Die Enttäuschung wartet im Einkaufswagen

Wieso ist es so schwierig, über Amazon ein Secondhandbuch zu bestellen?

Werden problemlos in die ganze Welt verschickt: «Harry Potter»-Romane in einer Lagerhalle von Amazon.

Werden problemlos in die ganze Welt verschickt: «Harry Potter»-Romane in einer Lagerhalle von Amazon. Bild: Keystone

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Der Hinweis steht in roter Schrift auf der Website: «Dieser Artikel kann nicht an die ausgewählte Adresse versandt werden.» Es kennt die Situation, wer immer mal wieder über Amazon Secondhandbücher aus Antiquariaten im Ausland bestellen will. Generell war es in den vergangenen Jahren schwierig, sich Produkte von Drittanbietern in die Schweiz liefern zu lassen. Meist wird das Produkt zunächst zwar in der Suche aufgelistet, doch kurz vor Kaufende stellt sich heraus, dass kein Versand in die Schweiz möglich ist.

Nun tut sich diesbezüglich bei Amazon etwas, berichtet der «Blick». Offenbar sind in der Schweiz seit Jahresbeginn vermehrt Produkte von Dritthändlern erhältlich – ein erstes Anzeichen für die Kooperation des US-Versandriesen mit der Schweizerischen Post. Im letzten November war bekannt geworden, dass die Post ab 2018 die Verzollung von Amazon-Produkten übernimmt. Der Schweizer Kunde sollte also früher oder später auf das komplette Online-Angebot von Amazon.de zugreifen können, wie damals «Bilanz» berichtete.

Aufwand lohnt sich für die Kleinen nicht

Noch ist es nicht so weit. Zahlreiche Produkte können hierzulande nicht bestellt werden; bei Secondhandbüchern ist es noch immer eine Frage des Zufalls, ob sie geliefert werden oder nicht. Doch weshalb eigentlich? «Dritthändler nutzen die Logistik von Amazon – sobald internationale Transporte und Retouren hinzukommen, wird es sehr komplex», erklärt Manuel Nappo von der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. «Für einen grossen Dritthändler mag dies gehen, für ein kleines Antiquariat ist der Aufwand vermutlich zu gross, ein Buch auf eine E-Commerce-Plattform zu stellen.»

Ähnlich äusserte sich letztes Jahr schon Ralf Wölfle von der Hochschule für Wirtschaft (FHNW). Der Mitherausgeber des E-Commerce-Reports Schweiz sagte gegenüber SRF 3: Der Schweizer Markt sei klein, der administrative Aufwand für die Lieferung in ein Nicht-EU-Land grösser. Für kleinere Händler lohne sich das Geschäft mit der Schweiz also kaum, weshalb sie sich lieber auf ihren jeweiligen Heimmarkt konzentrierten. Wölfle war damals auch skeptisch, ob ein direkteres Engagement von Amazon – wie nun die Post-Zusammenarbeit – viel ändern würde. Amazon könnte Dritten zwar die Lieferung in die Schweiz erleichtern, «das müsste der Händler aber vermutlich zusätzlich bezahlen, was seinen Ertrag schmälern würde.»

Nun werden die kommenden Monate zeigen, wie sich die Möglichkeiten für Amazon-Kunden entwickeln. Und wer auf der Suche nach einem günstigen Seconhandbuch ist, wird wohl weiterhin öfters enttäuscht den roten Schriftzug lesen: «Dieser Artikel kann nicht an die ausgewählte Adresse versandt werden.» Vielleicht tröstet dann eines, nämlich der Gang in ein echtes Bücher-Antiquariat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2018, 12:28 Uhr

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