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Iranisches Filmfestival im InternetKühe als gemeinsame Freunde

Eine Frau bringt ausversehen ihren Mann um, ein Todkranker sorgt sich um seine Kühe. Die sechste Ausgabe des Iranian Film Festival findet dieses Mal im Netz statt.

Alte Freunde kommen zu einem letzten Abendmahl zusammen: «Dance With Me».
Alte Freunde kommen zu einem letzten Abendmahl zusammen: «Dance With Me».
Bild: zvg

Nach seiner Scheidung hat sich Jahan zusammen mit seiner Tochter auf einen Biobauernhof in der Nähe von Teheran zurückgezogen. Als sein Geburtstag bevorsteht, tauchen dort alle seine alten Freunde auf. Sein Bruder ist dafür verantwortlich; er hat noch einmal alle zusammengetrommelt, weil bei Jahan Krebs prognostiziert wurde. Die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate. Dabei hätte der Kranke lieber seine Ruhe, als sich mit seinen Freunden und ihren Dramen herumzuschlagen: Hier führt sich der eine auf, als sei er ein Jungspund, um seine jüngere Gattin zu beeindrucken, bis er einen Zusammenbruch erleidet. Oder da prügelt sich der eine mit dem anderen, weil der seine Ex-Frau geheiratet hat.

Angesichts dessen zieht sich Jahan lieber in den Stall zurück und unterhält sich mit einer der Kühe. Sie bereitet ihm Sorgen, weil sie schwere Probleme mit dem Verdauungstrakt hat. «Wir haben viel gemeinsam », sagt er zu ihr. «Du bist krank, und auch ich bin krank. Du bist allein, und auch ich bin allein. Deine Freunde sind Kühe, und auch meine Freunde sind Kühe.»

«Dance with Me» läuft am Iranischen Filmfestival, das dieses Jahr im Internet stattfindet. Die Filme werden jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt online gestellt; auf der Website findet man die Zeittafel mit den genauen Daten. Die Vorstellungen sind gratis, allerdings muss man sich als Zuschauer vorher registrieren und einloggen. Ein Running Gag von «Dance with Me» besteht darin, dass die Musiker, die den Soundtrack einspielen, immer wieder im Bild zu sehen sind. Als Jahan einmal davon träumt, dass er sich in einem Baum aufhängt, sitzen die Musiker in den Ästen des umliegenden Waldes.

Neben der Komödie wird am Festival auch «Yalda: Night for Forgiveness» gezeigt. Darin gehts um eine junge Frau, die ihren Mann aus Versehen umbrachte und dafür die Todesstrafe erhielt. Würde ihr allerdings die Tochter des Toten vergeben, so müsste sie nur Blutgeld bezahlen und käme ansonsten frei. So will es das iranische Recht.

Die Handlung spielt an einem einzelnen Abend in einem Fernsehstudio, denn der Fall wird live vor einem Millionenpublikum verhandelt – inklusive Musiknummern und einer Zuschauerabstimmung per SMS. Regisseur Massoud Bakhshi liess sich von einer realen Fernsehsendung und einigen Gerichtsprozessen im Iran inspirieren, herausgekommen ist eine düstere, imponierende Mediensatire.

Iranian Film Festival, Do 28.5.–Mi 3.6.

«Yalda»: Do 28.5., 21 Uhr; «Dance with Me»: Di 2.6., 19 Uhr