Live-Poesie

«Das nimm i'ren übu»

Schriftsteller Guy Krneta versuchte heute auf der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktion live eine Geschichte zu schreiben. Hier ist das Resultat seines «teilweise gescheiterten Experiments».

Das Resultat eines Kampfes gegen die Zeit: Guy Krneta liest seine Live-Poesie-Geschichte.

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Die Geschichte: «Pärsönlechs Gschpräch»

I ha gwüsst, dass si aus Hardlinere giut ir Asylpolitik. Aber chürzlech bi're begägnet bimne Kulturaalass. U mi het irritiert, dass usgrächnet di Frou, di Regierigsrätin, di Hardlinere, mi erinneret a myni Mueter. Mir hei zwöi-drü Wort gwächslet. U i bi erschtuunt gsi, wi offe si isch für myni Argumänt, im pärsönleche Gschprääch. So isch d Schwyz, han i tänkt. Im pärsönleche Gschprääch isch viu müglech. U i ha a myni Mueter müesse dänke, wo denn vietnamesischi Flüchtlinge betröjt het für ds Rote Chrütz. Wi si diräkt zum Polizeidiräkter gangen isch. U wi's ere glungen isch, Usnahme z erwürke, emu im Einzufau. U wüu mr itz scho Mau zäme gredt hei, han i tänkt, i wöu das Gschprääch wyterfüeren u ha offiziell bi ihrem Sekretär umne Termin bätte. U wüu si sogar no gwüsst, wär i bi, han i dä Termin übercho. - Mir heigen e Haubschtung, het si gseit und uf d Uhr gluegt. Näben ihren isch e Maa gsässe, dä het ds Protokoll gfüert. Was i für nes Aalige heig. - I heig kes diräkts Aalige, han i gseit, i wöu eren eifach Mau vrzeue, win i das so erläb. Win i das gsääch, wen ig i ds Usschaffigsgfängnis göng u mit de Lüt red. Was die mir vrzeui, di Lüt. I was für Bedingige die läbi. Bedingige, wo herter sygen aus d Haftbedingige für Schwärvrbrächer. U wi absurd eim dä ganz Ufwand vorchöm, für amnen Einzelnen es Exempel z schtatuiere. - Was i mr de vorschteu? Het si gseit. Öb aui eifach söui i d Schwyz yreisen u hie blybe? - Nei, han i gseit, aber me chönn ja d Frag o Mau umchehre: Was bringt di ganzi Abschreckig? Wän schreckt die ab? Mir wüsse genau, dass so und so viu Lüt sowiso wider zrüggchöme. - Drum müess me d Schrube ja aazie, het si gseit. - Aber was das bring, han i gseit, e zwöiesibezgjährige Maa us Serbie. Sit zwöievierzg Jahr ir Schwyz. Dä heig hie Frou un e behindereti Tochter. U itz wärd'r nach Serbien usgschafft. - Si kenn dä Fau nid, het si gseit. U dr Entscheid für das lig sowiso nid bi de Kantön. - En angere Fau, han i gseit, e Schurnalischt us Togo. Syg usgschafft worden u churz drufabe vrhaftet u gfouteret. Füftuusig Franke heig'r müesse zale, itz vrschteck'r sech irgendwo z Lomé. - O da drzue chönn si nüt säge, het si gseit. - Aber i frag mi eifach, han i gseit, was dr Sinn syg vo däm Ganze. Wen i dänk, wi me synerzyt byschpiuswys mit den Ungaren umgange syg, de Flüchtlingen us dr Tschechoslowakei, de Vietnamese. Nach hütige Kriterie chönnte ganz viu vo dene doch gar nümm yreise. - Auso das syg sehr lang här, het si gseit. - Aber me heig doch denn keni schlächten Erfahrige drmit gmacht, denn, han i gseit. - We's Rächt syg, het si gseit, würd si das Gschprääch itz hie gärn beände. Si vrschtöng, dass i es Aalige heig. Mir chönni das hie nid zäme löse. - Dr Protokollant het sy Schtift wägggleit. - E Hardlinere isch si vilech nid, han i tänkt, won i're d Hang gä ha, emu im diräkte Gschpräch. Aber dass usgrächnet die mi a myni Mueter mues erinnere, nimm i'ren übu.

