Sommers fataler Fehlgriff

Ein haltbarer Freistoss von David Luiz besiegelte in der 94. Minute das 1:2 des FCB gegen Chelsea im Halbfinal der Europa League.

Das bittere Ende: Goalie Sommer und Ausgleichstorschütze Schär nach dem 1:2. Fotos: Urs Lindt (Freshfocus)/Denis Balibouse (Reuters)

Das bittere Ende: Goalie Sommer und Ausgleichstorschütze Schär nach dem 1:2. Fotos: Urs Lindt (Freshfocus)/Denis Balibouse (Reuters)

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Wenn sie ein 1:1 machen würden, hatte Murat Yakin vor dem Spiel gesagt, dann wüssten sie fürs Rückspiel von nächster Woche: «Voll auf Angriff spielen.» Und das Basler 1:1 fiel, in der 87. Minute. Einen geschenkten Elfmeter verwertete Schär mit der Souveränität, die dem ­jungen Mann so eigen ist.

Der St. Jakob-Park bebte. Und Chelsea? Chelsea reagierte, Oscar kam zu einer grossen Chance, Terry scheiterte an Sommers Reflex. Die 94. Minute lief, David Luiz, herausragend den ganzen Abend, trat zum Freistoss an, und Luiz traf in die tiefe rechte Ecke – die Ecke, in der Goalie Sommer stand und so schlecht reagierte.

So zu verlieren, musste dem FCB weh tun, keine Frage, nach so viel Aufwand in der zweiten Halbzeit. Gleichwohl galt: Es war eine Niederlage mit einer gewissen Logik. Chelsea hatte die grössere Reife bewiesen und eindeutig mehr Chancen gehabt.

Die Vorfreude war gross gewesen, die Stadt hatte seit Tagen dieses eine grosse Thema, diesen Halbfinal. Und alle ­kamen, von Roger Federer über René C. Jäggi bis Xherdan Shaqiri. 36 000 Zuschauer füllten das Stadion. Das Wetter war prächtig. Doch der Stimmungstöter kam, kaum war der Match so richtig angelaufen.

Der frühe Rückschlag

Sommer wehrte einen Ball von Lampard in Corner ab, Lampard flankte, und in der Mitte schaute keiner so richtig auf Moses. Sein Kopfball bedeutete das 0:1 und spielte den Gästen alle ­Vorteile in die Hände. Damit hatten sie, was im Europacup so wertvoll ist, das Auswärtstor. «Sie konnten auf Konter lauern», sagte später Basel-Trainer Murat Yakin.

Diese Konter kamen, die Gegenangriffe, die Basel immer wieder in Gefahr brachten. Sommer musste gegen Ramires retten, Hazard verzog seinen Schuss aus elf Metern zum Glück für den FCB. Das 0:1 entsprach dem Geschehen und den Stärkeverhältnissen. Chelsea war lange Zeit um dieses eine Tor besser ­gewesen.

«Es reicht nicht», mutmasste der frühere Basler Erfolgspräsident Jäggi in der Pause schon einmal. Und was er meinte: Chelsea zeigte, dass es aus dem Scheitern von Tottenham im Viertelfinal Entscheidendes gelernt hatte, dass es aufmerksam die Basler Offensivstärken studiert und sich darauf eingestellt hatte.

Streller, der Captain, der seinen Vertrag bis 2015 verlängert hat, Stocker und Salah hatten gerade beim Hinspiel an der White Hart Lane grossartig aufgespielt. Gestern fanden sie kaum einmal die Räume, die sie brauchen, um sich entfalten zu können. Der Gegner sei eben gut organisiert gewesen, stellte ­Yakin fest.

Tottenham hatte den FCB bestimmt nicht richtig eingeschätzt, das war sein Fehler und die Lektion, aus der die «Blauen» von der Stamford Bridge lernten. Sie spielten so, wie man das auswärts im Europacup tut, sie waren auffällig bemüht, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, sie spulten ihr Pensum ab, als wäre es irgendein Spiel und nicht der Halbfinal in einem europäischen Wettbewerb. Glanz verströmten sie nicht, eher eisige Kälte, die Kälte eines Champions-League-Siegers, einer Mannschaft, die mit dem Ergebnis ganz zufrieden war.

Sie müssten die Seiten besser wechseln, mahnte Yakin seine Spieler vor der zweiten Halbzeit. Dass sie kopflos angreifen und so in einen verhängnisvollen Konter laufen würden, befürchtete er dabei nicht: «Wir können gar nicht kopflos angreifen, wenn die anderen so gut stehen.» Aber der FCB griff an, und er gab nicht auf. Auch wenn ihm auf den entscheidenden Metern viel, zu viel missriet, verlor er nie die Moral, nie den Glauben, doch noch ein Tor erzielen zu können. Er wurde besser, und das Publikum zog mit. Vor der Pause war Cech nur einmal ernsthaft gefordert gewesen, bei einem Freistoss von Schär, den er über die Latte lenkte. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit wäre er dann geschlagen gewesen, aber Stockers Schuss prallte vom Pfosten ab. Und sein Kollege von der rechten Seite, Salah, hatte auch genau einmal die Möglichkeit zu einem Tor. Nach Dragovics eindrucksvoller Vorarbeit legte er sich allein vor Cech den Ball zu weit vor – wie so oft eben.

Dann kam die 87. Minute. Aber dummerweise für den FCB auch noch die vierte Minute der Nachspielzeit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2013, 12:14 Uhr

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