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Kolumne von Tamara FunicielloKinderarbeit wollte man auch nicht abschaffen

Es ist ein Skandal, dass viele Menschen in der Schweiz, die Vollzeit arbeiten, von Armut betroffen sind. Höchste Zeit, wieder über einen Mindestlohn zu reden.

Die Statistiken sind erschreckend: Leute stehen vor dem Genfer Eishockeystadion Les Vernets an, wo gratis Essenspakete verteilt werden (Mai 2020).
Die Statistiken sind erschreckend: Leute stehen vor dem Genfer Eishockeystadion Les Vernets an, wo gratis Essenspakete verteilt werden (Mai 2020).
Foto: Martial Trezzin (Keystone)

Es ist Zeit, endlich wieder mal über Geld zu reden. Konkreter: Löhne. Noch konkreter: tiefe Löhne. Es gehört zu meinen innersten Überzeugungen, dass jeder Mensch zumindest seinen Lebensunterhalt mit seinem Lohn (oder seiner Rente, wenn wir schon dabei sind) bestreiten können muss. Und wir reden hier noch nicht von einem angenehmen oder sogar hohen Lebensstandard, nicht von Sommerferien am Strand, von der teuren Tomatensauce aus dem Delikatessengeschäft oder einem neuen Velo unter dem Christbaum.

Wir reden vom grundlegenden, selbstverständlichen Anspruch, sein Leben frei und in Würde leben zu können. Frei davon, sich nächtelang im Bett hin und her zu wälzen, weil die Tochter eine Zahnspange braucht, die man unmöglich bezahlen kann. Frei davon, das jährliche Abendessen zum Hochzeitstag in der Pizzeria um die Ecke absagen zu müssen, weil es einfach nicht drinliegt. In Würde, weil man nicht von einem Amt zum nächsten rennen muss. In Würde, weil einem die Gesellschaft nicht das Gefühl gibt, dass man versagt hat.

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