Lesen Sie hier nochmals, wie Guy Krnetas Geschichte entstanden ist

Gleich geht es los mit dem Online-Experiment, Teil 4! Der Live-Poet der vergangenen Woche, Flurin Jecker, hat sich den Startsatz für Guy Krneta ausgedacht. Er lautet... Ihr Gesicht ähnelte dem meiner Mutter.

Liebe Mitlesende

Dass Sie sich die Mühe machen hier mitzulesen, ehrt und freut mich sehr. Bitte machen Sie sich darauf gefasst, dass ich nicht linear schreibe. Auch werde ich zwischen den Sprachen Deutsch und Berndeutsch hin und herspringen. Die Schlussversion des Textes wird vermutlich in Berndeutsch verfasst sein.

das Erschrecken gibt es ja immer wieder. aber ich weiss gar nicht, ob es noch ein Erschrecken ist, seit meine Mutter tot ist. früher war das Erschrecken grösser, das abrupte Wiedererkennen der Eltern in anderen Menschen. einmal als meine Mutter sehr krank war, sah ich von der Bühne aus im halbdunklen Zuschauerraum ein Paar sitzen, von dem ich meinte, es könnten meine Eltern sein. das machte mir das Vorlesen sehr schwer. als die Veranstaltung zuende war, wunderte ich mich, wie wenig diese Menschen meinen Eltern glichen. neulich bei einer Preisverleihung sagte jemand sehr freudig, ob das meine Mutter gewesen sei, die da neben mir gestanden hätte. aber meine Mutter ist seit sechs Jahren tot.

eine andere Erfahrung: dass man sich selber den Eltern immer mehr angleicht. ich würde immer mehr meinem Vater gleichen, sagte mir kürzlich jemand. das stimmt, den Eindruck habe ich auch. vor allem mein Gang erinnert mich zusehends an meinen Vater. früher war ich meiner Mutter ähnlich.

eigentlich ist das ja ein Schlusssatz, kein Anfangssatz: "Ihr Gesicht ähnelte dem meiner Mutter." es ist ein Erschrecken. danach ist keine Geschichte mehr möglich, nur noch ein neue. es muss eine Geschichte sein, die auf diesen Satz zugeht, etwas, das diesen Satz möglich macht.

vrzeue vo öperem, vo're Frou, wo usgseht wi my Mueter, wo mi a my Mueter erinneret. am Krassesten ist das natürlich, wenn das jemand ist, eine Person, die ich (oder der Erzähler) eigentlich ablehnt. das furchtbare Erschrecken, dass auch so ein Mensch aussehen kann wie die eigene Mutter (wobei deutlich werden müsste, dass der Erzähler eigentlich sehr starke positive Gefühle zu seiner Mutter hat; es darf nicht als Statthalter-Abrechnung daherkommen).

aber ds Schlimmschten isch gsi, ihres Gsicht het usgseh wi das vo myre Mueter (das liest sich wie ein Alptraum; den will ich nicht schreiben. ich nehme mir also die Freiheit den Satz leicht zu verändern, so dass er im persönlichen Empfinden bleibt:) aber ds Schlimmschten isch gsi: ihres Gsicht het mi a myni Mueter erinneret.

von Lys schreiben. wie sie bei der Abdankung zwei Kirchenbänke gefüllt haben.

wi si so am Beckirand gsässen isch (i weiss gar nid, öb i das Biud gseh ha oder öb i mr's nume vorschteue), wi si gseit het, me müess se nid wäg däm Swimming-Pool aagryfe.

