«Das hat mehr mit Sport als mit Literatur zu tun»

Der gebürtige Österreicher Hugo Ramnek wohnt seit 25 Jahren in Zürich. Gestern las er am Bachmann-Preis in Klagenfurt. Wir haben ihn vorgängig zu seinen Erwartungen und Vorbereitungen befragt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hugo Ramnek, Sie treten am Bachmann-Preis an. Sind Sie nervös?
Ja, schon ein bisschen. Gerade im Moment geht es, interessanterweise. Ich war schon aufgeregter. Die Aufregung ist gerade ein bisschen verbraucht. Sozusagen Materialermüdung.

Sie sind in Klagenfurt geboren, leben aber seit bald 25 Jahren in Zürich; sehen Sie sich eher als Vertreter der Schweiz oder von Österreich?
Das ist für mich jetzt genau der Genuss bei der Sache, dass ich quasi beide Länder repräsentieren darf. Darum wollte ich unbedingt, dass bei meinem Namen «A+CH» steht – nicht nur, weil das dann «ACH» ergibt.

Was halten Sie generell von solchen Wettbewerben?
Eine schwierige Frage. Einerseits ist es für einen persönlich eine grosse Chance, wahrgenommen zu werden bei einem solchen Wettbewerb. Andererseits ist es der Literatur eher fremd. Man schreibt ja eine Geschichte, um eine Geschichte zu erzählen, und nicht, um an Wettbewerben teilzunehmen. Das hat mehr mit Sport als mit Literatur zu tun. Eigentlich wäre der einzige Wunsch der, gelesen zu werden. Den Wettbewerb nimmt man in Kauf.

Der Bachmann-Preis ist stark aufs Fernsehen ausgerichtet – kann man Literatur überhaupt so am Fernsehen bringen?
Ich bin froh, dass Literatur dort überhaupt vorkommt. Es ist sicher nicht das fernsehtauglichste Format. Zum Beispiel eine persönliche Lesung ist ganz was anderes.

Haben Sie als ausgebildeter Schauspieler bessere Chancen bei einem solchen Wettbewerb? Geht es da auch um die Performance, oder zählt nur die Qualität des Textes?
Der Text wird von den Juroren ja vorher gelesen. Man kann den Text durch eine schlechte Lesung schon zerstören, aber es spielt sicher nicht so eine grosse Rolle wie in den Anfangszeiten des Bachmann-Preises, als nur die Lesung geboten wurde und die Juroren sofort darauf reagiert haben.

Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
Ich bin in so was immer zweckpessimistisch. Das kann man überhaupt nicht sagen. Aber ich starte sicher nicht in einer Favoritenrolle.

Beschäftigen Sie sich mit ihren Konkurrenten?
Ich hab die Autorenportraits auf der Website durchgeschaut und an den Literaturtagen Solothurn den Matthias Nawrat kennen gelernt, das war eine sehr angenehme Begegnung. Aber sonst habe ich mich bewusst nicht so damit beschäftigt, damit man nicht ins Vergleichen kommt, Theorien oder Spekulationen entwickelt. Doch ganz verhindern lässt sich das natürlich nicht. Aber auf die Begegnung mit meinen Kollegen in Klagenfurt freue ich mich sehr!

Haben Sie sich irgendwie speziell vorbereitet? Die Lesung mit ihren Schülern geprobt?
(lacht) Das trenn ich aber wohl. Meine Schüler und die Kollegen wissen schon davon, aber eine Klasse als Publikum zu missbrauchen, das fände ich eher unangenehm. Ansonsten habe ich nichts Spezielles gemacht, ich will nicht übervorbereitet sein. Ich habe bis zuletzt an meinem Text gefeilt, ihn immer wieder neu durchdacht, umgeschrieben, gekürzt. Das ist meine Vorbereitung. Ich hoffe, dass der Text im Zentrum steht und nichts anderes.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Auftritt?
Es wäre sicher gelogen, wenn man sich nicht erhoffen würde, dass man durch diesen Auftritt ein grösseres Publikum findet, mehr wahrgenommen wird, dass mehr Leute meinen Roman lesen. Der «Tages-Anzeiger» könnte beim nächsten Roman dann eine Rezension bringen, zum Beispiel!

Haben Sie für Ihren Auftritt etwas Spezielles vorbereitet? Oder setzen Sie sich einfach hin und lesen?
Was meinen Sie mit etwas Speziellem? Ein Ritual? Oder eine Rasierklinge mitnehmen wie Rainald Goetz?

Zum Beispiel. Aber so was würden Sie wohl nicht verraten.
Genau, das würde ich nicht verraten. (lacht) Aber eines kann ich Ihnen jetzt schon verraten: Ich werde mich bloss hinsetzen und den Text lesen, hoffentlich, wenn es mir nicht die Kehle zuschnürt. Aber da habe ich keine speziellen Rituale. Für mich ist das eine Art Abenteuer, und ich frage mich selbst oft, wie ich mich dort bewegen und verhalten werde. Der Wunsch ist einfach: Ich setze mich hin, lese, und der Text kommt so rüber, wie ich das möchte. Nichts soll vom Text ablenken, und ich selber will dem Text auch nicht im Weg stehen.

Erstellt: 05.07.2012, 15:04 Uhr

Hugo Ramnek

Geboren 1960 in Klagenfurt, Studium der Anglistik und Germanistik und Besuch der Schauspielschule. Lebt seit 1989 als Schriftsteller, Gymnasiallehrer, Schauspieler und Theaterpädagoge in Zürich. Sein erster Roman «Der letzte Badegast» erschien 2010 im Wieser-Verlag.

Bachmann-Preis

Die «Tage der deutschsprachigen Literatur» finden jeden Sommer im österreichischen Klagenfurt statt. Sie gelten als wichtigster Wettbewerb des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Der Hauptgewinner wird mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis prämiert.

Mit diesem Beitrag schliessen wir die kleine Serie zum Bachmann-Preis ab.

Artikel zum Thema

«Weg mit den Preisen, mehr Diskussionen»

Dorothee Elmiger reüssierte 2010 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, dessen diesjährige Ausgabe morgen beginnt. Ein Gespräch über Literatur im Fernsehen, den Event Klagenfurt und eine aufgeschlitzte Stirn. Mehr...

«Facebook-Autor oder Literatur-Autor?»

Interview Dieses Wochenende findet in Klagenfurt der Wettbewerb um den Bachmann-Preis statt. Die Jurorin Corina Caduff gibt Auskunft über ihre Erwartungen und Kriterien. Mehr...

Nominierungen für Bachmannpreis bekannt gegeben

Die Biografien der Autorinnen und Autoren werden zunehmend international. Unter den Nominierten befinden sich auch Schweizer. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Blogs

Sweet Home Ein Wochenende wie in Paris

Beruf + Berufung «Mitarbeiter sind nicht einfach Kostenstellen»

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...