Kulinarische Urwucht

Wirte bekommen oft zu hören, dass sie ihren Gästen zu kleine Portionen vorsetzten. An den Appenzeller Wochen hoch über Zürich wird sich darüber garantiert keiner beschweren.

Noch sind die Tische in der Gaststube leer, doch bald wird hier gewaltig aufgetragen.

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Wer den Käse mitsamt Teller verzehrt, wie es uns ein Volkslied über die Appenzeller lehrt, muss gewaltigen Appetit haben. Wir hätten also ahnen können, dass die Appenzeller Spezialitäten im Adlisberg das Fassungsvermögen unserer Zürcher Bürotigermägen auf die Probe stellen würden. Doch wir waren naiv und bestellten drauflos, als hätten wir zuvor zwei Ställe ausgemistet, das Heu von drei Bergwiesen ins Trockene gebracht und mit dem Bless eine grosse Wanderung unternommen.

Das Menü – nach Originalrezepten der Appenzeller Spitzenköchin Käthi Fässler zubereitet – begann mit einer fein-herben Quöllfrischsuppe mit Rahmhaube (12 Fr.). Das Bier war gut herauszuschmecken, die bittere Note dominierte aber nicht zu sehr. Weiter ging es mit einem Mostbröckli-Tatar (21 Fr.) sowie einem mit Appenzeller Käse und Haselnüssen dekorierten Mostbröckli-Carpaccio (19 Fr.). Letzteres war eine moderne Interpretation der gemischten Platte und gefiel uns in seiner Schlichtheit sehr gut. Das Tatar – mit viel Sauerrahm abgebunden – fanden wir gar cremig und schwer, auch fehlte es an Säure und Schärfe.

Hunger hatten wir eigentlich jetzt schon keinen mehr, doch der Duft des Läckerlibratens (39 Fr.) war zu verlockend, um die Waffen zu strecken. Das sorgsam geschmorte Rindfleisch gehörte zum Zartesten, was uns bisher unters Messer gekommen ist, dank der feinen Fettäderchen beglückte uns auch sein Aroma. Die Sauce – bestreut mit knusprigen Lebkuchenwürfelchen – hatte eine angenehme Süsse. Das dazu gereichte Gemüse und der frische Kartoffelstock waren brave Begleiter.

Auf der anderen Tischseite warteten zwei Siedwürste in Gesellschaft von Käsespätzli und Apfelmus (28 Fr.). Den feinen und würzigen Würsten geben wir Höchstnoten, ebenso den Spätzli mit der rezenten Käsesauce. Das Apfelmus war viel zu süss. Und so fiel die erhoffte fruchtige Komponente weg.

Das Dessert, Biberlimousse mit Orangenfilets und herrlichem Zwetschgensorbet, schien uns mehr Spielerei als kulinarische Errungenschaft. Wobei, lecker war die Mousse schon, wenn auch – wie viele Speisen davor – gehörig sättigend. Zum Glück gabs mit dem auf Williamsbasis angesetzten Honigschnaps (8.50 Fr.) noch eine geschmeidige und den Magen entlastende Spirituose. Wir hätten uns sonst gefühlt, als hätten wir die Teller mitgegessen.

Erstellt: 11.03.2015, 15:14 Uhr

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