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«Applaudiert, Bürger!»

Generationswechsel bei Asterix und Obelix: Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Frédérik Mébarki führen das Erbe von Goscinny und Uderzo weiter. Was taugen die beiden Nachfolger?

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«Alea iacta est», die Würfel sind gefallen: Diese Woche gab das französische Comicmagazin «Casemate» bekannt, dass der nächste «Asterix»-Comicband nicht mehr aus der Feder von Albert Uderzo stammt. Nachdem er 2009 die Marke «Asterix» an den Verlagsriesen Hachette verkauft hatte, weiss man nun, wer die Abenteuer der widerspenstigen Gallier fortschreiben beziehungsweise weiterzeichnen wird: Es sind dies der Autor Jean-Yves Ferri und der Zeichner Frédérik Mébarki.

Ein Millionen-Geschäft

«Dass Frédérik Mébarki als Assistent von Uderzo die «Asterix»-Serie übernimmt, ist folgerichtig», sagt Reto Baer, Comic-Experte und Comic-Lektor des Schweizer Bibliotheksdiensts. Faktisch sei Mébarki schon längst «Asterix»-Zeichner, da Uderzo schon seit Jahren nur noch die Bleistiftvorzeichnungen mache, also das, was die Leserschaft gar nie zu sehen bekomme. Da der Assistent für die Reinzeichnungen in schwarzer Tusche und die Kolorierungen verantwortlich war, folgert Baer: «Zeichnerisch dürfte das Niveau erhalten bleiben.»

Und das ist bis heute hoch. Bei den Geschichten monierten die Kritiker allerdings einen Niedergang, nachdem «Asterix»-Autor René Goscinny im Jahre 1977 gestorben war und sein Zeichner-Partner Albert Uderzo die Gesamtleitung übernommen hatte. Das sieht auch Baer so: «Uderzos ‹Asterix›-Abenteuer wurden von Band zu Band schlechter.»

Doch diese Stimmen stören Uderzo kaum, stiegen doch gleichzeitig die Verkaufszahlen der Alben markant an. Die Startauflage des bislang aktuellsten Comics «Asterix und Obelix feiern Geburtstag» von 2009 erreichte allein im deutschsprachigen Raum drei Millionen Exemplare. Weltweit wurden seit Beginn der Serie im Jahre 1959 bis heute fast 350 Millionen «Asterix»-Bände verkauft. Ein lohnendes Geschäft, das es weiterzuführen gilt.

«Sympathischer Humor»

Gemäss Comic-Kenner Reto Baer könnte nach der Verpflichtung von Autor Jean-Yves Ferri auch das erzählerische Niveau wieder steigen. «Wenn nun Jean-Yves Ferri die Szenarien schreibt, ist das ein Anlass zur Hoffnung auf Besserung», sagt er, «sein auf Deutsch erhältlicher Comic ‹Die Rückkehr aufs Land› glänzt jedenfalls mit sympathischem Humor.»

Der Egmont-Verlag, der unter dem Label Ehapa die «Asterix»-Alben seit 1961 auf Deutsch veröffentlicht, wollte sich zum Wechsel noch nicht äussern. Erst warte man ein offizielles Statement des französischen Lizenzgebers ab. Dementsprechend ist auch noch nicht bekannt, wann die Fans mit einem neuen Abenteuer der gallischen Haudegen rechnen können.

Jedenfalls dürfen sie sich jetzt schon freuen. Oder um es mit Worten aus dem dritten «Asterix»-Band zu sagen: «Applaudiert, Bürger!»

Erstellt: 28.07.2011, 13:17 Uhr

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