Rezension

Die Pflicht zum Ungehorsam

Der Philosoph und Schriftsteller Henry David Thoreau kämpfte gegen die Sklaverei, weigerte sich, Steuern zu bezahlen, und lebte zwei Jahre allein im Wald. Eine neue Graphic Novel zeigt sein Leben und seine Ideen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Vater des zivilen Ungehorsams», praktisch orientierter Denker, früher Verfechter von Umweltschutz und Nachhaltigkeit – Henry David Thoreaus (1817-1862) Einfluss hält bis heute an, vor allem dank zwei Büchern: Dem Manifest «Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat» und dem Bericht «Walden oder Leben in den Wäldern» über seine Jahre als Selbstversorger im Wald. Nicht nur Gandhi und Martin Luther King, sondern auch die Occupy-Bewegung und Libertäre jeglicher Ausrichtung nennen ihn als wichtiges Vorbild.

Zeichner und Autor Maximilien Le Roy, der mit dem Philosophen Michel Onfray bereits eine Comic-Biografie über Friedrich Nietzsche verfasste, hat sich zusammen mit seinem Kollegen A. Dan einen weiteren originellen Denker vorgenommen und zeigt in der Graphic Novel «Henry David Thoreau. Das reine Leben» Ideen und Leben des amerikanischen Philosophen.

Im Wald und im Gefängnis

Mit der berühmten Walden-Episode beginnt die Geschichte: Der 27-jährige Thoreau rüstet sich aus und zieht in den Wald, baut eine Blockhütte und beginnt mit dem Ackerbau. Hier richtet er sich ein, betreibt seine Studien und empfängt Gäste. In den Gesprächen erfährt man nebenbei mehr über sein Leben: Wie er die Arbeit als Lehrer hinschmiss, weil er die Kinder nicht mit Prügeln züchtigen wollte, wie er daraufhin mit seinem Bruder eine Privatschule gründete. Sein Vater war Bleistiftfabrikant, doch Thoreau wollte das Geschäft nicht übernehmen und verkaufte es.

Nach seinen Jahren im Wald verdiente er sein Geld als Landvermesser und Vortragsreisender, veröffentlichte seine Bücher und betätigte sich politisch. In Reden und Diskussionen werden Thoreaus Ideen dargestellt. Natürlich fehlt auch der im Gefängnis verbrachte Tag nicht: Weil er seine Steuern nicht bezahlte, wurde er verhaftet und verbrachte eine Nacht in der Zelle. Hier wurde er zu seinem Essay «Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat» inspiriert.

Eine wichtige Nebenfigur ist John Brown. Er kämpfte wie Thoreau gegen die Sklaverei, jedoch mit anderen Mitteln: Brown verübte Mordanschläge gegen Sklavenhalter, versuchte Sklaven zum bewaffneten Aufstand anzustacheln und griff die US-Armee an. Beim Versuch, ein Waffenlager zu erobern, wurde er gefasst und kurz darauf hingerichtet.

Denker und Praktiker

Thoreau eignet sich gut für eine solche Biografie in Comic-Form, weil er nicht nur Denker, sondern auch Praktiker war. Er versuchte seine Ideen umzusetzen und ist bis heute vor allem dafür bekannt. Die schön gemachte Graphic Novel gibt einen interessanten Einblick in Thoreaus Denk- und Lebenswelt. Mit einem Vorwort aus der Feder von Le Roy und einem Interview mit einem Thoreau-Experten werden auch tiefergehend Interessierte befriedigt und angeregt, (wieder) mal die Originaltexte aufzuschlagen.

Erstellt: 16.10.2012, 10:01 Uhr

Henry David Thoreau, «Henry David Thoreau», Knesebeck, 81 Seiten, ISBN 978-3-86873-509-3, CHF 35.90.

Henry David Thoreau

Artikel zum Thema

«Revolutionen beginnen im Kopf»

Hintergrund Zum Jahrestag von Occupy Paradeplatz widmen wir der Bewegung ein Bilder-Interview: Drei Aktivisten unterhalten sich über dreizehn Fotos, ein Journalist führt Protokoll. Mehr...

Bis hin zum unvermeidlichen Penisneid

Eine Psychologin und eine Zeichnerin wagten das Unmögliche: Ein Comic über das Leben und Denken von Sigmund Freud. Das Ergebnis ist vergnüglich, immerhin. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...