my Mueter isch e bürgerlechi Frou gsi, si het sech immer aus das empfunge. zweni wirtschaftsnach für i d FDP (my Mueter isch Biologin gsi u Husfrou), auso isch si i d SVP. ihre Vatter isch scho BGB-/SVP-Stadtrat gsi. mi het das weniger schlimm tünkt aus FDP. d SVP isch denn zwar e bürgerlechi Partei gsi, aber nid umbedingt Regierigspartei u si het e grüene Flügu gha.

wiso het si das gmacht? my Mueter isch eigentlech e bürgerlechi Frou gsi.

u ihrs Gsicht het usgseh wi das vo myre Mueter. aber schtopp, han i gseit, my Mueter het sech für Asylbewärber ygsetzt. si het e viernamesischi Familie betröjt, für ds Rote Chrütz. das sy mit der Zyt fasch vierzg Lüt gsi. aber si het geit...

was sy das für Lüt. si gseh uus wi du und ig. si hei Chleider anne, wo gwäsche sy u glettet. si leischte sech gärn öpis.

si sy pflegt. aber ihri Schprach. us ihrne Müler chunnt Züüg use, da wird's ein schwarz vor den Ouge. lueget doch mau häre, wott me säge. luege doch, wi's isch. setzet nech nid drüber wägg.

si heig für au das Vrschtändnis, het si gseit. si chönn myni Empörig guet nachvollzie, aber so syge nun mal d Bedingige (d Gränze, d Regle), u si het usgseh wi my Mueter, aber haut han i gseit, das isch doch nid so...

probiere. me müess es probiere. han i tänkt. itz sy mr is chürzlech begägnet bi däm Apéro.

i ha dä Termin übercho si red scho mit mir aber si müess mr grad säge si chönn i däm Fau nüt mache das syg nid d Sach vom Kanton das syg d Sach vom Bundesamt u we ds Bundesamt das so gsääch

was will ich überhaupt? was ist meine Motivation da hin zu gehen?

was denn sei, könnte ich fragen, mit den Ungarn, den Tschechoslowaken, den Vietnamesen, warum man mit denen in der Schweiz so anders umgegangen sei. da seien doch viele gekommen, die heute, nach der heutigen Defintion der Fluchtgründe keine Chance mehr hätten. das sei aber sehr lange her, könnte sie sagen. die Situation habe sich geändert. aber warum, könnte ich fragen. der Schweiz geht es so gut wie nie, warum sich gerade diese Sache so ändern müsse. die Politik gebe Leitlinien vor. ich könnte erzählen, wie mein Grossvater 1923 eingewandert sei. ich könnte von den Vietnamesen erzählen, die meine Mutter betreut habe. sie könnten dann irgendwann sagen, sie könne da wie gesagt nichts tun. sie habe sich gefreut, einmal in einem anderen Rahmen mit mir gesprochen zu haben. und ihr Gesicht könnte dem meiner Mutter ähneln.

was dr Sinn syg, we men e Maa, wo zwöiesibezgi syg. dä heig zwöievierzg Jahr ir Schwyz gläbt. dä heig Familie hie, e behindereti Tochter. was das bring, we me dä uf Serbien usschaff?

