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Käferplage in der SchweizInvasion der Blattlausjäger

Marienkäfer aus Asien fallen momentan in der Schweiz über einige Häuser her. Die Insekten kommen zu Tausenden, sind aber für den Menschen nicht gefährlich.

Asiatische Käfer überwintern gern massenhaft irgendwo in Gebäuden, wo es aber nicht zu warm sein darf.
Asiatische Käfer überwintern gern massenhaft irgendwo in Gebäuden, wo es aber nicht zu warm sein darf.
Foto: Alamy Stock Photo

Eigentlich sind Marienkäfer ja als Glücksbringer bekannt. Doch derzeit empfinden viele Menschen sie regelrecht als Plage. Denn vielerorts in der Schweiz findet gerade eine Masseninvasion der Asiatischen Marienkäfer statt. «Zu Tausenden hängen sie an den Häuserwänden und dringen oft in Wohnungen ein, um sich einen geeigneten Platz zum Überwintern zu suchen», sagt Marc Kenis vom Institut für Landwirtschaft und Biowissenschaften Cabi in Delémont.

Dieses Jahr konnten sich die Käfer besonders gut vermehren, weil es sehr viele Blattläuse zum Fressen gab. Ursprünglich wurde der gefrässige Blattlausjäger «Harmonia axyridis» zur biologischen Schädlingskontrolle gezüchtet und ab 1995 auch in einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Belgien und den Niederlanden vor allem in Treibhauskulturen erfolgreich eingesetzt. Inzwischen hat sich die hier nicht heimische Marienkäferart aber auch im Freiland längst überall etabliert. In der Schweiz wurden die ersten Exemplare 2004 in Basel gefunden. Seither hat das Insekt das ganze Land besiedelt und stellt heute unsere häufigste Marienkäferart dar. Ihre Variabilität ist recht gross. So können ihre Deckflügel mal heller, mal dunkler sein, mit mehr oder weniger Punkten oder auch ganz einfarbig nur in Gelb, Schwarz oder Orange.

Obwohl diese  Asiatischen Marienkäfer sehr unterschiedlich aussehen, gehören sie alle zur Art «Harmonia axyridis».
Obwohl diese Asiatischen Marienkäfer sehr unterschiedlich aussehen, gehören sie alle zur Art «Harmonia axyridis».
Entomart.be
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«Weil es in den vergangenen Tagen bei uns erst kalt war und danach wieder warm, bilden sie danach Schwärme und beziehen gemeinsam oft sogar immer die gleichen Winterquartiere», sagt Kenis. Der Ort dürfe nicht zu warm sein, sondern müsse eine Temperatur von 0 bis 10 Grad Celsius haben. Man muss sich aber nicht vor den Sechsbeinern fürchten, da sie für den Menschen harmlos sind. Für heimische Marienkäfer sind sie dagegen eine Konkurrenz, da sie etwa bei Nahrungsmangel unter anderem auch deren Eier auffressen.

Vom Nützling zum Schädling

Während die asiatischen Käfer im Obstbau noch gern gesehene Gäste sind, ist dies im Rebbau nicht der Fall. «Sie können den Geschmack des Weins negativ beeinflussen», sagt Christian Linder von Agroscope, der seit Jahren diese Käferart erforscht. Ein einziges Insekt pro Kilogramm Chasselas reiche aus, um die Feinheit und Fruchtigkeit des Weins zu mindern. Darüber hinaus würde der Wein später nach ranzigem Öl riechen. Denn durch das Pressen der Trauben komme das Insekt unter Stress und setze die Chemikalie Alkylmethoxypyrazin frei. Bei fünf Insekten pro Kilogramm ist auch die Qualität von Pinot-noir-Weinen stark reduziert.

«Dieses Jahr habe ich zwar in der Schweiz schon viele Asiatische Marienkäfer in Apfelbäumen gesehen, aber nie eine hohe Anzahl von ihnen in Weinanbaugebieten», sagt Linder. Deshalb habe es dort bisher auch noch keine Probleme gegeben. Dass die Insekten sich nun jedoch in Scharen an Gebäuden versammeln, passiere immer im Herbst. Manchmal seien es auch weniger als jetzt, und man bemerke sie deshalb nicht so stark. Auf den Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln raten beide Experten wegen der Umwelt- und Humantoxizität ab.

«Der Staubsauger ist die beste Waffe», sagt Linder. Weil sie dort aber wieder herauskriechen könnten, müsse man sie beispielsweise in einem gut verschlossenen Plastiksack vorsichtshalber für einige Stunden im Tiefkühlfach lagern oder gleich mit dem Hausmüll entsorgen. Er würde es nicht empfehlen, die Käfer zu zerdrücken oder zu zerschlagen. Denn dies mache nicht nur unschöne Flecken, sondern würde auch stinken.

81 Kommentare
    Peter Geissmann

    Dieser Artikel zeigt am Beispiel eines „Nützlings“ wie eng der Spielraum unseres Handeln ist. Ein Naturgesetz wird sichtbar. Die Naturgesetze wirken in allen Bereichen unseres irdischen Daseins. Frederic Vester hat es mit den Worten „Unsere Welt, ein vernetztes System“ auf den Punkt gebracht und eindrücklich beschrieben.