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Corona-Ampelsystem gefordertJacqueline Fehr regt Lockerung
der Maskenpflicht an

In den sozialen Medien äussert sich Zürichs Justizministerin kritisch zur Tragepflicht der Schutzmasken im öffentlichen Verkehr.

Nützt die generelle Maskenpflicht im ÖV – hier im HB Zürich – gegen die Verbreitung des Virus überhaupt etwas? Justizdirektorin Jacqueline Fehr hat ihre Zweifel.
Nützt die generelle Maskenpflicht im ÖV – hier im HB Zürich – gegen die Verbreitung des Virus überhaupt etwas? Justizdirektorin Jacqueline Fehr hat ihre Zweifel.
Foto: Sabina Bobst

Die Mehrheit des Zürcher Regierungsrates wollte eigentlich keine generelle Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Wie sich herausstellte, waren sich die sieben Regierungsmitglieder nicht einig; mindestens Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) sprach sich dafür aus. Inzwischen gilt die Maskenpflicht im ÖV trotzdem – angeordnet vom Bundesrat.

Justizministerin Jacqueline Fehr (SP) scheint darüber wenig erfreut. «Es ist zu hoffen, dass wir die Maskenpflicht bald wieder lockern können», schreibt die Regierungsrätin auf Twitter. Insbesondere stört Fehr, dass die generelle Maskenpflicht zur Stigmatisierung von kranken und behinderten Menschen führe, welche aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können. Fehr schlägt in ihrem Tweet ein Ampelsystem vor, mit welchem die Behörden die Infektionsrisiken bezeichnen könnten.

Phasen Rot, Gelb, Grün

Auf Anfrage präzisierte Fehr: Die rote Ampel würde in ihren Augen eine starke Verbreitung des Virus und womöglich mutierte Formen bezeichnen. Dann müsse eine generelle Maskenpflicht im ÖV gelten. Bei der gelben Phase (mittlere Verbreitung und stabile Zahlen) würde die Maskenpflicht auf Stosszeiten beschränkt. Und bei Grün (schwache Verbreitung, tiefe Zahlen) müssten keine Masken getragen werden. Fehr betont, dass dies ihr persönlicher Vorschlag und nicht jener des Regierungsrates sei.

«Mit einer richtigen Befragungstechnik im Contact-Tracing käme man nämlich zu präziseren Informationen.»

Jacqueline Fehr

Fehr äusserte bereits früher in einem Blogpost ihr Unbehagen über die generelle Maskenpflicht. Sie sei angeordnet worden, weil man zu wenig Daten über die Verbreitung des Virus habe. So sei bis heute unklar, ob der ÖV ein Hotspot der Verbreitung sei. Heute seien die angeordneten Massnahmen teilweise ein Blindflug. Mit den Daten aus einem verbesserten Contact-Tracing könnte die Politik auf «symbolische Pauschalmassnahmen» verzichten, schreibt Fehr.

Mit ihrer Kritik an der Maskenpflicht liegt Jacqueline Fehr bei den Sozialdemokraten nicht auf Parteilinie – im Gegenteil. Die SP forderte im Kantonsrat sogar die Ausweitung der Maskenpflicht auf geschlossene Räume.