Der Buchmesse gehen die Besucher aus

Zum zweiten Mal in Folge muss die Frankfurter Buchmesse einen Besucherrückgang hinnehmen. Der digitale Wandel ist ein Grund dafür – aber nicht nur.

Rund 7000 Aussteller aus 100 Ländern zeigte ihre Produkte: Eine Mitarbeiterin füllt an der Buchmesse ein Bücherregal auf. (7. Oktober 2014)

Rund 7000 Aussteller aus 100 Ländern zeigte ihre Produkte: Eine Mitarbeiterin füllt an der Buchmesse ein Bücherregal auf. (7. Oktober 2014) Bild: Arne Dedert/Keystone

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Der Strukturwandel in der Branche hat bei der 66. Frankfurter Buchmesse Spuren hinterlassen. Der weltgrösste Branchentreff ging erneut mit einem Besucherrückgang zu Ende. Bei den Fachbesuchern wurden zwei Prozent weniger gezählt. Das allgemeine Lesepublikum, das am Wochenende Zugang hatte, liegt zahlenmässig nach einer vorläufigen Bilanz der Organisatoren etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Insgesamt kamen nach Angaben von Messe-Sprecherin Katja Böhne während der fünf Tage rund 270'000 Menschen. Im vergangenen Jahr waren es 276'000 gewesen, ein Jahr zuvor noch über 280'000. Auf der Messe, die vom Dachverband der deutschen Buchbranche organisiert wird, hatten rund 7000 Aussteller aus 100 Ländern ihre Produkte gezeigt.

Als Gründe für den Rückgang sieht die Messe die schwierige wirtschaftliche Lage in Ländern wie Italien und Spanien sowie die anhaltende Konsolidierung der Buchbranche. Der digitale Wandel hat in den vergangenen Jahren viele Verlage durchgeschüttelt. Zugleich fordert der Online-Händler Amazon, der inzwischen auch als Verleger auftritt, weltweit die Branche heraus. Amazon kündigte zu Messebeginn eine monatliche Flatrate für E-Books in seinem Kindle-Dienst an.

Selbst ist der Autor

Auf der Messe hätten sich die Foren für junge Startup-Firmen besonders positiv entwickelt, sagte Böhne. Auch immer mehr Autoren nähmen die neuen Möglichkeiten im Digitalgeschäft («Self-Publishing») an.

Auf fast 4000 Veranstaltungen auf und ausserhalb der Messe waren mehr als 1000 Autoren vertreten, darunter viele «Promis» aus dem Unterhaltungsbusiness oder Politiker wie Altkanzler Helmut Kohl, die ihre Bücher vermarkteten.

Der neue Shootingstar der deutschen Literatur, Lutz Seiler, kündigte am Samstag einen zweiten Roman an. Der 51-Jährige hatte am vergangenen Montag für seinen Debütroman «Kruso» den Deutschen Buchpreis gewonnen. Zuvor war Seiler nur als Lyriker bekannt.

Finnen jubilieren

Buchmesse-Ehrengast Finnland, der seine Literatur international hoffähig machen wollte, war mit 50 Autoren und 40 Verlagen vertreten. Die Finnen haben vier Millionen Euro in ihren sehr professionellen Auftritt mit zahllosen Veranstaltungen investiert.

Dies scheint sich bereits auszuzahlen. 34 Titel sollen auf dem für Ausländer als sehr schwierig geltenden angloamerikanischen Markt erscheinen. Allein 130 Titel sind bereits dieses Jahr - mit Hilfe aus Helsinki - ins Deutsche übersetzt worden. Das Interesse an Finnland auf der Messe sei «überwältigend», berichteten die Organisatoren.

Inzwischen ist auch klar, wer an der Buchmesse 2015 das Gastland sein wird: Indonesien. Das teilten die Organisatoren der Ehrengastrolle nach dem Ende der Buchmesse mit. «Unsere Kultur und Literatur ist in Deutschland noch kaum bekannt», sagte Agus Maryono vom indonesischen Organisationskomitee der Mitteilung zufolge.

«Wir freuen uns, dass wir als Ehrengast der Buchmesse die Gelegenheit bekommen, unsere verborgenen Schätze auch den deutschen Lesern zu präsentieren und versprechen: Das nächste Jahr wird heiss!» Bis zur Buchmesse 2015 sollen noch viele indonesische Bücher übersetzt werden. (thu/sda)

Erstellt: 12.10.2014, 19:27 Uhr

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