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Autofahrt in den Abgrund des Krieges

1910, noch vier Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Emmentaler Fotograf Griebel hat eine Familienidylle in einem Garten festgehalten. Das Foto ist der Auftakt zu einer neuen Bildserie in dieser Zeitung. In welchem Verhältnis die Personen wohl zueinander stehen? Drei bis vier Kinder sind damals in Schweizer Familien die Regel. Auch die Rollenteilung ist klar: Die Frauen kümmern sich um die Handarbeiten und winden Garn. Die Männer helfen entweder lesend mit, schauen zu oder sind in Lektüre vertieft. Ab August 1914 dürfte diese Familie wie viele andere auch auseinandergerissen werden: Die Eidgenossenschaft schickt wehrfähige Männer an die Grenzen. Die zurückgelassenen Frauen werden ihre Familien alleine durchbringen müssen.
Ob die Bewohner der Stadt Bern im Jahr 1915 Dichtestress empfunden haben? Der Erste Weltkrieg ist gerade ausgebrochen. Fussgänger und öffentlicher Verkehr müssen sich in der Bundesstadt den Platz immer mehr teilen. Das geht durchaus geordnet: In der Spitalgasse drängen sich die Einwohner auf der einen Seite durch die Strassen. Auf der anderen Seite machen sich bereits die Vorboten der Beschleunigung und des Fortschritts bemerkbar. Trams befördern die Stadtbewohner gradlinig und schnell durch Bern. Die Fahrzeuge weichen dazu sogar historischen Brunnen ehrfürchtig aus. Erste Automobile fahren auch schon durch die Innenstadt. Die modernen Maschinen haben die Pferdekutschen aus dem Stadtbild verdrängt. Bern kommt im 20. Jahrhundert an.
Dieses Bild fand Leser Andreas Grueb Antonietti in der Korrespondez, welche der Urgrossvater seiner Frau mit der Familie geführt hatte. Der unbekannte Fotograf, der das Bild geschossen hat, hat es offenbar zu einer Postkarte weiter verarbeitet.
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