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Waldrodung in OberriedenKahlschlag an der Autobahn, doch das Holz bleibt im Dorf

Wegen Borkenkäfern wurden in einem Waldstück an der Autobahn flächendeckend Bäume gefällt. Ein Teil des Holzes wird in Oberrieden wiederverwendet.

Zwischen der Autobahn und der Oberriedner Schiessanlage im Waldgebiet Neuforst wurden 300 Kubikmeter Fichtenholz herausgeschlagen.
Zwischen der Autobahn und der Oberriedner Schiessanlage im Waldgebiet Neuforst wurden 300 Kubikmeter Fichtenholz herausgeschlagen.
Bild: Manuela Matt

Autofahrern auf der A3 und Fussgängern auf dem Höhenweg fällt es gleichermassen auf: In Oberrieden wurden Dutzende Bäume gefällt, eine ganze Fläche gerodet. Betroffen ist das Waldgebiet Neuforst beim Schützenstand: Am Hang zwischen der 300-Meter-Schiessanlage und der Autobahn hat die beauftragte Firma Riebli Forst AG letzte Woche mit einem Spezialfahrzeug Baumstamm für Baumstamm entfernt. Zurückgeblieben sind nur tiefe Furchen im Boden und ein hoher Stapel Baumstämme.

Weshalb die Bäume gefällt wurden, wird den Passanten auf einem kleinen Plakat erklärt: «Hier wurde ein Fichtenbestand vom Borkenkäfer befallen», heisst es darauf. Zum Schutz der umliegenden Wälder hätten die befallenen Bäume gefällt werden müssen. Wie der zuständige Forstbetrieb auf Anfrage mitteilt, sind es knapp 300 Kubikmeter Holz. Mehr würden in jenem Gebiet «hoffentlich» nicht dazukommen. Insgesamt seien im Forstrevier Thalwil-Oberrieden-Langnau in diesem Jahr wegen Borkenkäferbefalls schon 1000 Kubikmeter Holz gefällt worden.

50 Jahre zu früh

Gehören tut das nun gerodete Waldstück der Landforstkorporation (LFK), an welcher auch die Gemeinde Oberrieden beteiligt ist. LFK-Präsident Gottfried Gachnang sagt: «Erntereif wären diese Fichten eigentlich erst in 40 bis 50 Jahren gewesen.» Angepflanzt worden seien sie in den Jahren nach 1967, als die Region von schweren Stürmen heimgesucht worden war. Dass sie nun bereits wieder wegmussten, hat ebenfalls mit einem Sturm zu tun, mit Burglind. Anfang 2018 fegte dieser über die Schweiz. Der Neuforst beim Schützenhaus war eines jener Waldstücke, das stark beschädigt wurde. Und ist der Schaden erst einmal angerichtet, breitet sich der Borkenkäfer besonders einfach aus.

Das nun gefällte Holz soll im Horgenberg neben dem Bauernhof von Gottfried Gachnang zwischengelagert werden. An jenem Standort deponiert der Forstbetrieb auch das gefällte Käferholz aus dem übrigen Forstrevier. Doch nicht wenige Baumstämme werden – in verarbeiteter Form – nach Oberrieden zurückkehren. Denn Abnehmerin des Holzes ist unter anderem die Baugenossenschaft Zurlinden (BGZ), wie Gachnang sagt. Diese realisiert in Oberrieden die Überbauung Büelhalden, wo das Fichtenholz eingesetzt werden soll.

Rekurs gegen dunkle Fassade

BGZ-Geschäftsführer Jan Baumgartner bestätigt: «Wir beziehen total 1000 Kubikmeter Rundholz.» Da nur die äussersten Baumschichten vom Borkenkäfer befallen sind, lasse sich das Holz dennoch gut verwenden. Beim Bauprojekt Büelhalden werde es für Wandkonstruktionen und die Fassade der drei Gebäude eingesetzt.

Derzeit wird das Fundament für die Überbauung Büelhalden gelegt.
Derzeit wird das Fundament für die Überbauung Büelhalden gelegt.
Bild: Markus Hausmann

Die Bauarbeiten laufen schon seit einigen Wochen. Auf dem 7200 Quadratmeter grossen, gemeindeeigenen Areal an der Alten Landstrasse befanden sich vorher Schrebergärten. Nun entstehen 48 Wohnungen, die die BGZ im Auftrag der Gemeinde realisiert und zur Kostenmiete anbieten wird. Bei 30 davon handelt es sich um 4½-Zimmer-Wohnungen, deren Miete durchschnittlich rund 2300 Franken kosten werde, sagt Baumgartner. 11 Wohnungen haben 3½ Zimmer. Die übrigen sind 2½-Zimmer-Wohnungen.

Nachdem die Gemeinde Ende letzten Jahres die Baubewilligung erteilt hatte, rekurrierte ein Anwohner gegen das Projekt. Wie Baumgartner nun sagt, hat sich der Rekurs vor allem auf die Gestaltung der Fassaden bezogen. Statt einer dunklen Schieferfassade sei deshalb nun eine helle Holzfassade vorgesehen. Auch die geplante Begrünung zwischen den drei Häusern sei angepasst worden. Bis diese bezugsbereit sind, wird es aber noch ein Weilchen dauern: Im Frühling oder Sommer 2022 werden sie fertig sein.

Holz für Projekt in Gattikon

Die Überbauung Büelhalden ist nur eines von mehreren Projekten der Baugenossenschaft Zurlinden in der Region. In Horgen realisiert sie drei Projekte, in Thalwil deren zwei. Zu Letzteren zählen die Alterswohnungen, die am Gattiker Weiher entstehen sollen. Auch für diese wird das Fichtenholz verwendet werden.