Geschrieben gegen die Schulden

Mit «Bonjour Tristesse» wurde Françoise Sagan weltberühmt. Jetzt erscheint in Frankreich ein neuer Roman aus dem Nachlass. Ihr Sohn hat ihn zu Ende geschrieben.

«Bonjour Tristesse» machte sie weltberühmt: Françoise Sagan. Foto: Ulf Andersen (Getty Images)

«Bonjour Tristesse» machte sie weltberühmt: Françoise Sagan. Foto: Ulf Andersen (Getty Images)

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In diesem Sommer lief ein Gerücht durch Paris über einen bevorstehenden Editionscoup im Herbst mit einer Startauflage von 250'000 Exemplaren. Falls damit der nun gerade aus dem Nachlass erschienene Roman «Les quatre coins du coeur» (Die vier Winkel des Herzens) von Françoise Sagan gemeint war, wäre das übertrieben gewesen. Das bei Plon herausgekommene Buch startet mit 70'000 Exemplaren.

Die dort erzählte Geschichte wäre ein typischer Sagan-Stoff, dessen Fäden die Autorin mit der behenden und spitzen Nadel ihres Stils zum quirligen Liebesrätsel hätte vernähen können. Ein Industriellensohn in der französischen Provinz überlebt nach einem schweren Autounfall als scheinbarer Invalider, wird von seiner habgierigen Frau schikaniert und verachtet, verliebt sich aber in deren Mutter, seine Schwiegermutter, der auch sein Vater verfällt.

Statt diese Story schön kraus zusammenzuhäkeln, hat die Autorin sie, wahrscheinlich in den Achtziger- oder Neunzigerjahren, offenbar ziemlich flüchtig heruntergeschrieben, wie sie das vorab in ihrer späteren Lebenszeit manchmal machte, um ihre immense Steuerschuld abzutragen. Vielleicht blieb der Text deshalb liegen.

«Behutsam» vervollständigt

Sagans Sohn Denis Westhoff, der drei Jahre nach ihrem Tod 2004 das Erbe und damit auch die Schuldenlast übernommen hat, erklärt nun im Vorwort, dass er erst spät auf dieses Manuskript aufmerksam geworden sei. Lange lag es zunächst in den Händen von Sagans Pflegerin, die daraus gern einen Film hätte machen lassen.

Als Westhoff schliesslich des Manuskripts habhaft wurde, musste er die lose zusammengehefteten Blätter mit einem anderen Konvolut in Verbindung bringen, um es als – unvollendeten – Roman zu erkennen. Wie er selber gesteht, habe er den Text «behutsam» im Stil seiner Mutter vervollständigt.

Da blitzen zwar manchmal Sagans berühmte Personen- und Situationsbeschreibungen auf, die wie Peitschenschläge im Reich der Gefühle knallen. Das Ganze wirkt aber reichlich bemüht und unausgegoren. Es fehlt ihm der Pfiff, den die Schriftstellerin am besten auf sich selbst anzuwenden verstand, wenn sie etwa in einem fiktiven Nachruf auf sich selber einmal schrieb: «Machte 1954 auf sich aufmerksam mit einem schmalen Roman, ‹Bonjour Tristesse›, der einen weltweiten Skandal auslöste. Ihr Hinscheiden nach einem so angenehmen wie hingepfuschten Leben und Werk war nur noch für sie selber ein Skandal.»

Erstellt: 20.09.2019, 15:18 Uhr

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