Sehnsucht nach dem Kosmos

Zum 50. Jahrestag der ersten Weltraumfahrt zeigt die Kunsthalle Wien künstlerische Auseinandersetzungen mit der Faszination Weltraum.

Barbie im Weltall: «Cosmonaut No. 1» von Winogradow/Dubossarsky.

Barbie im Weltall: «Cosmonaut No. 1» von Winogradow/Dubossarsky. Bild: PD

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Für die Länder des real existierenden Sozialismus war es einer ihrer grössten Triumphe. Für den Rest der Welt aber ein Schock. Am 12. April 1961 brachte eine sowjetische Trägerrakete den ersten Menschen ins All. Der damals 27-jährige Juri Gagarin umrundete in der Kapsel Wostok 1 (Osten 1) einmal die Erde. Die USA brauchten Jahre, um die Sowjets in der Raumfahrt ein- und dann zu überholen. Genau 50 Jahre nach Gagarins Weltraumflug zeigt die Wiener Kunsthalle in einer umfassenden Ausstellung, wie sich Künstler mit dem Mythos Weltraum auseinandersetzen.

Als Kuratorin hat die Schweizerin Cathérine Hug Werke von 51 Künstlern aus 18 Nationen in die ehemalige Reithalle im Wiener Museumsquartier gebracht. Sie stammen aus den Jahren, als Gagarin für Jugend und Künstler des Ostens und Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, für die des Westens zu Vorbildern wurden, aber auch aus der Zeit nach dem Kalten Krieg, als Raumfahrtprogramme aus Geldmangel eingestellt wurden und der Weltraum seine Funktion als Sehnsuchtsraum weitgehend verlor.

Gagarins Lächeln

Die erste Idee zur Ausstellung entstand auf einer Suche nach Gagarins Vermächtnis. 1995 wurde der Wiener Publizist Walter Famler durch Zufall in Moskau Zeuge, wie der Weltraumpavillon auf dem Gelände der All-Unions-Ausstellung abgebrochen wurde. Famlers Versuch, zumindest die Gagarin-Büste aus Aluminium zu retten, scheiterte. Zurück in Wien, gründete er die Bewegung Kocmoc («Kosmos») mit dem Ziel, «das Lächeln des Juri Gagarin massenhaft in die Antlitze der Frauen zu zaubern.»

Famlers grosser Wunsch, in der Wiener Ausstellung auch Gagarins Kapsel Wostok 1 zu zeigen, scheiterte allerdings am russischen Widerstand. Auch von seiner umfangreichen Sammlung sowjetischer Gagarin-Devotionalien ist nur ein Bruchteil zu sehen. Der Grossteil der Ausstellung gehört der kritischen Auseinandersetzung mit dem Mythos Raumfahrt. Andy Warhols nachkolorierter «Mann auf dem Mond» ist ebenso zu sehen wie monumentale Gemälde der Russen Wladimir Dubossarsky und Alexander Winogradow, in denen sie ironisch mit dem sozialistischen Realismus spielen und, zum Beispiel, die Barbie-Puppe in einen Kosmonautenanzug stecken. Wie stark der Weltraum heute noch interessiere, habe sie bei den Vorbereitungen gemerkt, sagt Cathérine Hug: «Wir haben viele Anfragen bekommen – alle Künstler wollten mitmachen.» Ausgewählt wurden aber nur solche, «die sich lange und obsessiv mit diesem Thema auseinandergesetzt haben».

Älteste und grösste Meteoriten-Sammlung

Hug gehört zu einer Generation, für die nicht die Mondlandung, sondern die Explosion der Raumfähre Challenger prägend war. Die in Wien lebende Schweizer Künstlerin Nives Widauer thematisiert diese «Sinnkrise für den Technologie- und Fortschrittsglauben der westlichen Hemisphäre» in einer Videoinstallation mit der Rauchsäule des explodierenden Spaceshuttle. In einer anderen Arbeit hat Widauer 80 verschieden grosse Globen zu einer Weltkarte zusammengestellt. Eine Kamera in der Saaldecke filmt die Installation, und das Bild wird auf einem Fernsehgerät im Meteoritensaal des benachbarten Naturhistorischen Museums ausgestrahlt. Der Saal beherbergt die älteste und weltweit grösste Sammlung an Meteoriten. Für Widauer ist er mit seinen «ausserirdischen Leichen» in massiven Holzvitrinen einer der schönsten Orte der Stadt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2011, 11:08 Uhr

Die Ausstellung

Kunsthalle Wien, bis 15. August 2011.

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