Die beste Architektur des 21. Jahrhunderts

Das Jahr 2020 naht. Wir schauen auf die letzten 20 Kultur-Jahre zurück – heute mit den 20 herausragendsten Bauten. Welches sind Ihre Lieblingsgebäude?

Schafft es die Elbphilharmonie der beiden Schweizer Architekten Herzog & de Meuron auf den ersten Platz?

Schafft es die Elbphilharmonie der beiden Schweizer Architekten Herzog & de Meuron auf den ersten Platz?

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Während die Golfstaaten in den letzten 20 Jahren Gigantismus am Bau zelebrierten und sich einen Wettkampf um die ausgefallensten Kulturbauten lieferten, perfektionierte man in Japan den Minimalismus, das Wohnen auf möglichst kleinem Raum. In Europa versucht man derweil, neuen Lebensformen gerecht zu werden, schafft Raum für gemeinschaftliches Wohnen, wo dennoch genug Platz für Individualität und Privatsphäre bleibt. Die Digitalisierung baut stets mit, verlangt etwa von Bibliotheken mehr, als nur ein Ort zu sein, an dem man Bücher verstaut. Neue Materialien, etwa neue Formen von Beton, ermöglichen es, Entwürfe umzusetzen, die vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären. Gleichzeitig ist die Debatte darum, wie man ressourcen- und klimaschonend baut, in vollem Gange.

20. Metropol Parasol (2005, Jürgen Mayer)
150 Meter lang, 75 Meter breit, knapp 30 Meter hoch ist der Schirm, der die darunterliegende Plaza de la Encarnación in der Altstadt Sevillas als Kultur- und Gemeinschaftsort wiederbelebte. Inspiriert ist die geschwungene Struktur aus Fichtenholz von schattenspendenden Birkenfeigen und einer gotischen Kathedrale. Der Schirm bietet ein Archäologiemuseum, ein Restaurant, einen Bauernmarkt. Verweilen können Stadtbewohner und Touristinnen auf einem erhöht gelegenen Platz. Schauen Sie sich hier mehr Bilder des Parasols in Sevilla an.

19. Bait-ur-Rouf-Moschee (2012, Marina Tabassum)
Mitten in einem Wohnquartier von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, steht das schlichte, mehrfach preisgekrönte Gebetshaus aus lokal hergestellten Terrakottaziegeln. Es kommt ohne Minarett, ohne Kuppel aus. Ins Innere fällt das Licht in Strahlen und Punkten. Die Architektin verbindet in diesem Refugium islamische Tradition mit zeitgenössischen geometrischen Linien. Lesen Sie hier über Architektur in Bangladesh. (Bild: Aga Khan Award for Architecture)

18. Hunziker-Areal (2015, Futurafrosch, Duplex Architekten, Müller Sigrist Architekten, Miroslav Šik, pool Architekten)
13 Häuser, rund 400 Wohnungen, dazu Ateliers, Kinderkrippen, Quartierläden, Büros, mitten in Zürich-Oerlikon. In dieser Grössenordnung ein für die Schweiz aussergewöhnliches Projekt. Es hält bauökologische Standards hoch, ebenso berücksichtigt es die Diversität an Wohnformen: Satellitenwohnungen, 12½-Zimmer-WGs, kleine Oasen für Senioren. Das Hunziker-Areal ist mehr als ein Bauvorhaben, es vereint Verdichtung und Freiräume. Es ist ein Komplex, der in sich ein Quartier ist und an den sich die umliegende Umgebung nahtlos anschliessen kann. Die Zukunft des Wohnens. Lesen Sie unsere zwei Reportagen zum Hunziker-Areal: WG-Leben und extrem verdichtetes Wohnen. (Bild: Reto Oeschger/Tamedia)

