Rezension

Dieses Buch stinkt zum Himmel

Ein Glarner Autor erobert mit seinen Riechbüchern die Bestenlisten. Sein Held: Ein stinkender Geissbock.

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Es riecht nach Cola und Heu, Himbeere und Zuckerwatte – und mittendrin steht ein stinkender Geissbock namens Charly. Die Rede ist vom Riechbuch «Geissbock Charly reist um die Welt», das – wie schon sein Vorgänger «Der stinkende Geissbock» – derzeit reissenden Absatz findet. Kinder wie auch Erwachsene finden die von Roger Rhyner geschriebene Geschichte nicht bloss unterhaltsam, sondern mögen es auch äusserst gern riechen.

Streicht man mit der Hand über die Seiten, duftet es in zwölf verschiedenen Noten. Das erste Buch verkaufte sich vor vier Jahren rund 25'000-mal und hielt sich insgesamt 61 Wochen in der Bestsellerliste der Kinder- und Jugendbücher. Gut möglich, dass das aktuelle Charly-Buch daran anknüpft: «Geissbock Charly reist um die Welt» wurde im Herbst auf Anhieb auf Platz 5 der Bücherbestenliste katapultiert.

Der Erfolg der beiden Riechbücher kommt für Manuela Jutzi, Angestellte beim Kinderbuchladen in Zürich, nicht überraschend: «Ein Buch, das nach verschiedenen Aromen duftet, hat es schon lange nicht mehr gegeben.» Es ist für viele etwas Neues. Das mache neugierig. Eltern wie Kinder seien gleichermassen davon begeistert.

Jedes fünfte verkaufte Buch ist für Kinder

Es sind Kindergeschichten wie diejenige des stinkenden Geissbocks, die dem Buchhandel ein umsatzstarkes letztes Jahr bescherten: 20 Millionen Bücher sollen gemäss einer Studie allein in der Deutschschweiz verkauft worden sein, vermeldete der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV). Bei jedem fünften Buch handelte es sich um ein Kinderbuch.

Zu den erfolgreichsten Bilderbüchern gehörten 2013 «Findus zieht um», «Der Grüffelo» sowie das Puzzlebuch von «Der kleine Prinz». Abräumer bei den Kinder- und Jugendbüchern waren Mehrteiler wie «Gregs Tagebuch», «Der kleine Drache Kokosnuss» und «Star Wars». Doch auch Kinderbuchklassiker wie «Schellenursli», «Mutig, mutig», «Pitschi» und «Elmar, der farbige Elefant» sind nach wie vor umsatzstark. Zahlreiche Eltern, Paten sowie Grosseltern verlangen danach. «Diese Bücher dürfen nie am Lager fehlen», sagt Jutzi.

Das gilt auch für das duftende Kinderbuch vom Geissbock, dessen ursprüngliche Idee mehr als hundert Jahre zurückreicht. Schon damals begann man im Kino, mit begleitenden Gerüchen zu experimentieren. Das Problem war allerdings, dass sich die Düfte zu schnell verflüchtigten. Noch heute versuchen sich Filmemacher an olfaktorischen Effekten: Kommende Woche zum Beispiel im EWZ-Stattkino beim Film «Pepperminta» von Pipilotti Rist. Der Parfümeur Andreas Wilhelm berauscht die Filmszenen mit seinen Düften aus einer 1800 Essenzen umfassenden Palette. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.02.2014, 09:47 Uhr

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