Supermacho

Güzin Kar über die neue Generation von Balkan-Kids.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar.

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Balkan-Kids, herzlichen Glückwunsch zum Supermacho-Titel, aber könnt ihr bitte mal kurz aufhören mit eurem frauenfeindlichen Gedöns, das durch das Unterholz der Presse röhrt? Wir müssen reden, in ganzen Sätzen, wobei ich rede und ihr zuhört, man will es ja nicht übertreiben mit dem Austausch. Ihr seid Spitzenreiter in den Sparten «Die Geschichte der multikulturellen Gesellschaft ist eine Geschichte voller Missverständnisse» sowie «Was wir alle auch gerne tun würden, aber niemals zugeben würden». Frauen seien für euch Schlampen, so hört man, und weniger wert als Männer. Damit habt ihr den Titel voll verdient. Aber bildet euch bloss nichts darauf ein. Erstens seid ihr nicht die ersten Supermacker in der Schweizer Geschichte, und zweitens müsst ihr für die Zeit nach dem Ruhm vorsorgen, denn die ist kurz.

Obacht vor den Lederjacken

Erinnert ihr euch noch an die Italiener? Das waren die Pioniere in Sachen Frauenhass. Sie mordeten, vergewaltigten und gruben dazwischen den Gotthard-Tunnel. Dann kamen die Türken, die die eigenen Frauen unter Tücher stecken, um die fremden zu beglotzen. Die Tamilen hatten kein Geld, aber Lederjacken. Jeder sieben Stück. Die trugen sie übereinander und lauerten an Bahnhöfen apfelbäckigen Schweizer Mädchen auf, um sie dauerhaft zu verderben. Der Bölimann-Effekt hielt leider nicht lange an, da die Gastrobranche sich en bloc in die fleissigen Tamilen verliebte und Loblieder auf sie sang, aber zum Glück kam Nachschub. Sie waren schwarz, sie waren viele, sie dealten mit Drogen und summten dazu fröhliche Lieder. Es fiel keinem schwer, die Senegalesen aufrichtig zu hassen. Oder zu beneiden, so genau weiss man das ja nie, zumal immer auch Sex im Spiel ist. Denn kaum kommt eine Horde junger, fremder Männer an und benimmt sich schlecht, legt sich auch schon die ganze Frauenriege auf sie.

Kurzzeitiger Ruhm

Zugegebenermassen mussten sich die Supermacho-Teilnehmer der jüngeren Staffeln etwas einfallen lassen, um die Jury noch zu beeindrucken. Der Vorteil von Menschen aus dem Balkan war, dass sie direkt aus dem Krieg hierher- kamen, was sie glaubwürdig erscheinen liess als genetisch definierter Feind der Zivilisation. Als deren Söhne hattet ihr es leicht, ihr musstet nur noch schief gucken, und schon war das Publikum von wohligem Schaudern ergriffen. Aber Obacht: Ihr werdet bald abgelöst werden von Rumänen, Krimsoldaten, Indogermanen oder Etruskern, die die Wörter «Schlampe, Hure, Drogen, Sozialhilfe» dreistimmig rülpsen können. Euer Dasein als Star ist schneller beendet, als ihr Busen begrapschen könnt. Lernt rechtzeitig, ein Leben als assimilierter Macho zu führen. Wenn ein einheimisches Kleinhirn eine Frau gepflegt beschimpfen will, ruft es nicht «Hey, du Schlampe», sondern «Die Frustrierte gehört mal wieder flachgelegt».

Bei uns sind Frauen auch nicht minderwertig, sie können alles erreichen, was sie wollen, zum Beispiel Star des Tages in der Zeitung mit den grossen Lettern und den grossen Möpsen werden. Sie können in alle Chefetagen aller Unternehmen aufsteigen, Bücher schreiben und Hochhäuser bauen. Natürlich ohne, dass sie ihre Brüste zeigen müssen. Dafür werden sie in 200 Interviews gefragt, ob sie vielleicht ein gestörtes Verhältnis zu ihren Brüsten hätten und ob mit ihrem Hormonstatus alles in Ordnung sei bei all dem Erfolg. Lernt diese Umgangsformen. Denn es gibt ein Leben nach dem ­Supermacho-Titel.

Güzin Kar ist Drehbuchautorin und Filmregisseurin. www.guzin.ch

Erstellt: 27.03.2015, 15:56 Uhr

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