Schaffhauser Verleger Norbert Neininger ist gestorben

Der Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten war eine prägende Figur der Schweizer Medienbranche. Er verstarb 64-jährig.

«Eine Bereicherung für den Journalismus»: Norbert Neininger an einer Podiumsdiskussion in Zürich (6. Januar 2015).

«Eine Bereicherung für den Journalismus»: Norbert Neininger an einer Podiumsdiskussion in Zürich (6. Januar 2015). Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Norbert Neininger, der bekannte Schaffhauser Verleger und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, ist am Samstagmorgen kurz vor seinem 65. Geburtstag nach kurzer Krankheit verstorben. Weggefährten würdigen ihn als Bereicherung für den Schweizer Journalismus.

Kurz nachdem das Branchenportal persoenlich.com über den Tod des Verlegers informiert hatte, bekundeten mehrere Personen aus seinem näheren beruflichen Umfeld via Twitter ihr Beileid. Sie würdigten den «Verleger des Jahres 2013» als originellen und eigenständigen Journalisten.

Norbert Neininger sei «eine echte Bereicherung für den Journalismus» gewesen, sagte Matthias Ackeret, Chefredaktor von persoenlich.com, am Samstagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Er hatte immer sehr unkonventionelle Ideen und war dem Zeitgeist jeweils einen Schritt voraus.»

Neininger habe bis am Schluss immer auf die neuen Medien gesetzt, sagte Ackeret über seinen alten Weggefährten und ersten journalistischen Förderer. «Er hatte eine sehr progressive Haltung.» Vor allem hervorzuheben sei aber der unermüdlichen Kampf Neiningers für die Unabhängigkeit der Schaffhauser Nachrichten.

Kampf für die Unabhängigkeit

Der Präsident der Schweizer Verleger, Hanspeter Lebrument, sprach auf Anfrage von einem «schweren Verlust». Neininger sei ein wichtiges Mitglied des Verlegerverbandes gewesen. Er habe intensive Gespräche mit ihm geführt. «Als einer der ersten in der Schweiz hat er die Chancen des Internets erkannt», sagte Lebrument.

Gleichzeitig sei der Schaffhauser aber auch ein Traditioneller mit sehr föderalistischen Ansichten gewesen. «Es war ihm stets wichtig, dass Schaffhausen seinen eigenen Weg geht.»

Norbert Neininger hinterlasse eine grosse Lücke im Kanton, sagte der Schaffhauser Regierungspräsident Ernst Landolt (SVP) am Samstagabend. Er habe einen guten Freund, und Schaffhausen habe eine prägende Figur verloren. Neininger sei für die Meinungsbildung sehr wichtig gewesen. «Er hat grosse Verdienste geleistet.»

Landolt betonte, Neininger habe in seinen Medien immer die unterschiedlichsten Meinungen zu Wort kommen lassen. «Die Meinungsvielfalt war ihm ein grosses Anliegen.» Bewundernswert sei auch Neiningers Kampf für die Unabhängigkeit der Schaffhauser Nachrichten gewesen, sagte der Regierungspräsident.

Multimedialer Vordenker

Seine journalistische Karriere startete Neininger nach mathematischen Studien mit dem Besuch der Ringier-Journalistenschule. Danach wurde er Redaktor bei den Schaffhauser Nachrichten. Ab 1983 baute Neininger mit Radio Munot eine der ersten Schweizer Privatradiostationen auf. Anschliessend wurde er Chefredaktor und später Verleger der Schaffhauser Nachrichten.

Bis zu seinem Tod kommentierte er in der Zeitung unter der Rubrik «Vordergässli» wöchentlich das regionale, aber auch das nationale und internationale Geschehen. Diese Rubrik fiel während 21 Jahren kein einziges Mal aus.

2001 wurde Neininger Vorstandsmitglied des Verbandes Schweizer Medien. 2007 sorgte er zudem landesweit und über die Landesgrenzen hinaus für Furore, als er mit «Teleblocher» das erste Internetfernsehprojekt der Schweiz initiierte. Auf Beachtung stiessen bis zuletzt seine Livekommentare über die aktuellen «Tatort«-Sendungen auf Twitter. (hvw/sda)

Erstellt: 30.05.2015, 20:18 Uhr

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