17. Bruder-Klaus-Feldkapelle (2007, Peter Zumthor)
Nein, es ist kein Getreidesilo, das mitten in einem Feld beim deutschen Mechernich-Wachendorf in der Eifel steht. Es ist eine Kapelle, die der Schweizer Architekt im Auftrag eines Bauernpaars baute. Aus Fichtenstämmen wurde eine zeltähnliche Konstruktion errichtet. Diese wurde ummantelt von mehreren Schichten Stampfbeton aus lokalen Materialien, nach alter Handwerkstradition. Gestampft wurde die Masse unter anderem mithilfe der lokalen Bevölkerung. Um die Baumstämme aus dem Inneren zu entfernen, brannte man sie über drei Wochen hinweg als Köhlerfeuer ab. Glaspfropfen verschliessen die während des Baus entstandenen Löcher im Inneren. Die Lichteffekte beeindrucken die jeweils nur wenigen Besuchenden, die im sakralen Monolith Platz finden. Lesen Sie hier, wo Peter Zumthor in der Schweiz mit Stampfbeton baute. (Bild: Alamy Stock Foto)

16. The Blur Building (2002, Diller, Scofidio + Renfro)
Heute ist sie verflogen, doch an der letzten Schweizer Landesausstellung Expo.02 war sie der Star, auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt: die Nebelwolke über dem Neuenburgersee. 35’000 Hochdruckdüsen versprühten hochgepumptes Seewasser, das die Grenzen zwischen Architektur und Phänomen auflöste. Die Überreste des Pavillons in Yverdon-les-Bains wurden 2004 gesprengt. (Bild: Keystone)

15. House 8 (2011, Bjarke Ingels)
«Yes is more» lautet das Motto des Dänen Bjarke Ingels, der bereits in jungen Jahren – heute ist er 45 – eine kometenhafte Karriere hingelegt hat. Er baut unkonventionell, nachhaltig, funktional. In seinem House 8 in Orestadt, einem Vorort von Kopenhagen, führt ein Radweg von den unteren in die oberen Stockwerke, alle sollen eine schöne Aussicht geniessen können. Wohnen kann man in Apartments, Townhouses und Penthouses, abgestimmt auf die Bedürfnisse verschiedener Generationen, Familien, Alleinstehender, Paare. Dazu gibt es Büro- und Gewerbeflächen, und das alles in der Form einer Acht. Lesen Sie hier, was Bjarke Ingels in der Schweiz baute und wer sein berühmter Lehrer war. (Bild: Alamy Stock Foto)

14. Rolex Learning Center (2010, Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa)
In Wellen legt sich der multifunktionale Gebäudekomplex über den Campus der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Das gewellte Dach über den horizontal ausgerichteten Räumen und Wölbungen wird beinahe wie von Geisterhand getragen – eine Meisterleistung in der Konstruktion. Mehr Bilder finden Sie hier. (Bild: Keystone)

13. High Line (2014, Elizabeth Diller und Partner)
Die Züge ratterten schon lange nicht mehr auf der New Yorker West Side Line, das Quartier rundherum verlotterte. Bis die Gleise der ehemaligen Hochbahn revitalisiert wurden, als knapp zweieinhalb Kilometer langer Park, der durch die Lower West Side Manhattans verläuft. Rund fünf Millionen flanieren jährlich an den über 200 Pflanzenarten vorbei, sehen sich die dauerhaften und wechselnden Kunstinstallationen oder eines der angrenzenden Bauwerke der Stararchitekten Jean Nouvel, Renzo Piano oder Shigeru Ban an. Lesen Sie hier, wie die Eröffnung der High Line war und was es im Park alles zu entdecken gibt. (Bild: iStock)

12. National Stadium (2008, Herzog & de Meuron)
36 Kilometer Stahlträger verleihen ihm den ikonischen Look. «Bird’s Nest», Vogelnest, wird die geflochtene Stahlkonstruktion mit eingelassenem Betonkessel auch genannt. Es war der Stolz der Olympischen Spiele in Peking 2008 und soll an den Winterspielen 2022 erneut als olympische Stätte zum Einsatz kommen. (Bild: iStock)

11. The Shard (2012, Renzo Piano)
Im höchsten Gebäude der Europäischen Union verteilen sich über 306 Höhenmeter hinweg Büros, Restaurants, ein Luxushotel, Wohnungen und eine Aussichtsplattform – Blick über London. Je nach Jahres- und Tageszeit reflektieren die speziell konzipierten Glaselemente der «Scherbe» das Licht in unterschiedlicher Intensität. Lesen Sie hier, wieso «The Shard» bei den Londonerinnen und Londonern auf Kritik stiess. (Bild: iStock)

