Aamächelig anmachen

Anmache ist blöd, aamächelig ist herzig. Martin Ebel begeistert sich für ein Mundartwort, das dem Hochdeutschen fehlt.

Wen darf ich wann und wie anmachen? Martin Ebel klärt auf.(Video: Sacha Schwarz)

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Aamächelig anmachen

Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Ja, es ist heute schwierig zwischen Männern und Frauen. Wie signalisiert man Interesse, ohne lästig zu fallen? Ein Flirt wird schnell missdeutet als Anmache, ja als Übergriff. MeToo droht! Aber verlassen wir das verminte Gelände, schliesslich sind wir hier in der Sprachsprechstunde.

Stichwort Anmache. Das Verb dazu kann viel bedeuten. Man kann das Licht anmachen, Feuer anmachen, einen Salat oder einen Rumtopf. Eine spezielle Bedeutung zielt darauf, Verlangen oder Lust zu wecken. Ursprünglich im kulinarischen Sinne: «Der Kuchen macht mich an», dann aber auch übertragen in den zwischenmenschlich-erotischen Bereich. Da schillert das Verb dann; die positive Bedeutung kann schnell umschlagen, und der Flirt endet brüsk mit dem Satz: «Willst Du mich anmachen?»

All das trifft auch auf die Mundart zu. Aber im Unterschied zum Hochdeutschen gibt es hier ein Adjektiv, dass dem Anmachen alles Grobe entzieht, eine Verkleinerungsform, die nur liebenswürdig ist und kein Missverständnis aufkommen lässt: es ist das Adjektiv «aamächelig». Zu schade, dass man es nicht übersetzen kann. Um so lieber gebrauche ich es in der Mundartform. Also: Wenn Sie flirten wollen, dann nur auf aamächelige Weise. Und denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

Erstellt: 07.12.2019, 08:22 Uhr

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