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Film-Highlights der WocheKriegsgegner vor Gericht

«The Trial of the Chicago 7» erzählt einen skandalösen Gerichtsprozess als unterhaltsame Farce. Dazu haben wir weitere aktuelle Filmtipps.

«The Trial of the Chicago 7»: Zwei Aktivisten (Sacha Baron Cohen, Jeremy Strong) werden vorgeladen, weil sie Vietnamproteste organisiert haben.
«The Trial of the Chicago 7»: Zwei Aktivisten (Sacha Baron Cohen, Jeremy Strong) werden vorgeladen, weil sie Vietnamproteste organisiert haben.
Foto: Netflix

The Trial of the Chicago 7

Gerichtsdrama von Aaron Sorkin, USA 2020; 129 min.

Als die US-Demokraten 1968 ihren Parteitag in Chicago abhalten, begeben sich Tausende von Demonstranten in die Stadt – sie wollen gegen den Vietnamkrieg protestieren. Es kommt zu Zusammenstössen mit der Polizei und zu gewaltsamen Ausschreitungen, aber die Behörden sehen von einer Strafverfolgung ab. Ein Jahr später sind allerdings die Republikaner unter Nixon an der Macht, und die wollen nun an den linken Aktivisten ein Exempel statuieren. Also stellen sie sieben Demonstranten vor Gericht – sowie einen Anführer der Black Panther. Dieser hat mit der Sache eigentlich nur am Rande zu tun, aber es wird eh schnell klar, dass es bei der Verhandlung in erster Linie um eine politische Abrechnung geht: Der Richter (Frank Langella) ist offensichtlich gegen die Angeklagten eingenommen und verstösst selbst ständig gegen die Prozessordnung. Der Gerichtssaal wird zunehmend zu einer Zirkusmanege. Regisseur und Drehbuchautor Aaron Sorkin («Molly’s Game») inszeniert den Skandalprozess als Farce mit geschliffenen Dialogen und einer tollen Besetzung – besonders Sacha Baron Cohen («Borat») überzeugt in der Rolle des Komikers und Aktivisten Abbie Hoffmann. Ein wunderbarer Gegenspieler zum stocksteifen Richter. So ist der Film äusserst unterhaltsam – nur gegen Ende nimmt das Pathos etwas überhand. (ggs)

Arena, Capitol, Riffraff

Eden für jeden

Komödie von Rolf Lyssy, CH 2020; 90 min.

Im Schweizer Schrebergarten ist alles geregelt, wo kämen wir sonst hin? Darüber wacht ein Präsident, der stets auf das Reglement pocht. Der Berner Mano Khalil hat diese Welt vor zehn Jahren im Dokumentarfilm «Unser Garten Eden» dokumentiert. Dieser wurde zur Grundlage der neuen Komödie von «Schweizermacher»-Regisseur Rolf Lyssy. Im Zentrum steht die Studentin Nelly (Steffi Friis), die stets mit dem Velo – streng verboten! – zwischen Sonnenblumen und Tomaten durchfährt. Sie ist kein Gartenfan, aber die Fäden ihrer zerrütteten Familiengeschichte laufen dort zusammen. Die Komödie hat nette Momente und eine mitreissende Hauptdarstellerin. Aber die Kraft und Authentizität des Dokumentarfilms erreicht sie nie. (ml)

Abaton, Arena, Arthouse Le Paris, Arthouse Movie, Capitol, Corso, Houdini

Never Rarely Sometimes Always

Drama von Eliza Hittman, USA/GB 2020; 102 min.

Niemals, selten, manchmal, immer – die vier Wörter im Titel sind die möglichen Antworten bei einer Befragung, der sich die 17-jährige Autumn unterziehen muss. Sie ist mit ihrer Cousine vom ländlichen Wohnort nach New York gekommen, in der Hoffnung, in der Stadt einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu können, ohne dass es die Eltern merken. Die bürokratische Abfragerei ist Bedingung, damit der Eingriff überhaupt möglich ist – und die beste Szene eines Films, in dem weniger das Thema Abtreibung im Zentrum steht als die Selbstfindung dieser jungen Frau (Newcomerin Sidney Flanigan). Regisseurin Eliza Hittman präsentiert ein nüchternes Roadmovie durch die Häuserschluchten New Yorks. Das ist grossartig. Und zwar immer. (ml)

So 4.10. , 18 Uhr, Corso (ZFF) . Di 6.10. , 20.30 Uhr, Kosmos (Vorpremiere).
Ab Do 8.10. im Kino

Best of Fantoche

Das Riffraff zeigt die Gewinnerfilme des vergangenen Animationsfilmfestivals Fantoche. Für «Little Miss Fate» zum Beispiel gabs den High-Swiss-Risk-Award. Ein wunderbar schräger Kurzfilm: Eine Putzkraft arbeitet bei Gott im Büro, der von seiner Station aus das Schicksal aller Menschen bestimmt. Als die junge Frau mitbekommt, dass ein Mann von einem Bus überfahren werden soll, funkt sie Gott bei seinen Plänen rein. Das Leben des Mannes ist gerettet. Die Folgen des Eingriffs sind aber noch viel schlimmer. Im Houdini sind übrigens zugleich die besten Beiträge aus dem Kinderprogramm des Fantoche zu sehen. (ggs)

Fr/Sa/So, Riffraff

House of Flying Daggers

Martial-Arts-Film von Zhang Yimou, China 2004; 119 min.

China im Jahr 859: Ein Polizist (Takeshi Kaneshiro) hilft einer verhafteten Rebellin (Zhang Ziyi), aus dem Gefängnis zu entkommen. Allerdings nur zum Schein: Sie soll ihn zum Oberhaupt der Rebellen führen. Das Filmpodium zeigt die Filme des chinesischen Regiestars Zhang Yimou. «House of Flying Daggers» ist nicht so übermässig patriotisch wie «Hero» oder «The Great Wall», und Takeshi Kaneshiro ist grandios in der männlichen Hauptrolle. (ggs)

Sa 10.10., 20.45 Uhr; Mi 14.10., 18 Uhr, Filmpodium

Tenet

Science-Fiction von Christopher Nolan, USA/GB 2020; 150 min.

Ein CIA-Agent (John David Washington) wird einer Geheimoperation zugeteilt, die das Ende der Menschheit verhindern soll. Am Anfang der Ermittlungen stehen Pistolenkugeln, die sich nicht vorwärts, sondern rückwärts durch die Zeit bewegen. Ein Angriff aus der Zukunft? Die Spur der Munition führt zu einem russischen Waffenhändler (Kenneth Branagh). Der neue Film von Christopher Nolan ist noch komplizierter als «Inception», aber ein faszinierendes Gedankenexperiment – und auf jeden Fall gibts spektakuläre Actionszenen. (ggs)

Abaton, Arena, Capitol, Corso, Riffraff, Kosmos, Metropol