10. Pinnacle@Duxton (2005, Khoo Peng Beng und Belinda Huang)
Bevor das weltbekannte Marina-Bay-Sands-Luxushotel in Singapur gebaut wurde, zogen bereits Tausende Menschen in die höchsten Wohntürme der Welt ein. Pinnacle@Duxton, ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus, besteht aus sieben Hochhäusern, verteilt über eine Fläche von drei Fussballfeldern, und beherbergt über 8000 Menschen. Spazierwege, Rennbahnen und zwei der weltweit höchstgelegenen Dachgärten schlagen Brücken zwischen ihnen. Lesen Sie hier, wie es sich in Singapur lebt. (Bild: Alamy Stock Foto)

9. Burj Khalifa (2010, Adrian Smith)
828 Meter misst das höchste Gebäude der Welt. Im Burj Khalifa in Dubai thront auch die höchste Lounge, dorthin gelangt man im längsten Aufzugsschacht, von der welthöchsten Feuerwerksplattform sprühen an Festtagen die Funken, in den unteren Etagen findet man das grösste Einkaufszentrum. So modern das klingen mag, inspirieren liess sich der amerikanische Architekt von traditioneller islamischer Architektur und einer Wüstenblume. Fliegen Sie mit einem Falken mit, der sich vom Burj Khalifa stürzt. Und erfahren Sie hier, was eine Schweizer Firma mit dem Bau des Hochhauses zu tun hat. (Bild: iStock)

8. Tokyo Apartment (2010, Sou Fujimoto)
In Japans Städten ist Raum knapp und teuer. Kurzerhand stellte Sou Fujimoto sein «Tokyo Apartment» einfach aufeinander, wie eine kleine Stadt in sich. Wer hier lebt, bewohnt zwei bis drei Wohneinheiten, zum Beispiel eine im ersten und eine im dritten Stock, die über eine Treppe verbunden sind. Sein ins Quartier eingepasster Bau vereint gleich mehrere Wohntrends: Tiny Housing, Verdichtung, flexible und individualisierte Nutzung, gemeinschaftliches Wohnen. Lesen Sie hier mehr über den japanischen Architekten Shigeru Ban und darüber, wie er für das Verlagshaus dieser Zeitung den Tamedia-Neubau entwarf. (Bild: Keystone)

7. Jüdisches Museum Berlin (2001, Daniel Libeskind)
Von oben sieht der Neubau des Museums aus wie eine gezackte Linie, ein auseinandergerissener Davidstern. Libeskind lässt auch die Räume im Inneren dafür arbeiten, den Holocaust und seine Folgen zu symbolisieren und auf die Besuchenden wirken zu lassen. Korridore ohne Ausweg, riesige leere Räume, die Voids. Gleichzeitig zeigen die Ausstellungen das jüdische Leben vor, während und nach dem Holocaust. Lesen Sie hier mehr über eine aktuelle Ausstellung des Jüdischen Museums der Schweiz. (Bild: Keystone)

6. Walt Disney Concert Hall (2005, Frank Gehry)
Die Handschrift von Frank Gehry ist unverkennbar. Der kanadisch-deutsche Architekt schuf mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao einen Meilenstein der Museumsarchitektur. In Los Angeles symbolisieren die geschwungenen Formen seiner Konzerthalle den Fluss der Musik. Im Inneren begeistert die Akustik. Die Pfeifen der ausgefallenen Orgel im Konzertsaal werden oft als «French Fries», Pommes-frites, bezeichnet. Googeln Sie, dann sehen Sie sofort, warum. Klicken Sie sich hier durch die Liste der verrücktesten Häuser der Welt – die Konzerthalle ist eines davon. (Bild: iStock)

