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Neuer TherapieansatzKrebszellen können durch Zuckermangel «aushungern»

Das Wachstum von Lungentumoren könnte durch Zuckerentzug verlangsamt werden. Erste Versuche von Forschern der ETH Lausanne sind vielversprechend.

Tumorzellen brauchen viel Zucker um zu wachsen: Ein Bild mit weissem Zucker.
Tumorzellen brauchen viel Zucker um zu wachsen: Ein Bild mit weissem Zucker.
Foto: Emmanuel Foudrot/Reuters

Tumorzellen brauchen eine Menge Zucker, um zu wachsen. Durch die Blockade zweier spezifischer, Zucker transportierender Proteine könnte das Wachstum von Lungentumoren verlangsamt werden. Erste Versuche von Forschenden an der ETH Lausanne (EPFL) sind vielversprechend.

Die Idee, Krebszellen «auszuhungern», indem ihnen durch die Blockade von sogenannten Glucosetransportern der Zugriff auf Zucker entzogen wird, ist ein naheliegender Therapieansatz. Nur wussten Forscher bisher nicht, welche Transporter gestoppt werden sollten und wie das am besten bewerkstelligt werden könnte. Es war auch unklar, ob Krebszellen bei Zuckermangel nicht auf alternative Energielieferanten zugreifen.

«Den Zuckerkonsum von Lungenkrebszellen zu verunmöglichen, könnte eine effiziente Therapiestrategie sein», sagt Caroline Contat, Doktorandin am Swiss Institute for Experimental Cancer Research am EPFL in Lausanne, Erstautorin einer am Dienstag in eLife veröffentlichten Studie. «Aber ob Glukosetransporter eliminiert werden sollten und wenn ja, welche, blieb bisher unklar».

Caroline Contat ist Doktorandin am Swiss Institute for Experimental Cancer Research am EPFL in Lausanne.
Caroline Contat ist Doktorandin am Swiss Institute for Experimental Cancer Research am EPFL in Lausanne.
Foto: zvg

Zur Klärung züchteten Contat und ihr Team Mäuse mit Lungenkrebs, denen die Glucosetransporter Glut1 und Glut3 fehlten. Ihre Tumore konsumierten weniger Zucker und wuchsen langsamer, und die Mäuse lebten länger als Artgenossen mit Glut1 und Glut3. Nachgewiesen werden konnte das dank Positronen-Emissions-Tomographie.

Funktioniert auch bei menschlichen Zellen

In einem weiteren Schritt wurden Glut1 und Glut3 in vier verschiedenen, im Labor gezüchteten Linien menschlicher Lungenkrebszellen eliminiert, worauf diese Zellen ihr Wachstum verlangsamten. «Diese Experimente lassen die Annahme zu, dass Glut1 und Glut 3 zusammen gebraucht werden, um Lungenkrebs zu nähren».

Es seien zwar noch weitere Studien nötig, um die Lagerung von aus Zucker gewonnener Biomasse in sogenannten Lamellenkörpern zu untersuchen, sagt Etienne Meylan, Assistenzprofessor am Swiss Institute for Experimental Cancer Research und Mitverfasser der Studie. Aber die bisherigen Resultate zeigten, dass die simultane Blockade von Glut1 und Glut3 nötig sei, um das Wachstum von Lungentumoren zu stoppen.

(SDA /aru)