Ex und hopp

Ehemalige und Verflossene säumen manchen Lebensweg. Wie nennt man sie? Eine simple Vorsilbe reicht nicht, meint Martin Ebel.

Ex-Minister, Ex-DDR und Ex-Freundin, alles dasselbe? (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Die wenigsten lieben einen einzigen Menschen vom ersten Kennenlernen bis zum Tod. Die meisten von uns erleben Trennungen und Brüche, und dann bleiben Ehemalige und Verflossene am Lebensweg zurück. Für diese hat sich seit einiger Zeit der Begriff «Ex» eingebürgert. «Ich traf meinen Ex mit seiner Neuen», «Bei meiner Ex bin ich wieder schwach geworden», «Was machen mit den Exen bei der Hochzeit der Kinder?», «Sex mit der Ex» – das hört man im Film, am Fernsehen und auch im wahren Leben.

Besonders freundlich klingt das nicht, eher nach Ex und hopp, so, als sei das mit dem oder der Verflossenen gar nichts Richtiges gewesen, jedenfalls nichts, was einen emotional noch irgendwie beschweren könnte. Es hat etwas gewollt Saloppes an sich, dieses Ex. Und wehrt genaueres Interesse ab. Kurze Affäre oder lange Ehe, leichte oder schmerzhafte Trennung – alles Ex, alles aus.

Aus, heraus, abgeschlossen, das bedeutet die Vorsilbe Ex ja, die es schon im Griechischen und im Lateinischen gibt. Wir finden sie in Wörtern wie Export, Expedition oder Ekstase. Im Deutschen kann man das Ex mit allem möglichen Ehemaligen kombinieren, mit Funktionen wie Ex-Minister oder ganzen Staaten – Ex-Jugoslawien, Ex-DDR. Nur in der Schweiz sagt man nicht Ex-, sondern Alt-Bundesrat.

«Auf Ex!» meint: ein Glas in einem Zug leeren. So will man vielleicht auch eine gescheiterte Beziehung hinter sich bringen. Ich kann mir nicht helfen: Mein oder meine Ex – das behagt mir nicht, sprachlich und menschlich.

Natürlich kann das jeder halten, wie er will. Hauptsache, Sie vergessen nicht: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.


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Erstellt: 12.10.2019, 13:07 Uhr

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