5. Nationalmuseum Katar (2019, Jean Nouvel)
Bevor das Emirat im Rekordtempo durch Öl und Gas reich wurde und moderne Wolkenkratzer in die Höhe schiessen liess, lebten hier Beduinen und Perlentaucher. Diese Geschichte beherbergt der Bau des Architekten Jean Nouvel. In 539 runden Scheiben hat er kristalline Sandrosen, die sich in Wüsten bilden, imitiert. Werfen Sie hier einen Blick auf Jean Nouvels Louvre im Nachbarstaat Abu Dhabi, das 2019 eröffnete. (Bild: iStock)

4. Central Library Seattle (2004, Rem Koolhaas und Joshua Prince-Ramus)
Beinahe im wörtlichen Sinne entfaltet sich die Fassade der Bibliothek in den Strassenschluchten Seattles. In gigantischen Dachschrägen zieht sich die Stahl-Glas-Struktur über die Köpfe der Lesenden hinweg. Knallgelbe Rolltreppen verbinden die unteren Etagen mit dem lichtdurchfluteten Lesesaal oben. Ein Highlight: spiralförmige Regale, entlang derer man nahtlos, ohne eine Treppe zu benützen, über die Höhe mehrere Etagen entlanggehen und nach Büchern suchen kann. Klicken Sie sich hier durch unsere Liste der schönsten Bibliotheken der Welt. (Bild: iStock)

3. Elbphilharmonie (2017, Herzog & de Meuron)
77 Millionen Euro hätte sie kosten sollen. Am Ende waren es 866. 2017 wurde die «Elphi» in Hamburg eröffnet. Dramatisch sticht sie auf dem Dach eines alten Speichers am Hafen aus dem Wasser empor. In ihrer Architektur widerspiegeln sich die Wellen, die sie von drei Seiten umgeben. Lesen Sie hier mehr über die Architektur, Akustik und die fulminante Eröffnung der Elbphilharmonie. (Bild: iStock)

2. Phaeno Science Center (2005, Zaha Hadid)
«Hypnotisch» nannte die «New York Times» das multifunktionale Wissenschaftszentrum der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid in Wolfsburg, «die Art von Gebäude, die unsere Vision von der Zukunft grundlegend verändern wird». Massiv, gleichzeitig verspielt und energetisch hebt sich die Betonlandschaft auf kegelförmigen Raumstützen aus dem Boden. Nur dank Spezialbaustoffen wie etwa selbstverdichtendem Beton war es technisch möglich, Hadids Entwürfe umzusetzen. Klicken Sie sich hier durch Zaha Hadids ikonische Bauten und lesen Sie mehr über ihr Werk. (Bild: Alamy Stock Foto)

1. Gando Primarschule (2001, Francis Kéré)
Er sei mit vielen Herausforderungen und wenigen Ressourcen aufgewachsen, sagt Diébédo Francis Kéré. Das von ihm entworfene Schulgebäude in Gando in seinem Heimatland Burkina Faso ist schlicht, klimaschonend, kommt ohne teure Materialien wie Stahl oder Glas aus. Stattdessen arbeitete Kéré mit Lehmziegeln aus lokalem Rohstoff. Die Klimaanlage wird ersetzt durch Luftzirkulation, die durch die scheinbar schwebende Dachkonstruktion entsteht. Architektur mache die Leute stolz, das wiederum verleihe ihnen neue Energie, ist Kéré überzeugt und lässt die Gemeinschaften, für welche ein Gebäude entstehen soll, jeweils selbst mitbauen. «Kéré hat uns eine Lektion erteilt», sagte der Schweizer Architekt Mario Botta über seinen Kollegen. «Seine Architektur aus einfachen Elementen ist von hoher Qualität und besinnt sich auf ihren eigentlichen Sinn, den Schutz des Menschen.» Erfahren Sie hier, was Architekt Kéré mit dem afrikanischen Operndorf des verstorbenen Theatermachers Christoph Schlingensief verbindet. (Bild: Keystone)

Diese Auswahl und ihre Reihenfolge sind natürlich subjektiv. Welche Gebäude hätten Sie gewählt? Schreiben Sie uns einen Kommentar.


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Erstellt: 05.12.2019, 11:57 Uhr

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