Die mit der Sprache Bilder malt

Auch Susanna Schwagers fünftes Buch ist jetzt auf der Bestsellerliste gelandet.

Streicht von allen Seiten Lob ein: Der Schriftstellerin Susanna Schwager gehen die Ideen nicht aus. Ein sechstes Buch ist schon in Planung.

Streicht von allen Seiten Lob ein: Der Schriftstellerin Susanna Schwager gehen die Ideen nicht aus. Ein sechstes Buch ist schon in Planung. Bild: PD

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Sie wäre am liebsten gestorben. Die grossen Plakate von ihr und ihrem jüngst erschienenen Buch – «Ida» – hingen bis vor kurzem in der Orell-Füssli- Buchhandlung und haben Susanna Schwager fast im Boden versinken lassen. Dabei hätte sie stolz sein können: Nicht viele einheimische Autorinnen und Autoren schaffen es so prominent in die Schaufenster. Und noch weniger landen mit jedem Buch in den Bestsellerlisten.

Doch Susanna Schwager ist kein Mensch der grossen Bühne. Als sie vor drei Jahren im Zürcher Kaufleuten ihre Porträtsammlung «Das volle Leben» vorstellte, wollte sie am äusseren Bühnenrand sitzen, beleuchtet lediglich von einer Leselampe. Im Scheinwerferlicht sassen bekannte Damen wie Stephanie Glaser oder Hanny Fries, die im Buch zu Wort kamen.Bloss ein Jahr später kam – erneut im Wörterseh-Verlag – der Folgeband über Männer über 80 heraus: Die beiden Bücher wurden bisher insgesamt über 100'000-mal verkauft.

Liebeserklärungen ans Leben

Und nun steht Susanna Schwager schon wieder auf der Liste. «Ida» ist eine Fortsetzung der beiden Bücher über ihre Grosseltern mütterlicherseits («Fleisch und Blut» 2004 und «Die Frau des Metzgers» 2007). Diesmal allerdings konnte die Autorin nicht mit noch lebenden Menschen sprechen, sie hat über ihre verstorbenen Ahnen väterlicherseits recherchiert und deren Geschichte in schwagersche Kunst verwandelt. Oder, wie sie es ausdrückt:«Die Sprache ist meine. Die Geschichten sind es nicht.»

«Ida» ist eine Liebesgeschichte vor erzkatholischem Hintergrund, eine Leidensgeschichte auch. Dokumentarische Literatur könnte man den Stil nennen, eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Die Autorin webt aus den biografischen Fäden, die sie einfängt, dichten Stoff, sie malt mit der Sprache Bilder, modelliert aus der Realität eine eigene. Ihre Neugierde am Einzelschicksal, die Würde, die sie noch im Abgründigsten sieht, macht aus den Erzählungen Liebeserklärungen ans Leben.

Viel Lob

Susanna Schwager erzählt uns Alltagskultur und macht diese sinnlich wahrnehmbar – ohne anbiedernd oder kühl zu werden. Im Gegenteil: Ihre Bücher strömen Wärme aus. Die Sprache, mit der sie die Eigenheiten ihrer Figuren einfängt, entwickelt eine ganz eigene Kraft. Dafür erhält sie viel Lob. Von Urs Widmer über Endo Anaconda bis zu Peter Zumthor sind sich alle einig: Das ist lesenswert, das ist gut! Dass so viele Lorbeeren Neid und Skepsis wecken können, versteht sich. Laut werden die kritischen Stimmen jedoch nicht. Bei Peter von Matt liegt «Ida» derzeit auf dem privaten Büchertisch. «Ich will unbedingt hineinlesen. Einerseits ist Susanna Schwager Teil einer grösseren kulturellen Bewegung, die einen neuen Zugang zur Schweizer Vergangenheit ermöglicht, indem sie die kleine Welt untersucht, anderseits ist sie eine Autorin, die äusserst raffiniert schreibt und eine hohe schriftstellerische Begabung hat.»

Susanna Schwager, die einstige «Weltwoche»-Journalistin und Diogenes-Lektorin, die mit Mann und Tochter drei Jahre in Mexiko lebte, kann mittlerweile vom Schreiben leben. Und sieht das als Privileg. Die Ideen werden ihr nicht ausgehen. Denn: «Mich packt das, was das Leben anstellt mit den Leuten.» Und nicht nur mit Alten, die sie bis jetzt ins Zentrum gerückt hat; im Herbst soll das nächste Schwager-Buch erscheinen: «Das halbe Leben – Junge Männer erzählen».

Erstellt: 09.01.2011, 22:40 Uhr

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