Die Töchter des Frauenstimmrechts

Sie haben just an dem Tag das Licht der Welt erblickt, als die Schweizer Männer das Frauenstimmrecht guthiessen. Das Buch «Geboren am 7.2.1971» porträtiert Frauen, die am denkwürdigen Tag zur Welt kamen.

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Die Hebamme sah es als gutes Omen, als sie 20 Minuten nach Mitternacht die kleine Beatrice in Händen hielt. Ein Mädchen! «Heute wird das Frauenstimmrecht sicher angenommen», rief die Hebamme in den Churer Kreissaal. So hat man dies später Beatrice Honold erzählt.

Die Handarbeitslehrerin ist eine von 17 Frauen, die in «Geboren am 7.2.1971» aus ihrem Leben erzählen. Die Autorinnen Patricia Götti und Ursina Trautmann haben die Gespräche mit den heute 40-jährigen Frauen - und einigen ihrer Mütter - protokolliert und zusammen mit Fotografien von Annette Boutellier zu Monologen und Dialogen verdichtet.

Die normale Wahlfreiheit

Ausser dem Geburtsdatum haben die Porträtierten wenig gemeinsam. Und einigen wurde die historische Bedeutung des Datums erst spät im Leben bewusst. Diese Zufälligkeit scheint gewollt. Der unspektakuläre Querschnitt durch Frauenleben zeigt: Die nach 1971 geborenen Frauengenerationen führen ein ganz normales und weitgehend selbstbestimmtes Leben.

Da ist die in Brüssel lebende Rechtsanwältin Christa Cantieni Cunin, die als erste Frau ihres Bündner Dorfs studierte und als junge Frau eine kämpferische Feministin war. Heute nicht mehr: «Vielleicht, weil ich immer den Mut hatte, neue Wege zu beschreiten. Ich habe mich nie einschränken lassen. Allerdings ist mein Mann auch voll emanzipiert», sagt die vierfache Mutter.

Oder da ist die Neuenburger Hausfrau Valérie Surdez, die ihren «Traumjob» in einem Bundesamt bewusst an den Nagel gehängt hat, als nach der Geburt von Zwillingen vier Kinder zu betreuen waren. «Ich müsste meinen ganzen Lohn für die Kinderbetreuung ausgeben. Da mache ich in der Freizeit lieber etwas für mich.»

Der Einfluss auf politische Entscheide

Vor 40 Jahren habe die Frauenbewegung tüchtige Vorkämpferinnen und Ausnahmetalente gebraucht, schreibt die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer im Vorwort. Heute sollten Frauen ihrem ganz persönlichen Lebensentwurf folgen können, «so wie dies Männer seit eh und je tun». Denn zur Chancengleichheit gehöre es, «nicht ständig der bessere Mensch sein zu müssen».

Einen substanziellen Mehrwert bietet «Geboren am 7.2.1971» dank einem Überblick über 16 Urnengänge ab 1977, bei denen Frauen anders gestimmt haben als die Männer. Die Grafiken ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Und erinnern daran, dass der 7. Februar 1971 nicht nur individuelle Lebensentwürfe verändert, sondern ganz konkret politische Entscheide geprägt hat.

So setzten die Frauen bereits 1990 an der Urne gegen den Willen der Männer ein zehnjähriges Moratorium für den Bau neuer Atomkraftwerke durch.

(dj/sda/Theodora Peter)

Erstellt: 11.11.2011, 07:59 Uhr

Geboren am 2.7.1971. Die Mütter und Töchter des Frauenstimmrechts. Barbara Ritschard (Hrsg.), hep verlag Bern.

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