Hintergrund

Pleiten, Pech und Pannen mit der Freiheitsstatue

Freiheit aus 113 Tonnen Stahl und 27 Tonnen Kupfer: Heute vor 125 Jahren wurde die Freiheitsstatue in New York eingeweiht. Eine bewegte Geschichte.

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Eine Frau versetzte New York am 28. Oktober 1886 in helle Aufregung: Lady Liberty. Fast eine Million Menschen säumten am Morgen die Strassen vom Madison Square über den Broadway bis zum Battery Park, um einen Blick auf die Parade zur Einweihung der Freiheitsstatue zu erhaschen. Als der Festzug an der Börse vorbeikam, warfen die Händler Börsenticker-Papierstreifen aus den Fenstern – die Erfindung der für New York so typischen Konfettiparade.

An der nachmittäglichen Einweihungsfeier von Lady Liberty auf Bedloe's Island vor Manhattan waren mit zwei Ausnahmen bloss Männer geladen – aus Angst, die Frauen könnten im Gedränge erdrückt werden. Deshalb mieteten Frauenrechtlerinnen aus der Umgebung kurzerhand ein Boot und näherten sich so der Insel. Die Anführerinnen priesen in Reden die Verkörperung der Freiheit durch eine Frau und forderten das Frauenwahlrecht.

Währenddessen hielt der damalige US-Präsident Grover Cleveland auf festem Boden vor der Statue seine berühmte Rede: «Ein Lichtstrom soll die Dunkelheit der Ignoranz und die Unterdrückung des Menschen durchdringen, bis die Freiheit die Welt erleuchtet.» Doch ein Feuerwerk, das die Dunkelheit des New Yorker Himmels durchdringen sollte, musste wegen schlechten Wetters verschoben werden.

Die Idee von Laboulaye

Es war nicht die erste Verschiebung in der Geschichte der Freiheitsstatue. Pleiten, Pech und Pannen verzögerten das Projekt immer wieder, sodass zwischen Idee und Einweihung über 20 Jahre vergingen: Es fehlte an Geld, Kriege sorgten für Unterbrüche, sodass der Initiant die Verwirklichung seiner Idee nicht mehr erleben konnte und drei Jahre vor der Einweihung der Freiheitsstatue verstarb.

Edouard René de Laboulaye hiess er, war französischer Jurist und Politiker und formulierte erstmals 1865 bei einem festlichen Abendessen in seinem Haus bei Versailles folgenden Grundgedanken: «Sollte ein Denkmal in den Vereinigten Staaten errichtet werden, das an ihre Unabhängigkeit erinnert, dann denke ich, dass es nur natürlich ist, wenn es durch vereinte Kräfte entsteht – ein gemeinschaftliches Werk unserer beiden Nationen.»

Die Rede inspirierte den Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi, der als Gast dem Festessen beiwohnte. Doch da Bartholdi als Major in den Deutsch-Französischen Krieg ziehen musste, verzögerte sich das Projekt ein erstes Mal. Doch bereits 1871 reiste der Bildhauer mit einem Empfehlungsschreiben von Laboulaye im Sack nach New York. Bereits bei der Einfahrt fiel ihm ein möglicher Platz für die Statue auf – Bedloe's Island, wo jedes Schiff vorbeifahren musste.

«New York Times» wetterte gegen Statue

«Die Oberflächen sollten deutlich und einfach sein, bestimmt durch ein mutiges und klares Design», schrieb Bartholdi über seine Vorstellung der Freiheitsstatue. 1875 präsentierte Laboulaye die Pläne des Bildhauers und sammelte in Frankreich Geld. Mit Erfolg: 1876 stand der Fackelarm, zwei Jahre später der Kopf. Beide Werke wurden einzeln in den USA präsentiert. Die Amerikaner sollten im Gegenzug den Sockel finanzieren.

Das kam gar nicht gut an: Bartholdi hätte sowohl die Statue als auch den Sockel spenden können, frotzelte das Magazin «Harper's Weekly», und die «New York Times» schrieb: «Kein wahrer Patriot kann bei der aktuellen Lage unserer Finanzen irgendwelche Ausgaben für bronzene Frauen gutheissen.» So dauerte es bis 1886, bis der über 27 Meter hohe Steinsockel vollendet war.

Jetzt musste die Statue, die im Jahr zuvor in Teilen aus Frankreich angeliefert worden war, nur noch zusammengesetzt werden – 113 Tonnen Stahl und 27 Tonnen Kupfer sollten eine unerschrockene Fackelträgerin darstellen, die noch 125 Jahre später als Freiheitssymbol in alle Welt leuchtet.

Erstellt: 28.10.2011, 12:21 Uhr

Feier zum 125. Geburtstag

Zum heutigen 125-jährigen Geburtstag will der für die Verwaltung des Denkmals zuständige National Park Service die Einweihungsfeier vom 28. Oktober 1886 nach eigenen Angaben so weit wie möglich nachstellen. Geplant sind eine Schiffsparade und Salutschüsse ebenso wie eine Einbürgerungszeremonie, in der neue Staatsbürger ihren Eid auf die Verfassung leisten.

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