auf eine Gefährdung gebe. In den Wochen zuvor hatte er jeweils eindringlich davon abgeraten, dass Grosseltern, die in der Regel zur Risikogruppe gehören, ihre Enkel hüten.

Christoph Berger, Leiter Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital Zürich, beantwortet die wichtigsten Fragen zum kontrovers diskutierten Thema.

Können sich Kinder mit Sars-CoV-2 infizieren?

Ja. Es gibt allerdings nur wenig Fälle.

Können sie die Krankheit übertragen? Daniel Koch vom BAG sagte heute: «Von kleinen Kindern geht keine Gefahr aus. Die vorliegenden Daten zeigen, dass diese kaum infiziert sind und die Krankheit auch nicht übertragen.» Stimmt das so kategorisch?

Wenn sie infiziert sind, können sie die Krankheit auch übertragen. Aber Kinder haben meistens milde Symptome, wenig Husten, Fieber, Schnupfen. Weil die Krankheitszeichen wenig ausgeprägt sind, können sie die Viren auch schlechter weitergeben.

Können Kinder schwer erkranken?

Das ist sehr selten. Am Kinderspital Zürich behandelten wir keine schweren Fälle. Insgesamt hatten wir hier fünf bestätigte Fälle. Zwei davon blieben kurz im Spital. Momentan haben wir keine Covid-19-Patienten mehr hier.

Von 117 bestätigten Fällen von 09 Jahren in der Schweiz mussten gemäss BAG-Statistik 18 hospitalisiert werden. Warum so viele?

Kleine Kinder, die akut erkranken und Fieber haben, werden schnell hospitalisiert. Man weiss ja zu Beginn nicht, was sie haben. Es könnte sich um einen gefährlichen Infekt wie eine Hirnhautentzündung handeln. Wenn sich während der Abklärung herausstellt, dass das Kind an Covid-19 erkrankt ist, taucht es in der Hospitalisierten-Statistik auf, obwohl ein Spitalaufenthalt deswegen eigentlich nicht mehr nötig wäre.

Daniel Koch vom BAG sagte: «Von den Kindern geht keine Gefahr aus, auch nicht für Risikopersonen oder Grosseltern.» Teilen Sie diese Einschätzung?

Es ist eine Abwägung. Es ist nicht ideal, wenn Grosseltern die Kinderbetreuung übernehmen. Weil dann sind sie fest eingeplant und werden auch auf die Kinder aufpassen, wenn diese nicht ganz fit sind. Wenn aber die Enkel gesund sind, sich die Hände gewaschen haben, dann dürfen sie auch für kurze Zeit nahe zu den Grosseltern gehen. Ich würde dieses Zusammensein nicht über Stunden zulassen, aber kurze Begegnungen sollen möglich sein.

Sollen Kinder Gesichtsmasken tragen?

Kleine Kinder können keine Masken tragen, die haben Angst oder werden sogar bei der Atmung gestört. Bei den grösseren muss man sich fragen: Was ist der Nutzen? Mit einer Gesichtsmaske schützt man vor allem die anderen. Kinder sind aber selten infiziert und schlechte Überträger. Kinder benötigen also keine Gesichtsmasken. Wenn sie älter sind, 15 Jahre und aufwärts, dann ist es wieder sinnvoller.

Sollen Kinder sich wieder im Quartier mit Kindern mischen, um zusammen zu spielen?

Bisher war das nicht die Empfehlung. Auch in Zukunft ist es ideal, wenn Kinder immer in der gleichen, definierten Gruppe spielen. Wenn in dieser Gruppe jemand krank würde, könnten die anderen informiert werden. Die Kontrolle ist gegeben.