TV-Kritik: Nöldi ging kein Licht auf

Gestern lief auf SRF 1 zum ersten Mal Beat Schlatters halbstündige Comedy-Rateshow «Metzgete – Heiteres Prominentenraten» mit Nöldi Forrer und Sina als Gäste. Heiter war das nur bedingt.

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Es gibt doch dieses Spiel, bei dem man sich in lockerer Runde gegenseitig die Namen von Berühmtheiten auf die Stirn pappt und dann mittels gezielten Fragen erraten muss, welche Berühmtheit man ist. Gerne gespielt wird das in wein- oder gar schnapsseligen Gesellschaften; meist ists schon ein bisschen später, wenn plötzlich jemand mit dem Klebzettelblock antrabt, um mit einem «Spieli» von den allmählich zerfleddernden Tischgesprächen abzulenken und die Leute um Himmels willen nicht ans Heimgehen denken zu lassen.

Auch Schwinger Nöldi Forrer schien gestern eher ans Heimgehen zu denken, als er in Beat Schlatters neuer Comedy-Rateshow «Metzgete – Heiteres Prominentenraten» zu Gast war. Er musste Heidi Klum erraten, die, für ihn unsichtbar, von einem Bildschirm grinste. Fünf Fragen durfte er dazu stellen, die von Humorist Beat Schlatter, Kollege Simon Enzler und Lea Hadorn (Schauspielerin und Kabarettistin) beantwortet wurden. Das ging so:

Forrer: Wenn die Person eine Studienrichtung wäre, welche?
Schlatter: Medienwissenschaften bei Professor Dieter Bohlen.
Hadorn: Strategische Kriegsführung an einer Militärakademie in Amerika.
Enzler: Eher so eine schöngeistige Richtung: Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt «Die Ästhetik der mitteleuropäischen Hungersnöte».

Diese Antworten waren auf Klum gemünzt ja tatsächlich alle einigermassen klug und heiter, doch Nöldi Forrer, dieser Brocken von einem Mann, konnte mit den zugespielten Metaphern so gar nichts anfangen. Auch als ihm Klum als Pizza-Belag, Handy-Klingelton und Handtascheninhalt umschrieben wurde, ging ihm kein Licht auf. So feierten sich die Antwortenden eher selber und Forrer konnte nicht so richtig mitlachen. Sogar eine Strafaufgabe musste er über sich ergehen lassen und in «Wetten, dass…?»-Manier mit verbundenen Augen seinen eigenen Käse aus drei Käsesorten herausschnuppern. Dass ihm dabei auch eine stinkende Socke untergejubelt wurde, wirkte dann tatsächlich eher bemüht als witzig.

Heidi Klum als Stabmixer

Seine engsten Freunde, so Schlatter in einem Interview mit dem Blick, hätten die Sendung im Vorfeld teilweise bereits gesehen und wahnsinnig gut gefunden. Das mache ihn misstrauisch, zumal viele seiner Freunde eigentlich nicht TV-affin seien. Nun sei die Frage, ob das Format massentauglich sei. Wenn Nöldi Forrer als massiger Repräsentant der TV-Masse genommen wird, lautet die Antwort: eher nein. Denn auch wenn es wirklich wortwitzig ist, wenn Lea Hadorn Heidi Klum als Küchengerät metaphorisch verpackt - «Sie wäre ein moderner, formschöner Stabmixer: schön schlank; macht alles sehr klein»-, fehlt zum heiteren Prominentenraten irgendwie einfach die spontane Heiterkeit. Zu einstudiert wirken die Antworten, zu wenig involviert die prominenten Fragenden.

Auch wenn sich der zweite Gast, die Walliser Sängerin Sina, besser metzgete und ihren Cervelat-Promi Boris Becker am Schluss tatsächlich aufdeckte – bezeichnenderweise mithilfe einer Wurst-Metapher: Als sie ihren Gewinn am Schluss am Glücksrad in gambische Dalasi umwandeln durfte – wieso nur? –, legte man seine Stirn in ähnlich tiefe Falten wie Nöldi Forrer zuvor auf seinem Ratestuhl. Darüber konnte auch das gekonnt imitierte Walliserdeutsch von Moderator Fabian Unteregger nicht hinwegtrösten, und erst recht nicht der Auftritt von Burlesque-Tänzerin Zoe Scarlett als Glücksfee im knappen Playboy-Hasenkostüm.

So ist das Gefühl am Schluss ähnlich wie nach einer Klebzettel-Raterunde in weinseliger Gesellschaft: Manchmal funktioniert das mit dem Spiel und der Heiterkeit auf Knopfdruck einfach nicht so recht. Und man möchte halt doch lieber heimgehen.

«Metzgete» wird im Sommerprogramm von SRF 1 jeden Donnerstag um 22.20 Uhr ausgestrahlt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2013, 10:29 Uhr

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