Rezension

Anleitung für ein besseres Leben

Die Forscherin Barbara L. Fredrickson hat die Macht der positiven Gefühle untersucht und eine wissenschaftliche Glücksformel erarbeitet – sogar der Dalai Lama ist beeindruckt.

«Eine positive Lebenshaltung macht uns glücklicher»: Die Forscherin Barbara L. Fredrickson hat während Jahren die Macht der guten Gefühle untersucht und in Buchform zusammengefasst.

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Eine Glücksfibel mehr auf dem ohnehin schon völlig überfluteten Ratgebermarkt? Nicht ganz, denn Barbara L. Fredricksons «Die Macht der guten Gefühle» ist mehr als eine banale Anleitung zum ultimativ erfüllten Leben in wenigen Schritten. Es ist das Ergebnis jahrelanger und intensiver Forschung. Fredrickson gilt als eine der führenden Vertreter der sogenannten «Positiven Psychologie», dies ist ein vom amerikanischen Sozialpsychologen Martin Seligman ins Leben gerufene Forschungsprogamm, das die Wirkung von positiven Gefühlen statt Traumata, Ängsten und Zwängen, wie in der herkömmlichen Psychologie, untersucht.

Seit Jahren schon befasst sich Fredrickson mit der Wirkung und Wirksamkeit positiver Gefühle und hat unter anderem anhand von vielen Umfragen und Persönlichkeitsstudien nachgewiesen, dass diese uns stärken, kreativer, ja sogar gesünder machen. Sogar der Dalai Lama interessierte sich für die Ergebnisse der Forscherin und lud sie im letzten Jahr zu sich ein, um sich ihre Erkenntnisse näherbringen zu lassen.

Von Natur aus auf Katastrophen getrimmt

Diese Forschungserkenntnisse hat sie in ihrem Buch, das seit dieser Woche auf Deutsch im Handel ist, zusammengefasst. Fredrickson zeigt, wie man gute Gefühle entwickelt und lernt, diese gezielt abzurufen, um damit Schritt für Schritt eine positive Lebenshaltung zu verinnerlichen, und dadurch in eine «Aufwärtsspirale» gerät. Der Weg nach oben erweist sich allerdings als steinig und ist mit aufwendiger Arbeit verbunden, denn leider fallen uns negative Gedanken weitaus einfacher als positive.

Schuld daran ist unser «katastrophisches Gehirn» – wie es von Martin Seligman genannt wird –, das mehr Negatives als Positives registriert. Diese Haltung ist auf unsere Vorfahren zurückzuführen, die durch die gegebenen Umstände vor allem darauf programmiert waren, Feinde aller Art zu entdecken und somit Gefahren antizipieren zu können. Der Mensch hat sozusagen nur überlebt, weil er sich auf das konzentrierte, was schieflaufen konnte. Es liegt also in unserer Natur, negative Gedanken zu haben. Daran ist auch nichts Verwerfliches, doch müsse man ständig aufpassen, dass die negativen Gedanken nicht überwiegen.

Negative Gedanken können Selbstgespräche durchdringen und die Kommunikation mit der Umwelt beeinflussen, schreibt Fredrickson. Die Folgen: «Eine ungebremste negative Haltung führt zu gesundheitsschädlichen Gefühlen – zu Wut, Verachtung, bis hin zu Depression –, die letztlich den ganzen Körper beeinträchtigen.» Gegensteuer könne man nur mit einer bewusst positiven Lebenshaltung geben.

Auf die richtige Dosierung kommt es an

Dabei geht es aber nicht um eine «Don't worry, be happy»-Einstellung, wie sie von vielen Motivationstrainern angepriesen wird, sondern um knochenharte Arbeit, die viel Disziplin und Durchsetzungsvermögen verlangt. Denn «die menschliche Grundhaltung – ob negativ oder positiv – ist viel mehr als nur ein innerer Monolog», schreibt Fredrickson. Das Geheimnis bestehe darin, «die positive Stimmung nicht krampfhaft festzuhalten und ihre flüchtige Natur zu leugnen». Denn eine hundertprozentig positive Lebenseinstellung leugne die Menschlichkeit des Lebens. Man darf sich also getrost auch mit seinen schlechten Gedanken wohlfühlen.

Ununterbrochen gute Gefühle zu haben, sei weder möglich noch erstrebenswert. Stattdessen sei es sinnvoll, häufiger positive Augenblicke einzubauen. Idealerweise versucht man es mit dem 3-zu-1-Quotienten. Auf jede bedrückende emotionale Erfahrung kommen drei positive Erlebnisse, die man ganz bewusst wahrnimmt und speichert. Fredrickson zählt zur Palette der positiven Gefühle Freude, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht und Liebe – mit dieser Auswahl sollte sich die 3:1-Regel einfacher aufrechterhalten lassen.

Um diese positiven Gefühle zu steigern, ermuntert Fredrickson die Leser unter anderem dazu, häufiger von der Zukunft zu träumen (dabei soll man sich diese so detailliert wie möglich vorstellen), Dankbarkeit zu spüren und auch auszudrücken, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, regelmässig zu meditieren, weniger zu analysieren, den Medienkonsum zu überdenken, nach Ersatz für Klatsch und Sarkasmus zu suchen und wenn möglich, an einem Tag der Woche fünf gute Taten zu vollbringen. Und zwar solche, die wirklich bedeutungsvoll sind und nicht auf die Schnelle erledigt werden können.

Erstellt: 20.09.2011, 12:57 Uhr

Führende Vertreterin der «Positiven Psychologie»: Barbara Fredrickson ist Psychologie-Professorin an der Universität von Chapel Hill in North Carolina. Seit Jahren forscht sie über Einfluss und Wirksamkeit positiver Gefühle auf das menschliche Verhalten, die Psyche und die Gesundheit.

Barbara L. Fredrickson: «Die Macht der guten Gefühle», Campus-Verlag, ISBN: 978-359339-081-9

Nur gute Nachrichten

Auf dem Nachrichtenportal Happy Times gibt es seit rund zwei Jahren ausschliesslich positive Nachrichten. Der Herausgeber Benjamin Bürge hatte die Idee schon vor vielen Jahren, da er sich über die ständig schlechten Nachrichten ärgerte, die im Radio, Fernsehen und in den Zeitungen gebracht werden. Also lancierte er Happy Times, um zu zeigen, dass «Nachrichten auch positiv sein können». Sein Konzept schien bei den Lesern gut anzukommen, «unsere Leserzahlen explodierten zu Beginn förmlich», inzwischen zählt das Portal monatlich rund 30'000 Besucher. Natürlich komme man auch bei Happy Times nicht darum herum negative Nachrichten zu bringen, doch versuche man das jeweils so knapp als möglich zu halten, «nicht in blutrünstigen Worten und Bildern, und das Positive daran zu sehen, wenn es etwas Positives gibt». Bürge glaubt, dass die Medien eine grosse Mitschuld haben am heutigen Empfinden vieler Menschen, die Welt gehe zugrunde: «Wir werden geflutet von schlechten Nachrichten, und das frisst sich langsam wie bei einer Gehirnwäsche in unser Denken.» Happy Times hingegen versuche aktiv den Menschen zu vermitteln, dass wir in einer fantastischen Welt lebten. Er sei davon überzeugt, dass «wir in der schönsten Welt zum besten Zeitpunkt, den es je gab, leben». Dies wolle er vermitteln. «Ein bisschen wie Don Quichotte, der gegen die Windmühlen der anderen Medien anrennt.»



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