PÄRSÖNLECHS GSCHPRÄCH

i ha gwüsst, dass si aus Hardlinere giut ir Asylpolitik. aber wüu mr is chürzlech begägnet sy, bimne Kulturaalass, u dert zwöi-drü Wort gwächselt hei. wo si erschtuunlech zuegänglech isch gsi für Argumänt, emu im pärsönleche Gschprääch. han i tänkt, i wöu das Gschprääch wyterfüere. i kenn das ja, so funkzionier d Schwyz, über ds pärsönleche Gschpräch. u i weiss no, wi my Mueter, wo denn vietnamesischi Flüchtlinge betröjt het für ds Rote Chrütz, zum Polizeidiräkter gangen isch, diräkt. u wi's ere glungen isch, en Usnahm z erwürken im Einzufau. so funkzioniert d Schwyz. es git geng Schpiuruum, we me mitenang redt. über das han i wöue rede. u wüu mr ja scho Mau zäme gredt hei u si auso gwüsst het, wär i bi, han i e Termin übercho u bi häre. - mir heigen e Haubschtung Zyt, het si gseit. und uf d Uhr gluegt. näben ihren isch e Maa gsässe, dä het ds Protokoll gfüert. was i für nes Aalige heig. - i heig kes diräkts Aalige, han i gseit, i wöu eren eifach Mau vrzeue, win i das erläb, wen i i ds Usschaffigsgfängnis göng, wen i mit dene Lüt red, was die mir so vrzeui. i was für Bedingige die läbi, Bedingige, wo herter sygen aus d Haftbedingige für Schwärvrbrächer. u wi absurd eim dä ganz Ufwand vorchöm, wo da betribe wärd, für amnen Einzelnen es Exempel z schtatuiere. - was i mr de vorschteu? öb eifach aui söui i d Schwyz yreisen u hie blybe, het si gseit. - aber d Tatsach syg, han i gseit, dass ganz viu Lüt, Hunderttuusigi, hie läbi, schaffi, keni Papier heige. u di Wenige, wo me vrwütsch oder wo dr Asylaatrag abglehnt wärd, wärdi mit emne setigen Ufwand usgschafft. me chönnt ja o mau d Gägefrag schteue: bringt das irgend öpis, di ganzi Abschreckig? schreckt das irgend öper ab?

was dr Sinn syg, we men e Maa, wo zwöiesibezgi syg. dä heig zwöievierzg Jahr ir Schwyz gläbt. dä heig Familie hie, e behindereti Tochter. was das bring, we me dä uf Serbien usschaff?

was denn sei, könnte ich fragen, mit den Ungarn, den Tschechoslowaken, den Vietnamesen, warum man mit denen in der Schweiz so anders umgegangen sei. da seien doch viele gekommen, die heute, nach der heutigen Defintion der Fluchtgründe keine Chance mehr hätten. das sei aber sehr lange her, könnte sie sagen. die Situation habe sich geändert. aber warum, könnte ich fragen. der Schweiz geht es so gut wie nie, warum sich gerade diese Sache so ändern müsse. die Politik gebe Leitlinien vor. ich könnte erzählen, wie mein Grossvater 1923 eingewandert sei. ich könnte von den Vietnamesen erzählen, die meine Mutter betreut habe. sie könnten dann irgendwann sagen, sie könne da wie gesagt nichts tun. sie habe sich gefreut, einmal in einem anderen Rahmen mit mir gesprochen zu haben. und ihr Gesicht könnte dem meiner Mutter ähneln.

Liebe Mitlesende

Ich muss das Experiment als zum Teil gescheitert betrachten. Die Redaktion gibt mir ein bisschen Nachspielzeit, schlimmstenfalls auch noch ein Penaltyschiessen. Und ich versuche die Geschichte also zu beenden. Das Problem ist, dass ich mich da in eine unangenehme Argumentiererei hineinmanöveriert habe, was einer Geschichte selten zuträglich ist. Ich versuche es kurz zu machen, lösche vermutlich am Schluss noch das Eine oder Andere. Den Schlusssatz kennen wir ja bereits.

