Böse Verbotsparteien

Es gibt keinen schlimmeren Vorwurf für politische Parteien. Dabei sind Verbote oft sinnvoll, ja unverzichtbar fürs Zusammenleben.

Du sollst nicht töten: Auch die zehn Gebote waren eigentlich Verbote. (Video: Anthony Ackermann)

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Böse Verbotsparteien

Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Das schlimmste Schimpfwort für eine politische Partei lautet: Verbotspartei. Den Grünen wirft man es sowieso vor, aber auch die FDP musste sich, nach ein paar Trippelschrittchen in Sachen Klima, fragen lassen, ob sie jetzt etwa eine Verbotspartei werden wolle. Es ist ein Killerwort, das jede Debatte beendet. Verbotspartei – das ist noch schlimmer als der Verdacht, Politiker wollten an unsere Ersparnisse oder die Schweiz ans Ausland verkaufen.

Warum ist das so? Verbote sind doch eine sinnvolle Sache, um unser Zusammenleben zu organisieren. Unsere Religionen beruhen darauf, die zehn Gebote, die Moses von Gott empfing, sind ja eigentlich Verbote: Du sollst nicht töten, stehlen, ehebrechen und so weiter. Unser Rechtssystem formuliert anders, meint aber dasselbe. Verkehrsschilder verbieten, in eine Einbahnstrasse verkehrt herum reinzufahren oder eine bestimmte Geschwindigkeit zu überschreiten.

Woher kommt also die Durchschlagskraft des Schimpfwortes «Verbotspartei»? Weil die politische Konkurrenz damit den Wählern Honig ums Maul schmiert. Sie seien doch allesamt derart mündige Menschen, dass man ihnen nichts vorschreiben und schon gar nichts verbieten müsse. Dabei ist der Wähler auch ein Konsument, Gewohnheitstier, ein Umweltverschmutzer und ein CO2-Wüstling. Freiwillig wird er sein Verhalten nicht gross ändern. Da müssen schon Regeln nachhelfen. Und manche Regeln sind eben Verbote.

Also: Tun Sie freiwillig, was möglich ist, und akzeptieren Sie Verbote, wenn sie vernünftig und nötig sind. Und vergessen Sie nicht: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

Erstellt: 14.12.2019, 09:13 Uhr

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