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Das erste Mal

Wann sprach der Mensch das erste Wort? Wo trank er das erste Bier? Solchen Fragen aus der Geschichte der Menschheit geht der Wissenschaftsjournalist Hubert Filser in seinem neuen Buch nach.

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Es ist in jeder Familie ein historischer Moment, wenn der Nachwuchs das erste «Mama» spricht. Doch in Umkehrung zu Neil Armstrongs Zitat nach der Mondlandung muss man hier sagen: «Dies ist ein gewaltiger Schritt für einen Menschen, aber ein kleiner Sprung für die Menschheit.»

Bewegender für die Menschheit war der Moment, als der erste Mensch das erste Wort überhaupt formulierte. Wann war das? Wo passierte es? Aus welchem Grund? Und wie lautete dieses erste Wort? Solchen Fragen geht der renommierte deutsche Wissenschaftsjournalist Hubert Filser in seinem soeben erschienenen Buch «Das erste Mal» nach.

Mutter-Kind-Beziehung als Auslöser für Sprache

In 18 Kapiteln zeichnet er chronologisch die wichtigsten Premieren in der Menschheitsgeschichte auf – vom «aufrechten Gang» bis zum «ersten Computer». Neben dem «ersten Feuer» und den «ersten Kleidern» darf auch ein Kapitel zum «ersten Bier» nicht fehlen. Und wie gesagt eines zum «ersten Wort».

Heute gibt es weltweit rund 6000 Sprachen, Hunderttausende Sprachen und Dialekte sind im Lauf der Menschheitsgeschichte bereits wieder ausgestorben, schreibt Filser. Der Autor macht gleich zu Beginn klar, dass es naturgemäss schwer sei, die ersten Worte zu finden, da es erst seit gut 130 Jahren Stimmaufzeichnungen gebe. Und selbst wenn es ein Tondokument gäbe: «Ob wir die ersten Worte überhaupt als solche erkennen und verstehen würden, sei dahingestellt», schreibt Filser.

Der Verfasser legt offen, dass wir uns hier auf dem Gebiet der Spekulationen befinden. Mit den wichtigsten Theorien setzt Filser aber ein paar entscheidende Wegmarken und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durch die Wissenschaftsgeschichte. In Bezug auf die Sprachentwicklung schreibt er: «Die Mutter-Kind-Beziehung als Auslöser für Sprache ist aktuell sicher die populärste These.»

Egoismus im Nachteil

Tatsächlich könnte vor 1,5 bis 2 Millionen Jahren eine Mutter im Südwesten Afrikas ihr weinendes Baby mit Lauten wie «Tsch, tsch, tsch» beruhigt haben – der Anfang der Zwiesprache zwischen Mutter und Kind. Noch in unserer heutigen Sprache erkennt Filser Relikte dieser Urworte: «Schsch!» etwa, wenn man jemanden beruhigen will, oder «Psst!», wenn Ruhe herrschen soll.

«Das erste Mal» belegt schön, dass der angeborene Spieltrieb die Menschen immer wieder Dinge ausprobieren liess. Hubert Filser sieht sein Buch denn auch als ein Plädoyer, dem Zauber des Unerwarteten zu vertrauen, der uns von Anbeginn begleite und unsere Entwicklung erst ausgemacht habe. Als Erfolgsrezept erwies sich dabei stets, dass die Menschen kommunizieren und kooperieren können: «Altruismus bringt auf Dauer mehr Vorteile als Egoismus.»

Erstellt: 19.10.2011, 15:04 Uhr

Hubert Filser: «Das erste Mal», Ullstein-Verlag, ISBN: 978-3-550-08822-3.

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