Ein Feuerwerk von schwarzem Humor und ätzendem Sarkasmus

Krimi der Woche: Um ideologiefreie Profi-Terroristen geht es im witzigen Thriller «Wer andern eine Bombe baut» des Schotten Christopher Brookmyre.

Packt den Leser mit seinem Witz und seiner Schlagfertigkeit: Der schottische Autor Christopher Brookmyre.

Packt den Leser mit seinem Witz und seiner Schlagfertigkeit: Der schottische Autor Christopher Brookmyre. Bild: Chris Close

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Der erste Satz
Armselige Vorstadtsklaven.

Das Buch
Die Bücher von Christopher Brookmyre tragen Titel wie «Boiling a Frog» und «All Fun and Games until Somebody Loses an Eye», beide nicht ins Deutsche übersetzt, oder «Die hohe Kunst des Bankraubs» und «Angriff der unsinkbaren Gummienten». Die Titel täuschen nicht: Die über 20 Romane des 49-jährigen Schotten – nur 4 gibt es bisher auf Deutsch – sind ziemlich lustig. Auch wenn es in der Haupthandlung schon mal ziemlich hart zur Sache geht. So auch im jetzt auf Deutsch aufgelegten Thriller «Wer andern eine Bombe baut», der 2001 im Original unter dem Titel «A Big Boy Did It and Ran Away» erschien.

Im eigentlichen Plot des Romans geht es um Raymond, einen jungen Vater, der am Flughafen Simon, einen alten Bekannten aus Studententagen, mit dem er zusammen gewohnt und in einer Band gespielt hat, sieht. Doch Raymond war drei Jahre zuvor an Simons Beerdigung. Und kurz nach der flüchtigen Begegnung am Flughafen von Glasgow lauern bewaffnete Männer Raymond auf.

Simon, so stellt sich heraus, hat seinen Tod nur vorgetäuscht und ist abgetaucht, um als Profi-Terrorist für verschiedenste Auftraggeber in aller Welt zu arbeiten. Seine Organisation steht «für den Ansatz des freien Marktes und würde sich niemals ein Geschäft von so etwas Vulgärem wie Politik verderben lassen». Jetzt ist Simon für einen Anschlag in seine schottische Heimat zurückgekehrt.

Diese Handlung bildet für Brookmyre den – durchaus spannenden – Rahmen für zumeist höchst vergnügliche Abschweifungen in die Vergangenheit der Protagonisten, die das Buch auf über 500 Seiten anschwellen lassen. Slapstick-artige WG-Szenen aus der Studentenzeit, Abenteuer aus der Frühzeit der Computerspiele, Betrachtungen über das Leben im schrecklichen Aberdeen, Rays Schwierigkeiten als neuer Lehrer mit frechen Schülern und vieles mehr benutzt Brookmyre, um ein Feuerwerk von schwarzem Humor und ätzendem Sarkasmus abzubrennen. Kaum will man sich darüber ärgern, dass die eigentliche Handlung schon wieder unterbrochen wird, packt einen der Autor mit seinem Witz und seiner Schlagfertigkeit gleich wieder, und man stürzt sich vergnügt in die nächste Ausschweifung.

Raymond stürzt sich mit der Polizistin Angelique de Xavia – Brookmyre-Leser kennen sie aus «Die hohe Kunst des Bankraubs» –, die von allen unterschätzt wird, weil sie klein und dunkelhäutig ist, in eine wilde Jagd auf Simon, der seine alte Egomanie nicht verloren hat. «Vielleicht ist er heutzutage ein weltberüchtigter Terrorist, aber er ist garantiert immer noch das gleiche Arschloch», ist Raymond überzeugt. Nicht erst das dramatische Finale in den Katakomben einer Staumauer zeigt, dass er recht hat.

Die Wertung

Der Autor
Christopher Brookmyre, geboren 1968 in Glasgow, studierte englische Literatur und Theaterwissenschaften an der Universität Glasgow. Er war in London, Los Angeles und Edinburgh als Journalist tätig, bevor er 1996 seinen ersten Roman «Quite Ugly One Morning» veröffentlichte. Inzwischen gibt es rund zwei Dutzend Thriller von Brookmyre. Auf Deutsch sind bei Galliani, Berlin, erschienen: «Wer schlafende Hunde weckt» (2012; Original: «Where the Bodies Are Buried», 2011), «Die hohe Kunst des Bankraubs» (2013; «The Sacred Art of Stealing», 2003), «Angriff der unsinkbaren Gummienten» (2014; «The Attack of the Unsinkable Rubber Ducks», 2007) und jetzt «Wer andern eine Bombe baut» («A Big Boy Did It and Ran Away», 2001). Brookmyre lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in der Nähe von Glasgow.

Christopher Brookmyre: «Wer andern eine Bombe baut» (Original: «A Big Boy Did It and Ran Away», Little Brown, London, 2001). Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Galliani, Berlin, 2018. 511 S., ca. 23 Fr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2018, 10:49 Uhr

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