Grosse Pläne, kleine Stadt

«Unwürdige Bedingungen, leidende Mitarbeiter»: Schaffhausen hat Peter Jezler, den Direktor des Museums zu Allerheiligen, per sofort freigestellt.

Happige Vorwürfe gegen einen der erfolgreichsten Ausstellungsmacher der Schweiz: Peter Jezler, Direktor des Museums zu Allerheiligen, wurde per sofort freigestellt. Foto: PD

Happige Vorwürfe gegen einen der erfolgreichsten Ausstellungsmacher der Schweiz: Peter Jezler, Direktor des Museums zu Allerheiligen, wurde per sofort freigestellt. Foto: PD

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Gebrodelt hat es schon lange, nun hat es geknallt: Schaffhausen hat Peter Jezler, Direktor des Museums zu Allerheiligen, per sofort freigestellt. Die Vorwürfe gegen ihn sind happig: Die Rede ist von «unwürdigen Bedingungen», die wichtige Angestellte des Museums «leiden» liessen. So steht es zumindest in den «Schaffhauser Nachrichten», die Jezlers Freistellung publik machten. Die Wortwahl ist ebenso erstaunlich wie der Vorgang. Denn der 60-Jährige ist einer der erfolgreichsten Ausstellungsmacher der Schweiz: Während seiner 13-jährigen ­Direktionszeit am Historischen Museum Bern kuratierte der gebürtige Zürcher zahlreiche Blockbuster-Ausstellungen, darunter jene zum 50. Todestag von ­Albert Einstein, die 350 000 Besucher anlockte – und danach sogar in Japan zu sehen war. Auch in Schaffhausen war Jezler überaus erfolgreich, so etwa mit seiner Albert-Anker-Ausstellung oder zuletzt mit seiner spektakulären Schau zum mittelalterlichen Turnierwesen, die mit Rüstungen aus namhaften Sammlungen sowie ­einem Turnier mit echten Pferden und splitternden Lanzen über die Bühne ging.

Coach riet zur Kündigung

Mit den beiden Ausstellungen hatte Jezler gleich zwei wichtige Ziele erreicht, die ihm Schaffhausen gesetzt hatte: Er verschaffte dem Allerheiligen überregionale Aufmerksamkeit; zugleich erhöhte er die Eigenfinanzierung. Die Neuausrichtung zum Leuchtturm hatte aber ­ihren Preis: Im März 2012, ein Jahr nach Jezlers Stellenantritt, verliess mit Markus Stegmann der langjährige Kurator der Kunstabteilung das Museum, weil er die Neuorientierung nicht mittragen wollte. Während solche Abgänge bei Führungswechseln normal sind, ist es der Vorwurf der «unwürdigen» Arbeitsbedingungen ganz sicher nicht. Was es damit konkret auf sich hat, weiss auch Jezler nicht: «Alle Vorwürfe, die gegen mich erhoben werden, sind anonym und unbestimmt. Ich weiss daher nicht, ob es sich hierbei um inhaltliche Meinungsverschiedenheiten oder um persönlichen Kränkungen handelt, die entstehen können, wenn man ein Museum neu ausrichtet.» Den Vorwurf des Stadtpräsidenten von Schaffhausen, der Direktor habe durch seine ambitionierten Ausstellungsprojekte seine Mitarbeiter überfordert, lässt Jezler nur zum Teil gelten. So habe beim Ritterturnier das Glücksgefühl dominiert, «etwas Grosses geleistet zu haben».

Die Gemengelage in der Causa Allerheiligen ist also ziemlich diffus. Sicher ist, dass es bereits im November 2013 eine Retraite der Kadermitarbeiter gab, auf der die Reduktion des Ausstellungsangebots beschlossen wurde, und dass man Jezler in der Folge einen Coach zur Seite gestellt hat. Letztlich war es dieser, der den Stadtrat «eindringlich» zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses geraten hatte, um die «unwürdigen Bedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beenden», wenn man den «Schaffhauser Nachrichten» folgt. Wie auch immer der Streit um die Freistellung Peter Jezlers ausgehen wird: Für Schaffhausen ist sie ein herber Rückschlag, denn nach dem angekündigten Wegzug der «Hallen für Neue Kunst» verliert die Stadt innert kürzester Zeit eine weitere Möglichkeit, dass man sie in Kunstdingen überregional wahrnimmt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2014, 17:23 Uhr

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