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Joko und Klaas als FrauenrechtlerJoko und Klaas im Kreuzfeuer

Die Showmaster Joko und Klaas widmeten dem Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen 15 Primetime-Minuten. Und ernteten dafür auch scharfe Kritik – von Frauen. Ein Eigentor.

Die Moderatoren Joko Winterscheidt (links) und Klaas Heufer-Umlauf haben nach ihrer 15-Minuten-Show «Männerwelten» nicht so viel zu lachen wie hier.
Die Moderatoren Joko Winterscheidt (links) und Klaas Heufer-Umlauf haben nach ihrer 15-Minuten-Show «Männerwelten» nicht so viel zu lachen wie hier.
Foto: Keystone

Da haben sich zwei medial versierte Typen (Männer!), die als professionelle Aufmerksamkeitsmultiplikatoren viel für ein Thema tun können, für die Frauenrechte starkgemacht – und nun ist die Hölle los. Die Showmaster Joko (Winterscheidt) und Klaas (Heufer-Umlauf) nutzten am Mittwoch ihre in einem Fernsehduell gewonnenen 15 Primetime-Sendeminuten bei Prosieben für einen Beitrag über die sexualisierte Gewalt an Frauen im Alltag.

Es geht in der dort präsentierten fiktiven Ausstellung «Männerwelten» um echte Erfahrungen, die so oder ähnlich fast jede schon gemacht hat: um aggressive Anmache, um unerwünschte Dickpics im Posteingang und unerwünschte Berührungen im Ausgang. Und es geht um brutale Angriffe, die immer noch zu viele Frauen erleben: Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken, Vergewaltigungsandrohungen über Whatsapp, Geschlechtsverkehr wider Willen.

«Auch in den aktuellen Krisenzeiten dürfen andere wichtige Themen nicht untergehen», tweeteten Joko und Klaas dazu. Die Chose wurde ein Win-Win, die Sendung fand ein Riesenecho. Sonst wird die gewonnene 15-Minuten-Show «Joko & Klaas Live» jeweils nur ein einziges Mal ausgestrahlt, diesmal gabs eine Wiederholung. Online ist «Männerwelten» weiterhin zu sehen. Viele, gerade auch junge Frauen, zeigten sich begeistert.

Trotzdem nölt das Netz. Nicht nur Hardcore-Feministinnen wissen: Das hätte man doch viel besser machen können; was heisst können: müssen! – Echt jetzt?

«Wo bleibt die schwarze, alleinerziehende Fabrikarbeiterin?»

Wo bleibt die Intersektionalität?, fragen die Kritikerinnen. Die Frauen, die im Film zu Wort kommen – und es kommen korrekterweise nur Frauen zu Wort, Klaas und Joko treten nicht auf –, sind weiss. Und erfolgreich. Arbeiten als Moderatorin, Schauspielerin, Rapperin, Model. Wo ist die schwarze, alleinerziehende Fabrikarbeiterin? Wo die Reflexion der strukturellen Diskriminierungszusammenhänge?

Dass die Fernsehmacher für den Beitrag mit Terre des Femmes zusammenarbeiteten, spreche Bände. Denn die Organisation sei mit ihrem Kampf gegen das Kopftuch versteckt islamfeindlich, zudem im Grunde transphob und agitiere gegen Sexarbeiterinnen. Last but not least: Das Blödelduo hat sich am 4. Oktober 2012 (!) im Rahmen der ZDF-Sendung «Neo Paradise» eine wirklich miese sexistische Nummer erlaubt. Klaas forderte Joko als «Challenge» dazu auf, einer Ausstellungshostess an Busen und Po zu fassen. Gesagt, getan, doofe Witze inklusive. Der Shitstorm folgte prompt – und am 15. Oktober eine vollumfängliche Entschuldigung der beiden.

Richtig ist, dass die zwei gern Quote bolzen und sie wohl nicht nur purer Idealismus zum #MeToo-Beitrag trieb. Na und? Dass sie ihre heiss begehrte 15-Minuten-Plattform dafür freimachten, ist trotzdem gut. Definitiv. Auch wenn sie da nicht alle gesellschaftlichen Komplexitäten und persönlichen Canossa-Gänge einbauen konnten (oder wollten). Sie sind Entertainer, «Männerwelten» war schickes, schlankes Infotainment mit Knallerqualitäten (keine Sorge: auch für Dicke). Und seine hyperkritische Zerlegung ein Eigentor.