Alice Schwarzer schreibt Buch über ihren Ex-Tanzpartner Jörg Kachelmann

Die Feministin meint, der Moderator geniesse zu viel Sympathie. Ihr Buch kann man bereits vorbestellen.

Kritische Prozessbeobachterin: Alice Schwarzer vor dem Landgericht Mannheim, wo der Kachelmann-Prozess stattfindet.

Kritische Prozessbeobachterin: Alice Schwarzer vor dem Landgericht Mannheim, wo der Kachelmann-Prozess stattfindet. Bild: Keystone

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Alice Schwarzer und Jörg Kachelmann mochten sich gut leiden. Sehr gut sogar. Die Feministin himmelte den TV-Meteorologen publizistisch an, weil er sich für die Gleichberechtigung im Wetterbericht stark gemacht hatte. Erfolgreich hatte Kachelmann sich dafür eingesetzt, dass die schönen Hochdruckgebiete nicht immer nur Männer-Namen trugen, während die Tiefs stets weiblich über alle herzogen.

Seit dem Millennium und dem gemeinsamen Effort des Duos Kachelmann-Schwarzer kann ein Hoch auch, beispielsweise, Alice heissen und ein Tief Jörg. In der Folge unterhielten sich Schwarzer und Kachelmann ein Jahrzehnt lang blendend auf TV-Couchs. Einmal schwangen die beiden sogar spontan vor laufender Kamera das Tanzbein.

Doch seit er der schweren Vergewaltigung angeklagt ist, ist zwischen dem beschuldigten Schaffhauser und der kämpferischen Chefin der Frauenzeitschrift «Emma» nicht mehr gut Wetter. Via Talksendung empfahl sie ihm vor Hunderttausenden Zuschauern eine psychologische Behandlung. Kachelmann wehrte sich per persönlicher E-Mail, die Schwarzer prompt und nicht gerade gentlewomanlike online stellte. Dazu schrieb sie: «Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann. Leider.»

Das Gegengewicht

Damit nicht genug: Inzwischen berichtet Schwarzer für die «Bild»-Zeitung über den Prozess – stets aus der Perspektive des mutmasslichen Opfers. Die Journalistin im Rentenalter (67) will der jüngeren Radiomoderatorin (37), die Kachelmann (52) belastet, eine Stimme geben, die ihr die grossen deutschen Wochenblätter verwehren. Schwarzer sieht sich als «eine der wenigen Objektiven» in der ganzen Medienschar. Sie hat sich zum Gegengewicht ernannt.

Die wöchentlichen Kolumnen der Einzelkämpferin in der Boulevardzeitung trugen ihr aber auch Kritik ein. Gerade Weggefährtinnen können nicht nachvollziehen, dass sie ausgerechnet im Blatt mit den freizügigen Aufnahmen junger Frauen schreibt. Schwarzer argumentiert, über «Bild» erreichten ihre Botschaften die Massen.

«Wunschdenken»

Auch gestern blieb allerdings die Öffentlichkeit, darunter auch «Bild»-Journalisten, ausgeschlossen, als das Gericht das wohl letzte Mal die Anzeigeerstatterin und danach deren Psychotherapeuten Günter Seidler anhörte. Vor der Tür äusserten sich immerhin die Prozessparteien. «Meines Erachtens», erklärte Strafverteidiger Reinhard Birkenstock, «hat die Vernehmung uns dem Ziel der Rehabilitierung von Herrn Kachelmann sehr viel näher gebracht.» Staatsanwalt Lars-Torsten Oltrogge entgegnete: «Ich halte das für Wunschdenken.»

Alice Schwarzer will ihre Erkenntnisse nun zwischen Buchdeckeln verewigen. Dafür hat sie auch den Psychotherapeuten Seidler kontaktiert. Die Internetbuchhandlung Amazon kündigt Schwarzers Werk über den Fall Kachelmann bereits auf November an. Der Prozess aber dauert mindestens bis Ende Dezember.

Für 14.95 Euro lässt sich Schwarzers Vorurteil über ihren Ex-Tanzpartner schon heute vorbestellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2010, 08:05 Uhr

Kachelmann gestern auf dem Weg ins Gericht. (Bild: Keystone )

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