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16 Jahre nach dem 1. SiegKüng macht sich mit 70-Kilometer-Solo zum Meister

Der Thurgauer dominiert auf dem Heimparcours die Konkurrenz und gewinnt zum Saisonabschluss seinen ersten Strassen-Titel.

Solosieg im Nebel: Stefan Küng hat ihn endlich, seinen ersten Elite-Meistertitel.
Solosieg im Nebel: Stefan Küng hat ihn endlich, seinen ersten Elite-Meistertitel.
Foto: Keystone

Stefan Küng mag sie, die besonderen Geschichten. Und diese ist so eine: Der 10-Kilometer-Rundkurs von Märwil, auf dem am Samstagmorgen zur Schweizermeisterschaft gestartet wird, er kennt ihn nur zu gut. Ab und zu rollt er im Training hier vorbei, jedes Mal kommt ihm derselbe Gedanke: Jenen an den Tag vor 16 Jahren, als der 10-jährige Küng hier sein allererstes Rennen der Schülerkategorie gewann, nach eineinhalb Runden auf diesem Parcours. Er hat die Geschichte im Vorfeld gerne erzählt, vor diesen 17 Runden der Schweizermeisterschaft.

Küng ist ein schönes Stück weiter gekommen in den 16 Jahren, hat nationale und internationale Titel gewonnen. Einer fehlt dem Thurgauer aber noch: Der Schweizermeistertitel auf der Strasse. Im Zeitfahren ist er längst auf diesen abonniert, im Juli holte er den vierten in Folge.

Albasini schaffte es nie, Cancellara nur ein Mal

Anders auf der Strasse. «In den letzten Jahren wollte ich den Titel mit der Brechstange gewinnen. Doch das ging nicht», sagt Küng. Er weiss: Die nationale Meisterschaft ist für Favoriten ein sehr undankbares Rennen – erst recht wenn mit Marc Hirschi der andere logische Anwärter die Saison bereits beendet hat. Deshalb kämpfte Michael Albasini, obwohl er alle Anlagen dazu hatte, eine Karriere lang vergeblich um diesen Titel. Deshalb wurde Fabian Cancellara nur ein einziges Mal Meister.

Nicht so Küng. Nicht auf diesem Parcours. Er nimmt sich vor, es kontrolliert angehen zu lassen, hält sich die erste Rennhälfte zurück, ehe er in Aktion tritt. Er kontert eine Attacke, tritt ein zweites Mal an – dann ist er weg. Als er 50 Meter Vorsprung hat, sagt er sich: «Wenn ich jetzt stark genug bin, habe ich den ‹Sack›.» Bis zum Ziel sind es da noch 70 Kilometer. Für Küng ist das kein Problem: Lange Solos sind sein Ding. Er zieht auch das längste seiner Karriere souverän durch und wird Schweizermeister – wegen Corona unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nur vor den Augen der Helfer des Veloclubs Märwil-Bürglen.

Auf dem Märwiler Parcours, der nach diesem zweiten Sieg seiner Karriere auf diesem ein Stück weit auch seiner ist. Küng geht damit als erster Doppel-Schweizermeister überhaupt in die Saisonpause. 2021 kann für ihn nicht früh genug kommen.

Meister in der Heimat: Stefan Küng gewinnt in Märwil vor Danilo Wyss (links) und Simon Pellaud.
Meister in der Heimat: Stefan Küng gewinnt in Märwil vor Danilo Wyss (links) und Simon Pellaud.
Foto: Keystone