Wie böse ist Nazi-Architektur?

Der Biennale-Pavillon in Venedig soll abgerissen werden. Das fordert der Präsident der deutschen Architektenkammer. Er stört sich am NS-Bau – und sorgt damit für Kopfschütteln.

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Es ist ein kleines, orangefarbenes, tempelartiges Gebäude in Venedig. Vier graue Säulen zieren die Vorderseite, über dem Eingang steht «Germania». Seit 1938 sieht das Bauwerk so aus, seitdem es die Nazis umgestaltet haben im Stil des Neoklassizismus.

Ginge es nach Arno Sighart Schmid, wäre der Biennale-Pavillon längst dem Erdboden gleich. Dieser schwere Klotz entspreche ganz und gar nicht mehr dem demokratischen Staatsverständnis Deutschlands, wird der Präsident der Bundesarchitektenkammer auf «Welt Online» zitiert.

Ministerien in Nazi-Gebäuden

Warum Schmid ausgerechnet jetzt mit dieser Forderung kommt, 65 Jahre nach dem Ende der Nazi-Gewaltherrschaft, ist vielen unklar. Jahrzehntelang hätten sich Historiker und Architekten mit der Frage beschäftigt, ob es vertretbar sei, Gebäude aus jener Zeit weiterhin zu nutzen, so «Welt Online».

Klar, fand offenbar die Bundesregierung, als sie ihren Sitz von Bonn nach Berlin verlegte und dabei drei Gebäude aus der NS-Zeit bezogen hat. Das Auswärtige Amt ist in der früheren Reichsbank untergebracht, das Finanzministerium in Görings Reichsluftfahrtministerium und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Goebbelsschen Propagandaministerium.

Der Traum von Germania

In Deutschland gibt es mehrere Nazi-Gebäude, die architektonisch interessant und deshalb schutzwürdig sind. Etwa der inzwischen stillgelegte Flughafen Berlin-Tempelhof mit seiner kühnen Dachkonstruktion, die gemäss «Welt Online» von Architekten aus aller Welt bewundert wird. Oder das Berliner Olympiastation, das Albert Speer, Hitlers Leib-Architekt, mit Stein verkleidete und um klassizistische Details bereicherte. Hitler dagegen habe das Stadion gar nicht gemocht, ihm sei es zu klein und zu filigran gewesen.

Die Diskussion um die Nazi-Bauten sei insofern überflüssig, als internationale Bauforscher sich offenbar weitgehend darin einig seien, dass es eine klar erkennbare NS-Architektur gar nicht gebe. Zumindest sind keine «menschenverachtenden Proportionen» zu erkennen und auch keine «aggressiven Details». Hitler hatte zwar 1942 den grossen Plan, die Reichshauptstadt Berlin architektonisch neu zu gestalten und in «Germania» umzubenennen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch mit Kriegsende drei Jahre später. (dj)

Erstellt: 25.06.2010, 13:36 Uhr

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