Französischer Stararchitekt verklagt Pariser Philharmonie

Streitpunkt zwischen Jean Nouvel und der Philharmonie: Wie viel die 2015 eröffnete Konzerthalle am Schluss kostete.

Er habe die Pläne ständig geändert, die Kosten in die Höhe getrieben und den Bau verzögert, wirft die Philharmonie Nouvel vor. Der Architekt schlägt zurück. Bilder: Reuters, Keystone

Er habe die Pläne ständig geändert, die Kosten in die Höhe getrieben und den Bau verzögert, wirft die Philharmonie Nouvel vor. Der Architekt schlägt zurück. Bilder: Reuters, Keystone

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Mit der Klage, die vergangene Woche bei der französischen Finanzstaatsanwaltschaft eingereicht wurde, setzt sich Nouvels Architekturbüro Ateliers Jean Nouvel gegen eine Forderung der Philharmonie über 170 Millionen Euro zur Wehr.

Der Bau der Pariser Philharmonie hatte acht Jahre gedauert und 386 Millionen Euro gekostet, mehr als doppelt so viel wie geplant. Ursprünglich waren 173 Millionen Euro eingeplant gewesen. Der Bau hatte zudem zwei Jahre länger gedauert als geplant.

Die Konzerthalle macht Nouvel für die Kostenexplosion und die Verzögerung verantwortlich. Die Philharmoniebetreiber werfen dem Architekten vor, die Baukosten viel zu niedrig angesetzt und die Pläne während des Baus «ständig» verändert zu haben.

Laut Gerichtsdokumenten, die die Nachrichtenagentur AFP am Montag einsehen konnte, weist Nouvels Firma die Forderung in ihrer Gegenklage als «überzogen» und «ungerechtfertigt» zurück.

Rechnung über 170 Millionen

Mehr als zwei Jahre nach der Eröffnung hatten die Betreiber der Philharmonie dem Architekten 170,6 Millionen Euro in Rechnung gestellt. In der Summe ist auch eine Vertragsstrafe von 110 Millionen Euro wegen der verspäteten Eröffnung enthalten.

Nouvels Architekturbüro hält die geforderte Summe für völlig überzogen – zumal er den Gerichtsdokumenten zufolge nur ein Honorar von 12 Millionen Euro erhalten hatte.

Für Nouvels Architekturbüro komme die Forderung einem «Todesurteil» gleich, erklärten seine Anwälte William Bourdon und Vincent Brengarth. Die Forderung sei nicht nur «völlig ungerecht», sondern auch «beispiellos» in der internationalen Architekturszene. Die Anwälte kritisieren unter anderem, dass die Philharmonie nur gegen Nouvel vorgeht, nicht aber gegen andere an dem Bau beteiligte Firmen.

Nouvel und die Philharmonie tragen ihren Streit schon seit der Eröffnung der Konzerthalle vor Gerichten und in den Medien aus. Nouvel weigerte sich sogar, im Januar 2015 an der feierlichen Eröffnung der Konzerthalle teilzunehmen. Er bezeichnete den Bau als unfertig und forderte vergeblich Umbauarbeiten ein.

Die von Jean Nouvel entworfene Philharmonie steht im 19. Arrondissement und beherbergt den bisher grössten Konzertsaal in Paris – 2400 Leute finden darin Platz. Bild: Reuters

(SDA)

Erstellt: 21.10.2019, 14:38 Uhr

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