Der Abstieg des Taschenbuchs

Buchkäufer wenden sich zunehmend ab von Taschenbüchern. Die Gründe, und wie die Verlage reagieren.

Ist das E-Book schuld daran, dass Buchkäufer Taschenbücher vermehrt meiden?

Ist das E-Book schuld daran, dass Buchkäufer Taschenbücher vermehrt meiden? Bild: iStock

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Der deutsche Buchmarkt schrumpft: 2018 wurden 1,4 Prozent weniger Bücher verkauft als im Vorjahr. Ein Segment spürt den Rückgang besonders: das Taschenbuch. Hier sanken die Verkäufe binnen eines Jahres um 4 Prozent. Die Verlage fahren das Angebot schon seit vielen Jahren zurück. 2005 erschienen in Deutschland 6101 neue Taschenbuch-Titel, 2015 waren es lediglich 4457, 2018 nur noch 3596. Alle grossen Verlagshäuser haben die Produktion gedrosselt, wie eine Übersicht des «Buchreports» zeigt. Allein zwischen 2016 und 2018 sank die Zahl der neuen Titel im Taschenbuch bei Goldmann/btb von 336 auf 310, bei Fischer von 263 auf 204, bei Piper von 234 auf 199, bei dtv von 253 auf 197, bei Rowohlt von 216 auf 191 und bei Suhrkamp/Insel von 180 auf 165.

Die Schweiz

Die Schweiz zählt anders; hier gibt es keine absoluten, aber relative Zahlen. So machte das Taschenbuch 2014 am Gesamtumsatz des Schweizer Buchmarkts 20,3 Prozent aus, 2016 noch 18,9 und 2018 nur noch 18,6 Prozent. Der grösste Schweizer Verlag, Diogenes, hat zwar die Titelzahl bei den TB-Novitäten kaum merklich gesenkt: von 62 (2006) auf 61 (2016) und 60 Titel im vergangenen Jahr. Deutlich abgestürzt sind dagegen die Stückzahlen (hier sind Neuauflagen älterer Titel mitgezählt): 2006 produzierte Diogenes 4,9 Millionen Taschenbücher, 2016 noch 2,1 Millionen und 2018 nur noch 1,8 Millionen. Aufwärts geht es dagegen bei Kein&Aber. Der Verlag produziert im Jahr rund 500'000 Taschenbücher, aber mit jährlichen Steigerungsraten von 5 bis 10 Prozent. Die halbe Million Exemplare verteilen sich auf 16 Titel; 2014 waren es 10.

Die Gründe

Zwei Gründe gibt es für den Schrumpfungsprozess, jenseits der generellen Käuferabwanderung im Buchmarkt. Zum einen weichen Kunden auf das E-Book aus (dessen Zahlen in der aktuellen Statistik nicht berücksichtigt sind), zum anderen bringen Verlage verstärkt Titel im Paperback heraus, die ähnlich preisgünstig herzustellen sind, für die aber höhere Preise verlangt und akzeptiert werden. Aber auch die Ladenpreise für Taschenbücher sind in den letzten Jahren gestiegen. Die lange in Deutschland geltende «Kaufhürde» von 9,99 Euro für ein Taschenbuch wird immer häufiger übersprungen. Kosteten 2017 noch 49,2 Prozent verkaufter Taschenbücher unter 10 Euro, so waren es 2018 nur noch 35 Prozent, alle anderen waren teurer.

Auch Diogenes hat auf den Rückgang der Verkaufszahlen mit Preiserhöhungen reagiert. Heute liegen alle TB-Novitäten über 13 Franken, und auch der Preis der Nachauflagen wird heraufgesetzt.

An Beliebtheit hat das Taschenbuch verloren, ausgedient noch lange nicht: 2018 erreichten immerhin 1200 Titel eine fünfstellige Auflage. Und das erfolgreichste Buch in allen Verkaufsformen war ein Taschenbuch: John Streleckys «Café am Rande der Welt». (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 31.01.2019, 18:50 Uhr

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