PÄRSÖNLECHS GSCHPRÄCH

I ha gwüsst, dass si aus Hardlinere giut ir Asylpolitik. Aber wüu mr is chürzlech begägnet sy, bimne Kulturaalass, u dert zwöi-drü Wort gwächselt hei. Wo si erschtuunlech zuegänglech isch gsi für Argumänt, emu im pärsönleche Gschprääch. Han i tänkt, i wöu das Gschprääch wyterfüere. I kenn das ja, so funkzionier d Schwyz, über ds pärsönleche Gschpräch. U i weiss no, wi my Mueter, wo denn vietnamesischi Flüchtlinge betröjt het für ds Rote Chrütz, zum Polizeidiräkter gangen isch, diräkt. U wi's ere glungen isch, en Usnahm z erwürken im Einzufau. So funkzioniert d Schwyz. Es git geng Schpiuruum, we me mitenang redt. Über das han i wöue rede. U wüu mr scho Mau zäme gredt hei u si sogar no gwüsst het, wär i bi. Han i e Termin übercho u bi häre. - Mir heigen e Haubschtung, het si gseit und uf d Uhr gluegt. Näben ihren isch e Maa gsässe, dä het ds Protokoll gfüert. Was i für nes Aalige heig. - I heig kes diräkts Aalige, han i gseit, i wöu eren eifach Mau vrzeue, win i das erläb. Win i das gsääch, wen ig i ds Usschaffigsgfängnis göng u mit de Lüt red. Was die mr vrzeui, di Lüt. I was für Bedingige die läbi. Bedingige, wo herter sygen aus d Haftbedingige für Schwärvrbrächer. U wi absurd eim dä ganz Ufwand vorchöm, für amnen Einzelnen es Exempel z schtatuiere. - Was i mr de vorschteu? Öb eifach aui söui i d Schwyz yreisen u hie blybe, het si gseit. - Nei, han i gseit, aber me chönn ja d Frag o Mau umchehre: Was bringt di ganzi Abschreckig? Wän schreckt die ab? Mir wüsse genau, dass so und so viu Lüt sowiso wider zrüggchöme. - Drum müess me d Schrube ja aazie, het si gseit. - Aber was das bring, han i gseit, e zwöiesibezgjährige Maa us Serbie. Sit zwöievierzg Jahr ir Schwyz. Dä heig hie Frou un e behindereti Tochter. U itz wärd'r nach Serbien usgschafft. - Si kenn dä Fau nid, het si gseit. U dr Entscheid für das lig sowiso nid bi de Kantön. - En angere Fau, han i gseit, e Schurnalischt us Togo. Syg usgschafft worden u churz drufabe vrhaftet u gfouteret. Füftuusig Franke heig'r müesse zale, itz vrschteck'r sech irgendwo z Lomé. - O da drzue chönn si nüt säge. - I frag mi eifach, was dr Sinn syg vo däm Ganze. Wen i dänk, wi me denn mit den Ungaren umgange syg, de Flüchtlingen us dr Tschechoslowakei, de Vietnamese. Nach de hütige Kriterie chönnte doch ganz viu vo dene hüt gar nümm yreise. - Auso das syg sehr lang här, het si gseit. - Aber me heig doch denn keni schlächten Erfahrige gmacht drmit, han i gseit. - We's Rächt syg, het si gseit, würd si das Gschprääch hie gärn beände. Si vrschtöng, dass i es Aalige heig. Mir chönni das hie nid zäme löse. - Dr Protokollant het sy Schtift wägggleit. - E Hardlinere isch si nid, han i tänkt, won i're d Hang gä bim Usega. Aber dass si mi usgrächnet a myni Mueter mues erinnere, nimm i'ren übu.

