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«Bitte fühl das jetzt auch!»

Der Mythos Marignano wird gern von den Rechten instrumentalisiert. Foto: Gamma-Keystone via Getty Images

Finden Sie als Historiker es nie ärgerlich, wenn Rechte wie Christoph Blocher oder Roger Köppel Geschichte für ihre Zwecke instrumentalisieren?

Als Opfer?

Mit den radikalen Linken?

Erregungsgemeinschaften liegen regelmässig falsch?

Als Historiker rechnen Sie also damit, sich zu irren?

Aber die meisten Dokumente, Rätsel und Lücken – gerade zur Geschichte des Mittelalters – sind in der Forschung doch schon längst bekannt.

Das klingt heute völlig abwegig.

Warum ist die Verwendungsgeschichte der Dokumente so wichtig?

«Man baut die Vergangenheit so um, dass sie zu dem passt, was man heute ist.»

Die Vergangenheit ist keine Geschichte?

Es gibt Geschichten, die sehr erfolgreich sind, etwa die nationalen Mythen – trotz zahlreicher historischer Forschungen, die belegen, dass diese Geschichten nicht der Realität um 1300 entsprechen. Warum dieser anhaltende Erfolg?

Wo machen Sie das fest?

Haben erfolgreiche Geschichten immer etwas mit Reduktion von Komplexität zu tun?

Wissenschaft verlangt das nicht?

Was sind die offenen Fragen, mit denen Sie sich beschäftigen?

Den Wunsch nach Reinheit finden wir also nicht nur im Bioladen oder bei der Ayurveda-Kur.

Gerade das Mittelalter wird mit den wehrhaften Schweizern immer wieder als Ort des reinen Ursprungs imaginiert, obwohl diese Zeit kaum etwas mit unserer Gegenwart zu tun hat.

Die Lebenserwartung und die Lebensqualität war im 16. Jahrhundert nicht gerade toll.

Den Konservativen gelingt es offensichtlich sehr gut, Geschichten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und daran Vergnügen zu haben, ganz anders die Linke.

Wie kann die Rechte dann mit Rückgriff auf Mythen von Tell und Marignano ein Bedrohungsszenario so lange aufrechterhalten?