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Corona-InnovationenJetzt kommt die Maske mit technischem Schnickschnack

Die Tech-Branche baut inzwischen smarte Corona-Masken. Ist das wirklich eine kluge Idee?

Teilen Ihre Begeisterung für den smarten Masken-Helm auf Instagram: Fans des Biovyzr sehen mit dem neuen Gadget aus wie Mitglieder des kürzlich aufgelösten Elektropop-Duos Daft Punk.
Teilen Ihre Begeisterung für den smarten Masken-Helm auf Instagram: Fans des Biovyzr sehen mit dem neuen Gadget aus wie Mitglieder des kürzlich aufgelösten Elektropop-Duos Daft Punk.
Foto: Instagram

Das amerikanische Unternehmen Razer war bis vor Kurzem nicht als Vorreiter der Seuchenbekämpfung bekannt. Stattdessen produzierte man Computerzubehör wie etwa gefährlich leuchtende Tastaturen. Anfang des Jahres stellte die Firma dann ihr neuestes Produkt vor: Das sogenannte Project Hazel sei der «Welt smarteste Maske», hiess es.

Sie bietet austauschbare Filter, und das Mundstück ist transparent, sodass man die Lippen beim Sprechen sieht. Ein Lautsprechersystem verstärkt die gedämpfte Stimme, damit sich der Träger auch ja noch Gehör verschaffen kann. Mitgeliefert wird eine formschöne Hülle, in der die Maske automatisch sterilisiert wird. Nicht fehlen dürfen natürlich ein paar LEDs, um das Ding hübsch zum Leuchten zu bringen.

Die Atemschutzmaske ist sicherlich eines jener Artefakte, über die in der Post-Corona-Zukunft zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen geschrieben werden. Mittlerweile haben die Masken die nächste Evolutionsstufe erreicht – jetzt wird technischer Schnickschnack verbaut. Auf der diesjährigen CES, der Weltleitmesse für Elektronik und Entertainment, wurden jedenfalls nicht nur neue Fernseher vorgestellt, sondern auch zahlreiche Innovationen, mit denen der Verbraucher ganz persönlich die Pandemie in den Griff bekommen soll.

Neben den Hightech-Masken gab es noch eine ganze Reihe anderer Anti-Corona-Gadgets zu sehen: tragbare Luftfilter im Handtaschenformat, UV-Sterilisierer für den Arbeitsplatz und den Sitz in der U-Bahn.

Ein Stück Stoff soll noch immer das wirksamste Mittel gegen die grösste Gesundheitskrise der jüngeren Geschichte sein?

Um da noch herauszustechen, überbieten sich die Technikhersteller inzwischen mit immer neuen Ideen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Maskfone? Eine N95-Maske in zeitlosem Schwarz, inklusive Kopfhörern und Mikrofon, wechselbarem vierlagigem Filtersystem, Lautstärkeregler und zwölf Stunden Akkulaufzeit.

Andere Produkte mit klingenden Namen wie Atmoblue oder Active+ Halo Smart bieten «integrierte Dual-Ventilatoren» mit mehrerlei Geschwindigkeitseinstellungen oder eine App, die das Atemverhalten misst und auswertet.

Die Active+ Halo Smart. Erkennen Sie die «integrierten Dual-Ventilatoren»?
Die Active+ Halo Smart. Erkennen Sie die «integrierten Dual-Ventilatoren»?
Foto: PD

So gut wie überall ist der Hightech-Schutz ausverkauft. Dass selbst die smartesten Masken nicht mehr tatsächlichen Schutz bieten, als man das bei korrektem Gebrauch auch von Standardmodellen erwarten kann, ist dabei freilich vollkommen unerheblich.

Vielleicht auch, weil es unerhört erscheint, dass ein Stück Stoff noch immer das wirksamste Mittel gegen die größte Gesundheitskrise der jüngeren Geschichte sein soll. Nach einer Ohnmacht, die nun beinahe ein Jahr anhält, kauft man sich mit einer smarten Maske zumindest auch ein bisschen gefühlte Handlungsfähigkeit.

Den verdrahteten Atemschutz darf man – trotz dreistelliger Preise – freilich nur als Einsteigermodell verstehen. Irgendwo im Niemandsland zwischen per Photoshop erstellter Konzeptstudie und tatsächlichem Produkt gibt es längst eine weitere Eskalationsstufe.

Mit dem sogenannten Biovyzr sieht der Träger in etwa so aus wie die Mitglieder des kürzlich aufgelösten Elektropop-Duos Daft Punk. Das Trumm wiegt fast zweieinhalb Kilogramm, man schnallt es sich über die Schultern wie eine futuristische Taucherglocke. Die Abschottung ist komplett. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes: ein Luftschutzbunker für unterwegs.

Statt der schnöden Community-Maske, die ja zumindest im Namen auch das Wörtchen Gemeinschaft trägt, existieren also vielleicht bald diejenigen, die es sich leisten können, in ihrer eigenen Ego-Wolke.

7 Kommentare
    Andreas Molnar

    Wer mit so was rumläuft ist selber Schuld.