PÄRSÖNLECHS GSCHPRÄCH

I ha gwüsst, dass si aus Hardlinere giut ir Asylpolitik. Aber chürzlech bi're begägnet bimne Kulturaalass. U mi het irritiert, dass usgrächnet di Frou, di Regierigsrätin, di Hardlinere, mi erinneret a myni Mueter. Mir hei zwöi-drü Wort gwächslet. U i bi erschtuunt gsi, wi offe si isch für myni Argumänt, im pärsönleche Gschprääch. So isch d Schwyz, han i tänkt. Im pärsönleche Gschprääch isch viu müglech. U i ha a myni Mueter müesse dänke, wo denn vietnamesischi Flüchtlinge betröjt het für ds Rote Chrütz. Wi si diräkt zum Polizeidiräkter gangen isch. U wi's ere glungen isch, Usnahme z erwürke, emu im Einzufau. U wüu mr itz scho Mau zäme gredt hei, han i tänkt, i wöu das Gschprääch wyterfüeren u ha offiziell bi ihrem Sekretär umne Termin bätte. U wüu si sogar no gwüsst, wär i bi, han i dä Termin übercho. - Mir heigen e Haubschtung, het si gseit und uf d Uhr gluegt. Näben ihren isch e Maa gsässe, dä het ds Protokoll gfüert. Was i für nes Aalige heig. - I heig kes diräkts Aalige, han i gseit, i wöu eren eifach Mau vrzeue, win i das so erläb. Win i das gsääch, wen ig i ds Usschaffigsgfängnis göng u mit de Lüt red. Was die mir vrzeui, di Lüt. I was für Bedingige die läbi. Bedingige, wo herter sygen aus d Haftbedingige für Schwärvrbrächer. U wi absurd eim dä ganz Ufwand vorchöm, für amnen Einzelnen es Exempel z schtatuiere. - Was i mr de vorschteu? Het si gseit. Öb aui eifach söui i d Schwyz yreisen u hie blybe? - Nei, han i gseit, aber me chönn ja d Frag o Mau umchehre: Was bringt di ganzi Abschreckig? Wän schreckt die ab? Mir wüsse genau, dass so und so viu Lüt sowiso wider zrüggchöme. - Drum müess me d Schrube ja aazie, het si gseit. - Aber was das bring, han i gseit, e zwöiesibezgjährige Maa us Serbie. Sit zwöievierzg Jahr ir Schwyz. Dä heig hie Frou un e behindereti Tochter. U itz wärd'r nach Serbien usgschafft. - Si kenn dä Fau nid, het si gseit. U dr Entscheid für das lig sowiso nid bi de Kantön. - En angere Fau, han i gseit, e Schurnalischt us Togo. Syg usgschafft worden u churz drufabe vrhaftet u gfouteret. Füftuusig Franke heig'r müesse zale, itz vrschteck'r sech irgendwo z Lomé. - O da drzue chönn si nüt säge, het si gseit. - Aber i frag mi eifach, han i gseit, was dr Sinn syg vo däm Ganze. Wen i dänk, wi me synerzyt byschpiuswys mit den Ungaren umgange syg, de Flüchtlingen us dr Tschechoslowakei, de Vietnamese. Nach hütige Kriterie chönnte ganz viu vo dene doch gar nümm yreise. - Auso das syg sehr lang här, het si gseit. - Aber me heig doch denn keni schlächten Erfahrige drmit gmacht, denn, han i gseit. - We's Rächt syg, het si gseit, würd si das Gschprääch itz hie gärn beände. Si vrschtöng, dass i es Aalige heig. Mir chönni das hie nid zäme löse. - Dr Protokollant het sy Schtift wägggleit. - E Hardlinere isch si vilech nid, han i tänkt, won i're d Hang gä ha, emu im diräkte Gschpräch. Aber dass usgrächnet die mi a myni Mueter mues erinnere, nimm i'ren übu.

Erstellt: 10.08.2012, 15:45 Uhr

Guy Krneta

Der Autor Guy Krneta ist Berner, lebt aber seit Jahren in Basel. Er ist vor allem bekannt für seine Theaterstücke, seine Dramen und seine Prosa-Stücke, die er meist auf Berndeutsch schreibt. Krneta ist aber nicht nur Autor, sondern engagiert sich auch kulturpolitisch, etwa als Mitglied der Organisation «Kunst und Politik».

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Infobox

Jeden Freitag lädt Tagesanzeiger.ch/ Newsnet einen Poeten in die Redaktion ein, der während zwei Stunden an einer Geschichte schreibt. Das Spezielle daran: Die Geschichte entsteht vor den Augen der Leser, live und online – die Arbeit des Autors kann in Echtzeit nachvollzogen werden.

Es gilt das Stafettenprinzip: Ein Autor setzt seinem Nachfolger den ersten Satz. Jener Satz wird dem Starter aber erst unmittelbar vor der Online-Schaltung bekannt gegeben, um den Live-Charakter zu wahren.

Die nächsten Live-Poeten sind:

17.8.: Hazel Brugger
31.8.: Matto Kämpf
7.9.: Oskar Freysinger

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