Das Gesicht der linken Intelligenzija

Der Berner Guy Krneta organisiert den Widerstand gegen die Führung der «Basler Zeitung».

«Somm ist kein Journalist, Somm ist eine Strategie der Rechten.»

«Somm ist kein Journalist, Somm ist eine Strategie der Rechten.» Bild: Keystone

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Der Berner Schriftsteller Guy Krneta denkt schnell, redet schnell und handelt schnell. Nur einen Tag nachdem bekannt geworden war, dass Christoph Blocher die «Basler Zeitung» beriet, hatte Krneta bereits die Protestbewegung «Rettet Basel» gegründet und eine entsprechende Internetpräsenz mit mittlerweile knapp 19'000 Sympathisanten aufgeschaltet.

Zusammen mit dem Basler SP-Nationalrat Beat Jans will Krneta nun die BaZ-Geldgeber hinter Suter mit einer Petition an Parlament und Bundesrat und einer Klage beim Schweizerischen Presserat zur Besitzertransparenz zwingen.

Markieren von Präsenz

Dabei ist Krneta nur in zweiter Linie an Gewissheit interessiert. Er glaubt, die Geldgeber bereits zu kennen: finanziell potente Kreise um Christoph Blocher, die aus der BaZ ein nationalkonservatives Organ analog zur «Weltwoche» formen wollen. Worum es Krneta in erster Linie geht, ist das Markieren von Präsenz gegen die Stimmenfangmethoden der SVP, die «darauf basieren, die Gesellschaft in Randgruppen zu zerlegen, Sündenböcke zu schaffen und Scheindebatten mit verheerenden realpolitischen Folgen zu führen».

Nach der Annahme der Minarettinitiative formierte sich um die Schriftsteller Krneta, Ruth Schweikert und Filmemacher Samir der Verein Kunst und Politik. Das Ziel ist eine sichtbarere und konzertiertere Einmischung der linken Intellektuellen und Künstler in sozialpolitische Debatten – und ein Gegengewicht zu den SVP-Kampagnen zu schaffen. Die Spots gegen die Ausschaffungsinitiative mit Hanspeter Müller-Drossaart als Lehrer, der ausländische Kinder vor die Tür stellt, kamen von Kunst und Politik.

«Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin»

Und Anfang Jahr generierten Krneta und seine Mitstreiter Aufmerksamkeit mit der Aktion «Ich, der verhätschelte Staatskünstler». Sie baten darum, ebenfalls ins Parteiprogramm der SVP aufgenommen zu werden, in dessen Entwurf unter anderem Pipilotti Rist als von «Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin» bezeichnet wird.

Kritiker unterstellen Krneta, er trete als einzige öffentliche Figur von Rettet Basel und als Exponent von Kunst und Politik in Erscheinung, um seinen Bekanntheits- und damit den Kommerzialisierungsgrad als Künstler zu steigern. Doch seine Kompromisslosigkeit verrät den Überzeugungstäter. Krneta, vor sieben Jahren wegen seiner Frau nach Basel gezogen, bis vor einem Jahr nur in der Theaterszene bekannt und mit dem Schreiben von Theaterstücken, Hörspielen und Mundartprosa beschäftigt, wendet sich heute an eine breitere Öffentlichkeit – politisch durchaus radikal. Und er handelt auch danach. Den Dialog mit Journalisten der «Weltwoche» oder BaZ-Chef Markus Somm verweigert er konsequent. Zumindest innerhalb ihrer Blätter. Das Angebot, nach dem Blocher-Skandal eine ganze Seite in der BaZ zu füllen, schlug er aus. An einem Porträt in der«Weltwoche» verweigerte er die Mitarbeit.

Er tat es aus Prinzip: «Linke wie Bodenmann oder Hubacher, die in‹Weltwoche› und BaZ zu Wort kommen, dienen nur als Feigenblätter, mit denen rechte Lohnschreiber wie Somm oder Köppel ihre Agenda von Sozialabbau, Ausgrenzung und EU-Kritik legitimieren», sagt Krneta. Solange Somm BaZ-Chefredaktor sei, werde er in der BaZ keine einzige Zeile schreiben. Denn: «Somm ist kein Journalist, Somm ist eine Strategie der Rechten.»

Erstellt: 22.02.2011, 08:05 Uhr

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