Adolf Muschg erhält wichtigsten Schweizer Literaturpreis

Bundesrat Alain Berset hat Adolf Muschg hat den Grand Prix Literatur überreicht. Er lobte den Autor für seine «intime Halbdistanz» zur Schweiz.

Es gehe ihm um den «hartnäckigen Hinweis, dass es vielleicht anders ist, anders sein könnte – oder anders sein sollte»: Adolf Muschg in Männedorf ZH. (13. August 2013)

Es gehe ihm um den «hartnäckigen Hinweis, dass es vielleicht anders ist, anders sein könnte – oder anders sein sollte»: Adolf Muschg in Männedorf ZH. (13. August 2013) Bild: Nicola Pitaro/Tages-Anzeiger

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Er sei ein «Spezialist des Infragestellens», meinte Bundesrat Alain Berset, und einer, der immer Schriftsteller und Gelehrter bleibe, auch wenn er politisch argumentiere. Im Saal der Schweizerischen Nationalbibliothek war die Vergabe des Grand Prix Literatur an Adolf Muschg der Schluss- und Höhepunkt einer Veranstaltung, die sich lange hinzog. Mussten doch die Träger von sieben «Schweizer Literaturpreisen» (plus einem Spezialpreis) gewürdigt werden, im Auftritt-Abtritt-Rhythmus von Ankündigung, Laudatio, Dank und Lesung. 25'000 Franken Fördergelder plus Lesetournee: ­Dorothee Elmiger, Eleonore Frey, Hanna Johansen, Guy Krneta, Frédéric Pajak, Claudia Quadri und Noëlle Revaz lobten die Preise, die sie erhalten hatten: für die eine ein «sehr gutes Mittel gegen Selbstzweifel», für den anderen «ein willkommener Beitrag für die dritte Säule». Es gab gerührte und rührende Momente.

Der perfekte Grossprämierte

Getroffen von der Kritik an der Vielzahl der Preisträger zeigte sich Jurypräsident Dominik Müller. Seine Replik: Nur ein «Fächer» werde der Schweizer Literatur gerecht. Beim Grand Prix (40'000 Fr.) hat man sich diesmal aber zu einer regelrechten Entscheidung durchgerungen. Und einer richtigen. Adolf Muschg ist, wenn kein überraschender, so doch ein perfekter Grossprämierter. Fast könnte man sagen, dass er diesen Grand Prix mit seiner Alleinstellung – und wohl auch der Präsenz ­eines Bundesrates – aufgewertet hat.

Berset sagte in seiner zweisprachigen Laudatio, Muschg erinnere die Vertreter des Realitätsprinzips immer wieder daran, dass «es anders ist, anders sein könnte, anders sein sollte». Und dass die Schweiz ihr Potenzial nicht ausschöpfe. Dieser Schweiz wand dann der Geehrte, schwer vergrippt und dennoch enthusiasmiert, einen Kranz. Er sei stolz, in einem Land zu leben, das seinen letzten Bürgerkrieg 1847 ausgefochten habe. Das sich so stark auf ein Werk der Dichtung beziehe, auf Schillers «Tell» nämlich, der ja als Familienvater, Kleinunternehmer und Tyrannenmörder gleich mehreren Parteien als Bezugfigur diene. Belustigung im Saal, als Muschg dem grossen deutschen Nachbarn vorhielt: Wie er mit den Griechen umgehe, «das tut man nicht in Europa!» Um dann von einer «Stiftung für schöne Handlungen» zu träumen. Die einzurichten reicht aber auch das Preisgeld wohl nicht.

Erstellt: 19.02.2015, 20:42 Uhr

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